Fr 20.09. 2019 15:10Uhr 20:00 min

Der deutsche Schriftsteller Wolfgang Borchert (undatierte Aufnahme).
Der deutsche Schriftsteller Wolfgang Borchert (undatierte Aufnahme). Bildrechte: dpa
MDR KULTUR - Das Radio Fr, 20.09.2019 15:10 15:30

MDR KULTUR – Die Klassikerlesung Billbrook und andere Prosa (15/21)

Billbrook und andere Prosa (15/21)

Von Wolfgang Borchert

  • Stereo

Vor 80 Jahren: Beginn des Zweiten Weltkrieges

Der kanadische Feldwebel Bill Brook aus Hopedale in Labrador ist nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg stationiert. Er entdeckt zufällig auf einem Schild im Bahnhof den Hamburger Stadtteil "Billbrook". Erfreut über die Namensgleichheit, macht er sich auf den Weg dorthin. Während die Innenstadt schon weitgehend vom Schutt geräumt ist, liegen die zerstörten Außenbezirke noch in Trümmern wie kurz nach den Bombennächten der "Operation Gomorrha" im Juli/August 1943.

Wolfgang Borchert, am 20. Mai 1921 in Hamburg geboren, war zunächst Buchhändler und Schauspieler. Im Sommer 1941 durchlief Borchert seine Grundausbildung bei der Panzer-Nachrichten-Ersatz-Abteilung 81 in Weimar-Lützendorf. Im September wurde er als Soldat an die Ostfront verlegt; zwei Mal wurde er wegen "Zersetzung" zu Haftstrafen verurteilt. Verwundungen brachten ihn nach Saalfeld, Jena und nach Elend im Harz. Als er 1945 nach Hamburg zurückkam, war er bereits schwerkrank. Am 20. November 1947 starb er, gerade 26 Jahre alt, in Basel. Wie kein anderer artikulierte er in seinen von Melancholie durchzogenen Gedichten, Erzählungen und vor allem in seinem furoremachenden Heimkehrer-Hörspiel, später Bühnenstück "Draußen vor der Tür" (NWDR Hamburg 1947) die Bitterkeit und Trauer einer "verratenen Generation".

Der Schauspieler Rolf Ludwig (28.7.1925 -27.3.1999 ) war ebenfalls von traumatischen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg geprägt, in dem er 1943 als Jagdflieger der Luftwaffe abgeschossen wurde. Die Texte Borcherts beindruckten Ludwig so stark, dass er nach der Kriegsgefangenschaft einen Briefwechsel mit Borchert führte. Wenn Rolf Ludwig sich in seinen zahlreichen Lesungen solchen verlorenen Figuren wie Borcherts Heimkehrer Beckmann zuwandte, ging das in einer unverwechselbaren Weise unter die Haut. Ludwigs Identifikationsvermögen mit den Verlierern, den Haltlosen und seine daraus erwachsende Darstellungskraft waren umwerfend.
Mitwirkende
Regie: Bert Bredemeyer
Darsteller
Sprecher: Rolf Ludwig