Bundesgartenschau Erfurt 2021 Warum auf der Buga 2021 Stauden im Mittelpunkt stehen

Der Klimawandel und seine Einflüsse auf die Gestaltung von Gärten und Parks sind eines der ganz großen Themen der diesjährigen BUGA. Auch das etwa 4.000 Quadratmeter große, neu gestaltete Staudenband entlang der Wasserachse widmet sich ausgewiesener Maßen diesem Aspekt. Das Pflanzkonzept dafür stammt von der Landschaftsarchitektin Petra Pelz. Die gebürtige Magdeburgerin setzt sich seit mehr als 25 Jahren für Pflanzen ein, die gut mit Trockenheit zurechtkommen.

Petra Pelz ist bekannt dafür, auch große Flächen in Angriff zu nehmen. Flächen, die mitunter so groß sind wie ein Fußballfeld. Und der Erfurter Auftrag, das Staudenbeet neu zu gestalten, trifft einerseits auf eine ihrer Vorlieben. Und zugleich ist es ein drängendes Projekt für Gegenwart und Zukunft, danach zu fragen, wie Gärten und Parks mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen.

Eine Möglichkeit zeigt die Landschaftsarchitektin zum Beispiel mit einer Pflanzung, die Stauden und Gräser aus mediterranen Gebieten, Steppe und Prärie kombiniert. Überhaupt: die Prärie. Auch wenn es möglicherweise zunächst einmal für alle gärtnernden Menschen hierzulande überraschend klingen mag, ist das eine der Landschaften, die Petra Pelz inspirieren.

Also, im Grunde genommen bin ich oft gereist – an Naturstandorten. Mehrmals war ich in der Prärie, in der nordamerikanischen Hochgrasprärie. Also da, wo unsere Gartenpflanzen herkommen. Da wachsen ja Astern und Monarden und die Rutenhirse ...

Petra Pelz, Landschaftsarchitektin

Gärten sind keine grünen Skulpturen, niemals erreichen sie ihre endgültige Form, sondern sind immer in Veränderung. Mit dem Lauf der Jahreszeiten sowieso, auch mit zunehmenden Jahren, aber natürlich auch in Abhängigkeit von Umwelteinflüssen. Sich diesen Herausforderungen immer wieder von Neuem zu stellen, sich in Korrespondenz mit der Natur zu begeben, gehört ganz sicher zu den fundamentalen Einsichten einer zeitgemäßen Garten- und Landschaftsarchitektur.

Als ich 1993 anfing, da war alles sehr kleinteilig, da hat man kleine Gruppen gesetzt und da hieß es, man pflanzt nach Geselligkeit. Das ist ja heute immer noch richtig: Pflanzen, wie sie in der Natur vorkommen zu verwenden – einerseits. Aber andererseits ist ein Garten ja auch ein Kulturraum. Und da kann man einfach mal großzügig sein.

Petra Pelz, Landschaftsarchitektin
BUGA 2021 Erfurt 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erfurt und die BUGA: Gartengeschichte und Höhepunkte. MDR Kultur-Gartenexpertin Sabine Frank ist im Gespräch.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 23.04.2021 18:00Uhr 06:57 min

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Aus verschiedenen Blüten geformte Schmetterlinge 7 min
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Die Buga-Eröffnung kommt, doch was wird unter Corona-Bedingungen überhaupt zugänglich sein? MDR Kultur-Gartenexpertin Sabine Frank ist im Gespräch.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 23.04.2021 18:00Uhr 07:06 min

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Stadtentwicklungsprojekt Gera-Aue 4 min
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Für die Bundesgartenschau entsteht ein Landschaftspark entlang der Gera. Er bietet einen komplett neuen Erfahrungs- und Erlebnisbereich.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 23.04.2021 18:00Uhr 04:01 min

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Der frühere sowjetische Truppenübungsplatz ist heute Elbauenpark. 5 min
Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Urban Jungle und stille Inseln

Von der Landschaftsarchitektin Petra Pelz gestaltetes Beet zur IGA Rostock 2003
Von Petra Pelz gestaltete Fläche zur IGA Rostock 2003 Bildrechte: Petra Pelz

In den Fensterbeeten des Erfurter Stauden-Gartens wird das Thema Klimawandel anhand verschiedener Möglichkeiten gezeigt. Zum Beispiel mit einer mediterran anmutenden Pflanzung. Hier wachsen Lavendel, Salbei, Rosmarin, Bratblumen und weitere bienenfreundliche Stauden. Im "Urban Jungle" sind Stauden zu bewundern, deren besondere Zierde die Blätter sind, die mit Formen und verschiedenen Grüntönen Akzente setzen. Auch hierfür wurden Stauden aus verschiedenen Ländern kombiniert: Elfenblumen, Farne, Gräser, Funkien.

Immer wieder bilden einzelne Pflanzengruppen im Staudengarten von Petra Pelz geschwungene Formen mit unterschiedlicher Wuchshöhe. Hohe Gruppen wechseln sich mit niedrigen Pflanzungen ab. So entstehen Räume, die nicht alles auf einen Blick zeigen. Das Konzept der "silent island", der "stillen Insel" verfolgt Petra Pelz schon länger.

Ich finde, Rasen wird im Zuge des Klimawandels, wenn man ihn nicht bewässert, problematischer – zunehmend. Und von daher gibt es andere Konzepte. Ich nenne das "silent island". Also man taucht in Räume ein und ist verschwunden. Das ist ja so eine Art Eintauchen in eine Pflanzenlandschaft. Und hat ja auch was Meditatives. Und man hat gleichzeitig Sichtschutz zum Nachbarn. Und man hat Blüte das ganze Jahr. Es hat viele Vorteile, wenn man weniger Rasen hat.

Petra Pelz, Landschaftsarchitektin

Nicht nur in kleinen Privatgärten am Reihenhaus verfolgt Petra Pelz ihr Konzept der grünen Rückzugsräume, sondern auch auf der BUGA 2021 in Erfurt. Es spricht einiges dafür, dass ihre Ideen sich herumsprechen. In Erfurt jedenfalls wird ihr Pflanzkonzept nach der BUGA im ega-Park auch in den kommenden Jahren zu bewundern sein.

Petra Pelz - Meisterin der Gartengestaltung

Von der Landschaftsarchitektin Petra Pelz gestaltetes Beet zur BUGA Koblenz 2011
Petra Pelz ist bekannt für ihre wunderschönen Pflanzungen aus Gräsern und Stauden, die seit vielen Jahren auf Landes- und Bundesgartenschauen zu bewundern sind, wie dieses farbenfrohe Beet auf der IGA Koblenz 2011. Bildrechte: Petra Pelz
Von der Landschaftsarchitektin Petra Pelz gestaltetes Beet zur BUGA Koblenz 2011
Petra Pelz ist bekannt für ihre wunderschönen Pflanzungen aus Gräsern und Stauden, die seit vielen Jahren auf Landes- und Bundesgartenschauen zu bewundern sind, wie dieses farbenfrohe Beet auf der IGA Koblenz 2011. Bildrechte: Petra Pelz
Von der Landschaftsarchitektin Petra Pelz gestaltetes Beet zur BUGA Koblenz 2011
Diese vielfältige Kombination aus Korbblütlern und Gräsern entstand ebefalls zur BUGA Koblenz 2011 Bildrechte: Petra Pelz
Von der Landschaftsarchitektin Petra Pelz gestaltetes Beet zur IGA Rostock 2003
Nicht nur Farben, auch unterschiedliche Blatt- und Blütenformen nutzt Petra Pelz bei ihren Gartengestaltungen. Im Bild: Pflanzung zur IGA Rostock 2003. Bildrechte: Petra Pelz
Von der Landschaftsarchitektin Petra Pelz gestalteter Privatgarten, 2005
Ihren großzügigen Stil setzt Petra Pelz auch in kleineren Gärten ein. Im Bild: Privatgarten in Biederitz, 2005 Bildrechte: Petra Pelz
Die Landschaftsarchitektin Petra Pelz gestaltet das große Staudenbeet im Egapark Erfurt anlässlich der BUGA 2021 neu.
Petra Pelz arbeitet bei der Umsetzung ihrer Pläne eng mit den Gärtnern zusammen. Über sich selbst sagt sie: "Ich bin vielleicht so 'ne Mischung zwischen Phantasie und Kopf, aber auch Gummistiefel und fest im Boden stehend." Bildrechte: BUGA Erfurt 2021
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Die Feature-Autorin Sabine Frank Sabine Frank, Jahrgang 1963, studierte Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig, war unter anderem im Literaturmuseum "Romantikerhaus" in Jena tätig und arbeitet seit 2003 als freie Autorin. Sie hat mehrere Bücher zur Gartenkulturgeschichte geschrieben und für den Rundfunk Themen aus den Bereichen Kulturgeschichte und Naturwissenschaft bearbeitet. 2016 wurde ihr Feature "Die Gerechten von Tautenhain" mit dem Internationalen Feature-Preis der Stiftung Radio Basel ausgezeichnet.

Angaben zu den Sendungen

Wagemut und Eigensinn: Die Landschaftsarchitektin Petra Pelz
Von Sabine Frank
Regie: Ulrike Lykke Langer
Produktion: MDR 2021 - Ursendung

MDR KULTUR | Feature
17.04.2021 | 09:00 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Feature | 17. April 2021 | 09:00 Uhr

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