Neo Rauch, Rosa Loy und Yuval Sharon
Neo Rauch, Rosa Loy und "Lohengrin"-Regisseur Yuval Sharon Bildrechte: Andreas Höll

Richard-Wagner-Festspiele 2018 Neo Rauch und Rosa Loy: Bühnenbild des Bayreuther "Lohengrin" soll verzaubern

Neo Rauch und Rosa Loy gestalten in diesem Jahr das Bühnenbild für den "Lohengrin" bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth. Rauch und Loy möchten dem Publikum mit dieser Arbeit keine "Regietheaterverrenkungen" zumuten, sondern sehen das Bühnenbild als Teil ihrer romantischen Mission der "Wiederverzauberung der Welt".

Neo Rauch, Rosa Loy und Yuval Sharon
Neo Rauch, Rosa Loy und "Lohengrin"-Regisseur Yuval Sharon Bildrechte: Andreas Höll

Mit der Neuproduktion des "Lohengrin" werden am 25. Juli in Bayreuth die Richard-Wagner-Festspiele eröffnet. Das Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy hat das Bühnenbild zur Oper gestaltet und versteht sein Werk als ein Gegenprogramm zur aktuellen Medienwelt. Im Gespräch mit MDR KULTUR erzählen die beiden Leipziger, dass die Gestaltung gegen die "Zumutungen und Übergriffigkeiten, die uns aus der Medienwelt täglich zusetzen" verstanden werden kann. Es seien keine Regietheaterverrenkungen zu erwarten, sondern es werde eine zauberische Handlung abgespult.

Der Besucher [...] soll sich in den Genuss eines Labsals bringen, einer heilsamen Kur für die Seele.

Neo Rauch

Mit dieser Arbeit strickt das Künstlerpaar weiter an seiner romantischen Mission der "Wiederverzauberung der Welt". Wagners Geschichte vom kräftezehrenden Kampf der Geschlechter um Gleichberechtigung wird von Regisseur Yuval Sharon vor dem Hintergrund der MeToo-Debatte zeitgenössisch hinterfragt. Neo Rauch jedoch hofft, dass die aktuellen Diskussionen den historischen Stoff nicht überlagern. Ihm wäre es lieb, würden diese Debatten nur "subkutan in das Gemüt und die Seele des Betrachters einsickern, ohne dass es ihm die Haut wund reißt."

Lohengrin als energetische Figur

Plakat "Lohengrin" der Bayreuther Festspiele 2018
Plakat "Lohengrin" bei den Bayreuther Festspielen Bildrechte: Andreas Höll

Bei der Premiere von Regisseur Yuval Sharon am 25. Juli erwartet die Zuschauer ein Bühnenbild, das von Energie getragen werden soll. Das erklärt Rauch bei MDR KULTUR so: "Lohengrin ist nach meinem Verständnis eine hoch energetische Figur. Als zentrale architektonische Einrichtung gibt es eine Art Umspannwerk, zu dem Leitungen hin verlaufen, die aus unvordenklicher Zeit zu stammen scheinen und die nach wie vor in der energetischen Einspeisung harren. Das ist dann die Aufgabe Lohengrins." Und auch in den Kostümen von Loy spiegelt sich dieses Thema wider: "Erst ist alles ganz dunkel und dann wird es immer heller. Wir haben schon Requisiten, die dann beginnen zu leuchten. Aber da wollen wir uns noch nicht weiter zu äußern."

Neo Rauch und Rosa Loy arbeiten zum ersten Mal gemeinsam an einem Bühnenbild. Ihren Aufenthalt auf dem "Grünen Hügel" in Bayreuth erlebt das Paar als besondere Inspiration. "Das ist ein ungeheures Geschenk. Wir erleben, wie unsere Entwürfe durch fremden Willen eine Vertiefung bekommen, die man so mit malerischen Mitteln gar nicht hätte leisten können", betont Rauch auf Nachfrage zu den Farbverläufen auf der Bühne. Anders als sonst ist der Maler nun abhängig von der Lichtregie.

Das Schaffen des Künstlerpaares wird bereits längere Zeit von "Lohengrin" bestimmt. Rauch spricht von "narkotischer Musik" und erklärt: "Seit ungefähr sechs Jahren ist er [Lohengrin, Anm. d. Red.] Dauergast, und es gibt seltsamerweise keine Abnutzungserscheinungen. Er hat sich in mich hineinmassiert und gibt mir von innen her sogar ein gewisses blaues Leuchten. Also ich bin von ihm durchglüht." Und Loy fügt hinzu: "Unglaublich, was für eine tolle Musik das ist, die macht so ein gutes Gefühl im Körper. [...] So eine positive Ausstrahlung hat das Stück. Das kann eigentlich nur besser werden."

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Juli 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2018, 04:00 Uhr