Mo 26.02. 2018 18:05Uhr 55:00 min

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MDR KULTUR - Das Radio Mo, 26.02.2018 18:05 19:00

MDR KULTUR Spezial Musik

MDR KULTUR Spezial Musik

Mit Martin Hoffmeister und Heidi Eichenberg

  • Stereo
Die Neuvorstellungen im Bereich Klassik sind:

Mozart: Piano Concertos 25 & 27
Piotr Anderszewski
Chamber Orchestra of Europe
Warner Classics 0190295724221

Mozarts 27 Klavierkonzerte stehen nicht nur für einen ewigen Höhepunkt der Gattung innerhalb der Musikgeschichte, sie spiegeln zudem die stilistisch-kompositorischen Metamorphosen und Entwicklungen des Meisters. Der polnische Pianist Piotr Anderszewski schätzt die Werke insbesondere wegen ihrer dialogisch-
kammermusikalischen Anlage, der spezifischen Interaktion zwischen Streichern, Holzbläsern und Klavier. Für seine intimen, detail- und nuancenaffinen Exegesen bedarf Anderszewski keines Dirigenten. Als primus inter pares setzt er vielmehr auf gleichberechtigtes Musizieren mit führenden europäischen Kammerensembles. So
präsentiert die Aufnahme skrupulös ausgelesene, luzide Tableaus und funkelnd-markierte Anschlagskultur. Eine neue Dimension der Mozart-Interpretation.


J.S. Bach: Sonatas for Violin & Harpsichord
Isabelle Faust, Kristian Bezuidenhout
Harmonia Mundi, HMM 902256.57

Johann Sebastian Bach hat seine Violin-Sonaten mehrfach überarbeitet. Obwohl jedes der sechs
Werke mit originärem Profil aufwartet, müssen die Sonaten als Einheit verstanden werden. Dass die vorliegende Produktion mit den häufig eingespielten Sonaten als grundlegende Katalog-Bereicherung gewertet werden muss, ist dem eindrücklichen Handwerk, der Nuancen- und Dialog-Kultur der Protagonisten geschuldet. Fausts zauberisches Spiel transportiert gleichermassen Schärfe und zarte Einlassung, Kontemplation und forcierten Zugriff, introspektive Momente wie klangliche Abstraktionswerte. Eminente Präzision begleitet und befördert eine gestische Intensität, die Transzendenz generiert. Bezuidenhouts bewegliche, auf dialogische Konsistenz und Durchsichtigkeit angelegte Begleitung unterstützt den ohnehin intimen Charakter eines Sonaten-Kosmos, der in nuce nicht nur die stilistische Bandbreite der Barockmusik spiegelt, sondern auch das Spektrum emotionaler und atmosphärischer Dimensionen durchmisst.


Southern Tunes: Toldra, Respighi, Komitas, Rota
Ensemble Esperanza
Ars Produktion, ARS 38247

Nach der Debüt-CD "Nordic Suites" steht die aktuelle Produktion des 'Ensemble Esperanza' im Zeichen mittelmeerischer Klangidiome. Die Formation um die französisch-schweizerische Geigerin Chouchane Siranossian aus Studenten und Absolventen der 'Internationalen Musikakademie Liechtenstein' avancierte in den zurückliegenden 3 Jahren zu einem der führenden Kammerensembles Europas. Bemerkenswerte Spielkultur, Präzision, musikantischen Elan und Homogenität vereinen die 19 Musiker mit dynamischer Schattierung, Klangreichtum, entschlackt-geradlinigem Ton und spannungsgesättigten Klang-Tableaus. Willkommener Mehrwert der CD: Die vier eingespielten Werke respektive Werkgruppen präsentieren Repertoire-Nischen.



Die Neuvorstellungen im Bereich Pop sind:

Holler My Dear: "Steady As She Goes"
(Best.-Nr.: Traumton 4659 / Indigo CD 151282 / EAN: 0705304465929 / Label: TRAUMTON)

Man kann sie nur in höchsten Tönen preisen; die atemberaubende Vielseitigkeit der Band um die junge charismatische Sängerin Laura Winkler aus Graz, die den Spitznamen "Laus" nicht ganz zu Unrecht trägt, wenn man sie auf der Bühne tanzen sieht. Wer das Glück nicht hatte, sie live zu erleben, kann auf dem neuen Album hören, wie man gekonnt und originell feinsinnigen Jazz zum Disco-Beat hinführt. Auch Akkordeon, Bass, Trompete, Schlagzeug und Gitarre tanzen fröhlich aus der Reihe ihrer stilistischen Gewohnheiten - und nur diese Band bringt das Kunststück fertig, dass am Ende alles doch zusammen passt: New Orleans Jazz, Balkan Rap und Disco Folk. 2011 haben sie sich in Berlin gefunden, Schlagzeugerin Elena Shams und Akkordeonist Valentin Butt aus Russland; sie eine Meisterin des Disco-Beat, er kann klassisch, Musette und Balkan, hinzu kamen Lucas Dietrich am Bass und Trompeter Stephen Molchanski aus London. Der Brite Ben Barritt ist Steely Dan-Fan und für die funky Gitarrenriffs zuständig.
Nachdenklichkeit wird zur optimistischen Entschlossenheit, und Aufbruch lautet das Motto, reflektierte und poetische Texte statt lange Gesichter zum gegenwärtigen Lauf der Welt. Eben "Steady as She Goes".

Hugh Coltman: "Who’s Happy?"
(Best.-Nr.: 19075813142 / EAN: 0190758131429 / Label: Okeh)

Hugh Coltmans neues Album schickt uns in die aufregende und mitreißende musikalische Welt von New Orleans, das von je her ein Füllhorn an Rhythmen, Melodien und entsprechendem Instrumentarium zu bieten hat, weil es der Schmelztiegel alter Traditionen und moderner Stile ist.
Im Geburtsland des Jazz, Louisiana, wo sich afrokubanische und kreolische Formen und Sprachen mit Rhythm & Blues und Rock’n Roll mischen, konnte also nun auch Hugh Coltman sein ganzes kreatives Potenzial entfalten. Von Paris aus, wo er derzeit lebt, folgte er dem imaginären Ruf von Muddy Waters, Howlin’ Wolf, Marc Ribot und Ruben Gonzàles nach New Orleans ins Studio von Freddy Koella, wo die Aufnahmen - unter Beteiligung einiger der namhaftesten Musiker des Landes - nach sechs Tagen im Kasten waren.

Joan Baez: "Whistle Down The Wind"
(Best.-Nr.: PRPCD146 / EAN: 0805520031462 / Label: PROPER RECORDS)

Die legendäre Sängerin, Songwriterin und Friedensaktivistin Joan Baez, 77, wird in diesem Jahr zum letzten Mal auf Welttournee gehen (28.07., Freilichtbühne Peißnitz) und hat dann auch ein neues Album im Gepäck: "Whistle Down The Wind" heißt es.
Das Album ist eine Mischung aus Cover-Songs und Liedern, die extra für Joan Baez geschrieben wurden.
Das letzte Album „Day After Tomorrow“ ist immerhin 10 Jahre her, 2008 erschienen. Diesmal hat Joan Baez sich u.a.Songs von Tom Waits, Josh Ritter, Mary Chapin Carpenter und Joe Henry ausgesucht; Henry hat das Album auch produziert.
Darauf klingt die Ikone der Friedensbewegung weich und dunkel, als wäre sie ganz mit sich im Reinen. Vergeblich wartet man auf den leicht klagenden Unterton im Timbre von Joan Baez.
In insgesamt anderthalb Jahren hat die Sängerin vermutlich genau die richtigen Titel zusammengetragen, die mit ihrer eigenen Reflexion ihres Lebens als Sängerin und Aktivistin zusammenpassen. Und nach mehr als fünfzig Jahren Bühnenkarriere kann man ja auch mal zufrieden sein, selbst wenn der Kampf für den Frieden nie endet.