Queer Eye, Serie
Die "Fab Five" aus "Queer Eye" in Aktion Bildrechte: Netflix

Reality-Show bei Netflix "Queer Eye" zeigt, wie gut Reality-Shows sein können

"Queer Eye" ist eine Reality-Show, die bei Netflix gerade mit der zweiten Staffel viel Aufmerksamkeit erhält. Fünf schwule Männer gestalten das Leben ihrer Protagonisten grundlegend um. Die Show überzeugt vor allem mit ihrem emotionalen Ansatz. Und sie versucht, Verständnis zu schaffen - und das mitten im Trump-Land Georgia.

von Kais Harrabi, MDR KULTUR

Queer Eye, Serie
Die "Fab Five" aus "Queer Eye" in Aktion Bildrechte: Netflix

An der Börse läuft es zwar gerade nicht so gut für Netflix, dafür gibt es aber immer noch zahlreiche Serien auf der Plattform, über die alle reden. Aktuell gehört dazu die Show "Queer Eye". Fünf schwule Männer möbeln darin pro Folge das Leben eines Protagonisten auf. Mit neuer Einrichtung, neuer Kleidung, ein bisschen Kultur, Frisur und gutem Essen. Dennoch ist die Show mehr als eine ungenierte Feier des Konsumierens.

Emotionaler Ansatz

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Die Reality-Show überzeugt mit ihrem emotionalen Zugang Bildrechte: Netflix

Das Konzept der Show stammt aus einer Zeit der hemmungslosen Konsumkultur, Anfang der Nullerjahre. "Queer Eye" ist die Neuauflage der Show "Queer Eye for the Straight Guy". Dementsprechend scheint die Philosophie der Show auch eine Art "Kauf dich glücklich" zu sein. Mit den richtigen Klamotten, Möbeln, ein bisschen Feuchtigkeitscreme und Eintrittskarten für ein Museum wird alles gut.

Aber eigentlich ist das Quatsch, denn "Queer Eye" zielt nicht auf die Brieftasche, sondern mitten ins Herz. Statt Häuser komplett terrakottafarben zu streichen, ob es passt oder nicht, stehen bei "Queer Eye" vor allem die Menschen im Vordergrund. Die "Fab Five" spendieren ihnen zwar eine grundlegende Renovierung, aber viel wichtiger ist eigentlich, dass sie den Menschen helfen, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Das wird mitunter ganz schön emotional.

Unterwegs im Trump-Land

Dazu kommt, dass die Show eben nicht in New York oder Los Angeles oder einem dieser amerikanischen Landstriche spielt, die man schon tausendmal im Fernsehen gesehen hat, sondern im Bundesstaat Georgia. Georgia liegt nördlich von Florida, hier wird noch die Todesstrafe vollstreckt. Georgia ist Trump-Land.

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Gefühle können gezeigt werden Bildrechte: Netflix


Wenn fünf schwule Männer hier unterwegs sind, dann auch mit einer Mission. Sie wollen ins Gespräch kommen, die anderen verstehen und auch Verständnis für sich schaffen. Das führt dann auch zu sehr interessanten Konfrontationen. In einer Folge der ersten Staffel sitzt beispielsweise der schwarze Kulturexperte Karamo mit dem weißen Polizisten Cory alleine im Auto. Schnell kommt das Thema Polizeigewalt auf. Karamo beschreibt die spürbaren Spannungen zwischen Schwarzen und Polizisten. Der Polizist beschreibt einen Fall von exzessiver Gewalt im Nachbardistrikt und zeigt sich davon schockiert. Für Karamo ist das ein Moment, der ihn enorm erleichtert.

So einfach ist es letztlich nicht

Trotzdem bleiben ein paar Fragezeichen zurück. Das Fundament der Show ist eben auch das Klischee, dass schwule Männer Experten für die schönen Dinge des Lebens sind. Dass die Show an vielen Stellen suggeriert, dass sich grundsätzliche gesellschaftliche Probleme, wie Polizeigewalt oder Homophobie damit lösen lassen, dass jemandem das Haus renoviert und die Haare geschnitten werden - nicht zu vergessen die obligatorische Umarmung - ist zwar eine schöne Vorstellung. Aber vermutlich funktioniert das so auch nur in der alternativen Realität dieser Show.

"Queer Eye" zeigt am Ende eben nicht, dass Konsum glücklich macht, aber dass er gut als Startrampe taugt, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen, mit denen man so vielleicht gar nichts zu tun gehabt hätte. Ob die Effekte nachhaltig sind, wird man wahrscheinlich nie herausfinden. Aber immerhin, "Queer Eye" zeigt, was eine gute Reality-Show kann, die ihren Kandidaten und ihren Moderatoren mit Empathie und Wärme begegnet: Nämlich verdammt gut unterhalten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Juli 2018 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2018, 04:00 Uhr