Auftaktpanel bei der Europäischen Public Value Konferenz beim MDR in Leipzig: v.l.: Moderatorin Jana Hahn, Deutschlandfunk-Intendant Stefan Raue, Gilles Marchand, Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft, und MDR-Intendantin Prof. Dr. Karola Wille sowie live aus Wien zu geschaltet: Dr. Alexander Wrabetz, Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks.
Auf der Konferenz trafen sich Vertreter europäischer öffentlich-rechtlicher Sender. Bildrechte: MDR/Axel Berger

Public-Value-Konferenz Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk dem Gemeinwohl nutzen soll

Auf der Public-Value-Konferenz in Leipzig wollen Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen eine Debatte anstoßen, wie die Rundfunkanstalten im Zuge einer sich verändernden Medienlandschaft zum Gemeinwohl beitragen können. Als Ergebnis präsentierten sie den sogenannten "Leipziger Impuls", der mehrere Handlungsfelder für die Zukunft vorgeben soll.

Anne Sailer, Mitarbeiterin MDR KULTUR
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

von Anne Sailer, MDR KULTUR

Auftaktpanel bei der Europäischen Public Value Konferenz beim MDR in Leipzig: v.l.: Moderatorin Jana Hahn, Deutschlandfunk-Intendant Stefan Raue, Gilles Marchand, Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft, und MDR-Intendantin Prof. Dr. Karola Wille sowie live aus Wien zu geschaltet: Dr. Alexander Wrabetz, Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks.
Auf der Konferenz trafen sich Vertreter europäischer öffentlich-rechtlicher Sender. Bildrechte: MDR/Axel Berger

Wie können die öffentlich-rechtlichen Sender verstärkt zum Gemeinwohl beitragen? Mit dieser Frage haben sich die Teilnehmer bei der europäischen Public-Value-Konferenz beschäftigt, die am Dienstag und Mittwoch in Leipzig stattgefunden hat.

"Leipziger Impuls" soll Debatte anstoßen

Vertreter des MDR, des Schweizerischen Radio und Fernsehen (SRF), des ORF aus Österreich, des ZDF, des Westdeutschen Rundfunk und des Deutschlandradios haben dabei den sogenannten "Leipziger Impuls" auf den Weg gebracht, von dem sie sich erhoffen, dass er eine Debatte über den Gemeinwohlbeitrag der Sender und Sendeanstalten anstößt.

Karola Wille, Intendantin des MDR, sagte im Rahmen der Konferenz, dass man gelernt habe, dass es nicht nur ausreiche, über große Reichweite zu verfügen, "sondern die Nähe zu den Menschen ist ebenso wichtig wie der Nachweis des Public Value gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern."

Begrüßung durch Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des MDR
Die Intendantin des MDR, Karola Wille, bei der Public-Value-Konferenz. Bildrechte: MDR/Axel Berger

Public Value bedeutet unverändert, dass wir für unsere Gesellschaft von Nutzen sein müssen.

Karola Wille, Intendantin des MDR

Handlungsfelder für eine veränderte Medienlandschaft

Die Medienlandschaft habe sich stark verändert, so Wille, da vor allem jüngere Menschen Medien nicht mehr im klassischen Sinne konsumieren würden und auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und Journalisten und Journalistinnen auf der Straße im Zuge der sich polarisierenden Gesellschaft, immer mehr Anfeindungen ausgesetzt seien.

Um sich den wachsenden Herausforderungen im digitalen Zeitalter stellen zu können, wurden in dem Papier "Leipziger Impuls" sechs Handlungsfelder ausgearbeitet:

1. Innovation

Die Medienmacherinnen und Medienmacher sehen ihren Gemeinwohlbeitrag darin, Debatten in eine interaktive Diskurswelt zu übersetzen und zu integrieren. Daher wolle man mediale Brücken bauen und den Dialog zwischen unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen unterstützen und das Recht jedes Einzelnen auf freie Meinungsäußerung auf verantwortungsvolle Weise kultivieren.

2. Qualität

Die journalistische Qualität solle gewahrt werden. Qualitätskriterien sollten aber auch weiterentwickelt werden. Dabei sei es wichtig, die Vielfalt aller Angebote und in allen Bereichen als Gemeinwohlqualität verantwortungsvoll zu gestalten und dafür jeder Person einen Zugang zu ermöglichen.

3. Netzwerke

Netzwerke seien auch in der neuen Medienwelt notwendig. Wichtig sei es zum Beispiel Mediatheken zu vernetzen, mehr Inhalte zu teilen und mit Start-Ups zu kooperieren. Kooperation mit anderen öffentlich-rechtlichen und privaten Partnern zu stärken. Die Zusammenarbeit mit Kulturpartnern, aber auch öffentlichen und gemeinnützigen Institutionen soll mehr Teilhabe der Bevölkerung an öffentlichen Diskursen ermöglichen.

4. Transparenz

Wichtig sei es weiterhin, dass publizistisches und wirtschaftliches Handeln nachvollziehbar und überprüfbar gemacht wird. Das sei die Grundlage jeden Vertrauens.

5. Unabhängigkeit

Diese sei ein Grundversprechen und das Fundament der gesellschaftlichen Akzeptanz öffentlich-rechtlich finanzierter Medien. Unterschiedlichste gesellschaftliche Gruppen und Perspektiven sollten in allen Bereichen und Prozessen eingebunden sein.

6. Führung

Die Gemeinwohlorientierung soll auch in internen Prozessen eine Rolle spielen, denn nur durch gute wertschätzende Führung, könne eine Wertschätzungskultur entstehen und nach außen getragen werden.

Anstoß für weitere Debatten

Als Ziel formulierte die MDR-Intendantin: "Wir müssen für die Gesellschaft und für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger einen Wert darstellen – demokratische, kulturelle, soziale Bedürfnisse befriedigen." Mit der Public-Value-Konferenz solle nun ein Prozess angestoßen werden, der im Innen und Außen der Öffentlich-Rechtlichen zu Debatten führen soll.

Panel: mit Prof. Dr. Karola Wille, Gilles Marchand, Stefan Raue, Live-Schalte zu Dr. Alexander Wrabetz auf Monitor und Jana Hahn 4 min
Bildrechte: MDR/Axel Berger

In Leipzig diskutierten Experten über die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Gesellschaft. Wie wichtig ist er für das Gemeinwohl? Mit welchen Strategien will er überzeugen? Ein Stimmungsbild der Konferenz.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 04.12.2019 08:10Uhr 03:34 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Panel: mit Prof. Dr. Karola Wille, Gilles Marchand, Stefan Raue, Live-Schalte zu Dr. Alexander Wrabetz auf Monitor und Jana Hahn 4 min
Bildrechte: MDR/Axel Berger

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Dezember 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2019, 13:45 Uhr