Do 24.01. 2019 18:05Uhr 55:00 min

Blick auf eine Förderbrücke, Förderanlagen und Abraumhalden im Braunkohletagebau Welzow Süd der Vattenfall AG in Welzow (Brandenburg).
Blick auf eine Förderbrücke, Förderanlagen und Abraumhalden im Braunkohletagebau Welzow Süd der Vattenfall AG in Welzow (Brandenburg). Bildrechte: dpa
MDR KULTUR - Das Radio Do, 24.01.2019 18:05 19:00

MDR KULTUR Spezial

MDR KULTUR Spezial

Der Kohle-Konflikt: Kumpel zwischen Klima-Wandel und Job-Verlust

  • Stereo

Eine Sendung von Ina Namislo und Bernd Schekauski

18.10 Uhr
* Vom Wert(verfall) des brauen Goldes
Schöner Zufall der Natur: In der Mitte Europas leben wir Deutschen in einer Welt, von der viele Menschen anderswo sagen würden, das sind wahrhaftig blühende Landschaften! Nur dass wir diese Landschaften lange Zeit geradezu vergewaltigen mußten, um uns mit Wärme und Strom zu versorgen: wir hier in Mitteldeutschland hatten immer nur minderwertige Kohle, Braun-Kohle eben. Davon aber reichlich! Gewaltige Flächen wurden hier abgetragen, um die Kohle direkt aus dem Boden zu holen; viele Dörfer mußten weichen, 10-tausende Menschen wurden umgesiedelt - die Kohle war uns diesen Preis wert. Längst hat sich nun aber die Erkenntnis durchgesetzt, zum Preis, den wir für die Kohle zahlen, gehören nicht nur die Schäden an der Umwelt durch Kohle-Förderung, sondern auch die am Klima durch Kohle-Verbrennung! Ein zu hoher Preis. Weshalb die Kohle-Wirtschaft nun wohl bald schon vor dem Ende steht. Mitteldeutschlands Kohle: vom braunen Gold zum Klima-Killer. Bernd Schekauski über die Geschichte eines Image- und Werte-Wandels.

18.20 uhr
* Kohle, Koks & Kumpel: Stolz als Denkmal
Aufgerissene Erde soweit der Blick reicht: wer einmal einen Braun-Kohle-Tage-Bau gesehen hat, der hat eine Ahnung davon, wie sehr der pampige Rohstoff einmal ganze Landschaften prägte. Und somit freilich die Menschen, die mit und von der Kohle lebten. Die harte Arbeit im Tagebau dürfte es auch gewesen sein, die dazu führte, dass die Kumpel in großem Stolz ihrer Kohle verbunden waren. Zahlreiche Traditions-Vereine, Museen, Ausstellungen, Erlebnis-Parks zeugen davon - oft im Ehrenamt betrieben. Besonders eindrucksvoll etwa die „Mitteldeutsche Straße der Braunkohle davon" - ein ganzer Verbund von Zeugnissen einstiger Kohle-Industrie, 200 Objekte insgesamt, vom Tagebau über Brikett-Fabriken und Kraftwerken bis zu Maschinen und Gerät unter freiem Himmel. Was vermittelt sich da über ein Stück historischer Industrie-Kultur?...

18.40 Uhr
* Gesunde Umwelt oder Kohle-Jobs: Wie diesen Konflikt lösen?
Gespräch mit Prof. Dr. Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des ifo-Instituts Dresden

18.50 Uhr
* Strukturwandel. Die Ideen der Kohle-Kommission
Braun-Kohle in Ost-Deutschland: ein tiefgreifender Wandel vollzieht sich seit Jahren - nun wird es aber auch noch um das endgültige Ende einer alten Industrie-Kultur gehen. Vorschläge dazu: von Kohle-Kommission morgen erwartet; bereits gestern wurden Grundzüge bekannt: Verbrauner und Unternehmen vor höheren Strom-Preisen schützen, Betreiber von Kohle-Kraftwerken entschädigen, in Infra-Struktur investieren, vor allem: in Zukunfts-Technologien - was ist davon zu halten? Im Gespräch: der Wirtschafts-Wissenschftler Joachim Ragnitz, Ifo-Institut Dresden

+++

Noch ist das letzte Wort nicht darüber gesprochen, unter welchen Umständen genau es zu Ende geht mit der Braunkohle: Werden Bagger schon im nächsten Jahrzehnt die letzten Flöze aus mitteldeutschen Böden kratzen? Gibt es dann in anderen Branchen neue Jobs? Wieviel Zeit dürfen wir uns überhaupt noch nehmen für einen Ausstieg aus der Kohle, wenn Wissenschaftler immer lauter warnen vor dramatischen Folgen des Klima-Wandels durch Kohlen-Dioxide: steigende Temperaturen, schmelzende Gletscher, schwellende Meere, geflutete Städte, neue Völkerwanderungen?

Bereits Ende vergangenen Jahres wollte die sogenannte Kohlekommission (ein Berater-Gremium der Bundes-Regierung) Empfehlungen geben dafür, wie Kohleausstieg und Struktur-Wandel in Deutschland am besten gelingen könnten. Auf Druck von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg hat sie den Termin dafür jedoch auf Februar verschoben. Der Grund: die Regierungen der drei Länder sehen sich nicht ausreichend gerüstet. Sie fordern: bevor ein Datum für den Kohle-Ausstieg steht, müsse klar sein, wie der Strukturwandel verlaufen und was er kosten soll.

Auf die Braunkohle-Region Halle-Leipzig sehen sie große Herausforderungen zukommen. Auf die Lausitz womöglich eine Katastrophe. Davon profitieren, so die Befürchtung der politischen Akteure, könnten hier wie da nur Populisten. Kämpfer gegen Klima-Wandel treffen auf Kämpfer für den Erhalt von Jobs. Lassen sich die einen mit den anderen vielleicht jedoch versöhnen? MDR Kultur Spezial: Braunkohle – ein Ende als Aufbruch?