Neues Album "Putzlicht" von Niels Frevert: Intelligenter, deutscher Pop voller Wortwitz

Niels Frevert meldet sich mit seinem sechsten Album "Putzlicht" eindrucksvoll zurück aus seiner mehrjährigen Schaffenspause. Der Hamburger Musiker und Songwriter ist nun beim Label Grönland von Herbert Grönemeyer unter Vertrag. Und auch, wenn auf dem Album manchmal auch dunkle Anklänge zu hören sind, gewinnt bei Frevert am Ende doch der Optimismus.

von Hanna Hammerich, MDR KULTUR-Musikkritikerin

In den vergangenen Jahren war es etwas still geworden um den Hamburger Musiker und Songwriter Niels Frevert. Erzwungene Schaffenspause, Schreibblockade – das klingt nach Krise. Mit seinem sechsten Album "Putzlicht" hat er nun zurückgefunden, zu sich und auch zur Musik.

Das Konzept für dieses Album, das war mir relativ schnell klar, ich möchte ein kraftvolles, ein strahlendes Album haben. Das kann nach Krise klingen, aber bitte nach Krise, die jemand hinter sich gelassen hat und nicht nach jemandem, der in der Krise steckt.

Niels Frevert, Songwriter und Musiker
Portrait von Niels Frevert
Niels Frevert ist mittlerweile Anfang Fünfzig. Bildrechte: Benedit Schnermann VISUALS

Niels Frevert hält nichts von Selbstmitleid und Jammerliedern. Etwas Distanz war deshalb nötig, bis er sich an eine neue Platte machen konnte. Dafür dann aber umso gründlicher.

Die künstlerische Heimat fand Frevert bei Grönemeyers Qualitätslabel Grönland. Ein Ort, der ihm Raum für Gestaltungsfreiheiten lässt und ihm ein Feilen an den Songs ohne Zeitdruck ermöglicht.

Frevert, so hat man das Gefühl, wollte das beste Album seiner Karriere machen. Auch deshalb suchte er die künstlerische Unterstützung beim befreundeten Produzenten Philipp Steinke, der auch Bands wie BOY oder Kettcar produziert. Und Steinke hat genau verstanden, worauf es Frevert ankommt.

Da wusste ich schon, das Album wird anders klingen als die letzten drei Platten. Jetzt wird produziert. Ich hatte die Sachen vorgespielt und hatte schon Philipp gesagt, ich glaube, das wird irgendwie ein sehr kraftvolles Album. Und da guckte er mich an und sagte, ah ok, verstehe.

Niels Frevert

Also: alles bleibt anders bei Frevert – um mal in der Sprache seines Labelbosses Grönemeyer zu bleiben. Beats, die einen sanft nach vorne schieben, wunderbare Bläsermelodien, arrangiert und eingespielt von der Musikerin CATT, weniger Streicher, aber wenn, dann machen sie den musikalischen Himmel ganz weit auf; mehr elektrische Gitarren, ein dunkler, ein warmer Sound.

Lyrische Kraft des Putzlichtes

Niels Frevert: "Putzlicht" (Cover)
Cover des Albums "Putzlicht" von Niels Frevert Bildrechte: Grönland Records

Der späte Frevert ist beim frühen Frevert angekommen. Und das heißt eben auch, seine Texte haben an Doppeldeutigkeit und Sprachwitz nichts eingebüßt. Waren es früher Worte wie "Einwegfeuerzeugstichflamme", die den Texter zu poetischen Höhenflügen starten ließen, ist es auf dem neuen Album das scheinbar profane Wort "Putzlicht", das Frevert mit lyrischer Kraft auflädt.

"Putzlicht" trifft in seiner Knappheit den Kern des Albums: Frevert hat aufgeräumt, mit sich und seiner Musik, ohne dass Verlorenheit und Einsamkeit der Nacht schon vergessen wären. Der Künstler sagt dazu: "Man kann Putzlicht natürlich als Ende interpretieren – die Party ist vorbei – oder eben auch als Start von etwas neuem. Weil, wenn das Putzlicht angeht, fühlen sich erstmal alle so 'Hm, ich will hier raus'. Aber es wird ja auch aufgeklärt und es wird aufgeräumt. Und wenn’s ein Club ist, dann wird der wieder startklar gemacht."

"… dann ist es halt dunkel"

Alltägliche Szenen von "Hinterhofgeflüster und Kühlschrankbrummen" werden bei Frevert zu Poesie. Und immer wenn man sich gerade eingerichtet hat auf ein Gefühl, eine Stimmung, ein Bild, durchbricht er es. So wie in dem fast schon zu schönen Song "Wind in deinem Haar", wo ein Alarm auf der Intensivstation die Idylle stört.

Portrait von Niels Frevert
Anfang der 90er-Jahre feierte Frevert bereits Erfolge als Sänger der Band Nationalgalerie. Bildrechte: Benedit Schnermann VISUALS

Zum Verhältnis von Dunkelheit und Licht in seinen Songs bemerkt Frevert: "Also wenn’s jetzt ein dunkler Text ist und eine dunkle Musik, naja, dann ist es halt dunkel. Genauso was das Helle und Fröhliche angeht. Aber wenn das miteinander irgendwie so was Bestimmtes macht, dann geht’s eigentlich – also mir auf jeden Fall – noch näher zu Herzen."

Am Ende gewinnt auf Freverts Album der Optimismus. Dass er immer wieder nach vorne schauen kann, liegt nicht zuletzt an der Musik selbst. Die fängt ihn auf und treibt ihn an.

Wir alle kennen das: die Musik, an der kann man sich auch gut festhalten in schwierigen Zeiten. Aber manchmal bringt die Musik einen auch so ein bisschen zur Verzweiflung, weil man ihr natürlich auch gerecht werden will.

Niels Frevert

Dieser Verantwortung gegenüber der Musik hat sich Frevert gekonnt gestellt. "Putzlicht" ist intelligenter, deutscher Pop, von dem man sich nur mehr wünschen kann.

Niels Frevert, Hamburger Singer-Songwriter 26 min
Bildrechte: imago images / opokupix

"Putzlicht", das neue Album von Niels Frevert, ist der Rückblick auf die vielleicht schwerste Zeit seines Lebens und doch ein optimistischer Fingerzeig in die Zukunft. Ein exklusives Konzert mit Interview bei MDR KULTUR.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 21.09.2019 16:05Uhr 26:15 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Niels Frevert: "Putzlicht" Erschienen beim Label Grönland

Konzerttipps:
17. Oktober | Dresden
9. Dezember | Leipzig (akustisch)
13. Dezember | Magdeburg.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. September 2019 | 09:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2019, 04:00 Uhr

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