Di 19.11. 2019 15:10Uhr 20:00 min

Fjodor Dostojevski
Fjodor Dostojevski Bildrechte: imago/United Archives International
MDR KULTUR - Das Radio Di, 19.11.2019 15:10 15:30

MDR KULTUR - Die Klassikerlesung Der Spieler (13/21)

Der Spieler (13/21)

Von Fjodor Michailowitsch Dostojewski

  • Stereo
Aleksej Iwanowitsch, Hauslehrer eines hoch verschuldeten Generals, wartet mit der Familie seines Arbeitgebers im Kurort Roulettenburg auf den Tod einer reichen Erbtante. Bald wird klar, dass die alte Dame nicht vorhat, dem General Geld zu hinterlassen. Aleksej, der unsterblich in Polina, die Stieftochter des Generals, verliebt ist, schmiedet einen Plan: Kurzerhand begibt er sich ins Casino, um die Familienschulden am Roulettetisch zu gewinnen - mit spektakulärem Erfolg! Nur ist seine Liebe zum Spiel danach stärker als seine Gefühle für Polina je waren.

Um ein Haar hätte es diesen Roman nicht gegeben. Damit er am Ende doch erscheinen konnte, verzichtete Dostojewskij nicht nur auf seinen ursprünglichen Titel - Roulettenburg -, er erfüllte auch das Ultimatum des Verlegers und schrieb den Roman in nicht mehr als 26 Tagen. Im Sommer 1865 verspielte Fjodor Michailowitsch Dostojewski während eines Aufenthaltes in Wiesbaden den Vorschuss, den ihm sein Verleger Stelowski für die Rechte an einer Werkausgabe gezahlt hatte - unter der Bedingung, dass er bis zum 1. November 1866 einen neuen Roman fertigstellt.

Unter dem Druck dieser Absprache diktierte Dostojewski der Stenographin Anna Grigorjewna, seiner späteren Frau, den Roman "Igrok - Der Spieler", in dessen Hauptfigur er seine Wiesbadener Erlebnisse abbildet.Er brauchte das Geld, denn er war so spielsüchtig wie sein Held Aleksej Iwanowitsch, und er war nicht weniger verstrickt in eine unglückliche Affäre. Eben dieser authentische Hintergrund ist es, welcher der Geschichte um einen fiktiven deutschen Kurort namens Roulettenburg bei all ihrer Rasanz eine unentrinnbare Gravitation verleiht.

Fjodor Michailowitsch Dostojewski wurde 1821 in Moskau geboren, wo er als Sohn eines Arztes aus verarmter Adelsfamilie aufwuchs. 1838-43 Studium an der Militäringenieurschule in Petersburg, ab 1844 freier Autor. 1849 als Mitglied eines geheimen Zirkels, in dem man über utopischen Sozialismus diskutierte, zum Tode verurteilt, auf dem Richtplatz aber zu vier Jahren Zuchthaus in Sibirien und anschließendem Militärdienst begnadigt. 1859 wurde seine Rückkehr nach Petersburg erlaubt. 1866 erscheint "Verbrechen und Strafe" (auch bekannt unter dem Titel "Schuld und Sühne"), die erste der großen Roman-Tragödien. 1868 "Der Idiot", 1871 "Böse Geister", 1875 "Der Jüngling" und 1880 "Die Brüder Karamasow". Nach längeren Auslandsaufenthalten starb Dostojewskij 1881 in Petersburg.
Mitwirkende
Regie: Harald Körner
Darsteller
Sprecher: Gerd Baltus