Sa 24.08. 2019 19:05Uhr 25:00 min

Diskurs

Was ist gut am Kapitalismus? Der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe im Gespräch mit Stefan Nölke

Komplette Sendung

Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe 39 min
Bildrechte: Werner Plumpe
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 24.08.2019 19:05 19:30
Alle reden vom Kapitalismus – allerdings zumeist schlecht: Seit der Finanzkrise 2007/2008 mehren sich die Stimmen, die dem kapitalistischen Wirtschaften eine skandalöse soziale Ungleichheit und den desaströsen Raubbau an der Umwelt anlasten. Eine andere Position nimmt der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe ein, Autor des Buches "Das Kalte Herz. Kapitalismus: Geschichte einer andauernden Revolution", erschienen bei Rowohlt Berlin.

Der Kapitalismus sei eine Wirtschaftsform für die Armen. Reiche habe es zu allen Zeiten gegeben, aber erst mit dem Kapitalismus sei die Wirtschaft darauf ausgerichtet, den unteren Bevölkerungsschichten alle möglichen Güter zu erschwinglichen Preisen anzubieten, so Werner Plumpe im Gespräch mit MDR Kultur.

Im Sozialstaat, wie er sich in Europa, insbesondere in Deutschland entwickelt hat, sieht Plumpe allerdings ein notwendiges Korrelat, um die Risiken und sozialen Härten, die mit dem Kapitalismus zwangsweise verbunden sind, auszugleichen. Ob wir Europäer unseren Lebensstandard halten können, steht für den Wirtschaftshistoriker allerdings dahin.

Vor allem kritisiert er geradezu eine Ängstlichkeit, sich neuen Technologien wie der Künstlichen Intelligenz zuzuwenden. Damit laufen wir Gefahr, den Anschluss an die Weltwirtschaft zu verlieren - wenn dies nicht schon längst der Fall ist… Fest steht für Werner Plumpe auch, dass die Menschheit künftig kaum auf die kapitalistische Wirtschaftsform wird verzichten können.

Denn wie sonst sollten die bald zehn Milliarden Menschen versorgt werden, wenn nicht mit Hilfe dieser ungeheuerlich gnadenlosen, aber extrem effizienten Wohlstandsmaschine?

Eine Sendung von Stefan Nölke