Fr 09.11. 2018 15:10Uhr 20:00 min

Zwiebeltürme in Moskau
Zwiebeltürme in Moskau Bildrechte: IMAGO
MDR KULTUR - Das Radio Fr, 09.11.2018 15:10 15:30

MDR KULTUR - Die Klassikerlesung Väter und Söhne (7/40)

Väter und Söhne (7/40)

Von Iwan Turgenjew

Zum 200. Geburtstag von Iwan Turgenjew am 9. November

  • Stereo
Zum 200. Todestag von Iwan Turgenjew am 9. November

Turgenjews berühmtester Roman "Väter und Söhne" entstand 1860/61. Er provozierte die zeitgenössische Kritik zu einem heftigen Für und Wider, und auch im 20. Jahrhundert büßte er nichts von seiner Wirkungskraft ein. Für Thomas Mann gehörte er neben Fontanes "Effi Briest" zu den ganz wenigen Romanen der Weltliteratur, die er selbst in einer extremen Lebenslage nicht missen wollte.

Sommergeschichten sind es, die Turgenjew erzählt, Geschichten, in denen die Veränderungen Russlands im Jahre 1859, als die Leibeigenschaft aufgehoben wurde, zu spüren sind. Der Medizinstudent Jewgeni Basarow und sein Freund Arkadi kehren nach längerer Abwesenheit in die Welt ihrer Herkunft zurück. Dort, auf dem Gutshof der Brüder Kirsanow und dem dörflichen Anwesen des ehemaligen Stabsarztes Basarow, werden sie von den Eltern überschwenglich empfangen. Doch täuscht das Glück des Wiedersehens nicht darüber hinweg, dass sich die junge Generation von den Lebensmaximen der Väter entfernt hat. Basarow will keine Autorität anerkennen, er bezeichnet sich selbst - das Wort taucht hier zum ersten Mal auf - als "Nihilisten", der alles ablehnt und nichts als richtig anerkennt, was seiner Ansicht nach nicht wahr und richtig ist. Kein Prinzip ist ihm heilig, alle Werte und Normen will er aufgeben, um Platz für Neues zu schaffen.

Doch so entschieden die Söhne auch aufzutreten, ihrer Oppositionslust freien Lauf lassen und den Plan des Schicksals zu kennen meinen, letztlich überrumpelt sie das Leben in Gestalt einer attraktiven Witwe und deren anschmiegsamer Schwester. Basarow duelliert sich sogar mit Arkadis adligem Onkel Pawel, der dabei verwundet wird. Liebe und Leidenschaft verwirren die jungen Männer in einem Maße, dass sie ihr Heil in der Flucht suchen oder in die gesicherte Bahn einer konventionellen Ehe einschwenken. Basarow reist ab zu seinem Vater, dem Landarzt, um ihm bei der Bekämpfung einer Typhus-Epidemie behilflich zu sein. Er stirbt infolge einer Blutvergiftung, die er sich bei der Autopsie einer Leiche zugezogen hat.

Iwan S. Turgenjew, 1818 in Orel geboren und 1883 in Bougival bei Paris gestorben, stammt aus einem altem Adelsgeschlecht. Nach dem Studium der Literatur und der Philosophie in Moskau, St. Petersburg und Berlin war er für zwei Jahre im Staatsdienst tätig. Danach lebte er als freier Schriftsteller und verfasste Erzählungen, Lyrik, Dramen, Komödien und Romane. Turgenjew gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des russischen Realismus.

(12 Min.)
Mitwirkende
Produktion: Hessischer Rundfunk 1975
Sprecher: Rolf Boysen