Fr 21.02. 2020 09:05Uhr 30:00 min

Hans Fallada
Hans Fallada Bildrechte: dpa
MDR KULTUR - Das Radio Fr, 21.02.2020 09:05 09:35

Lesezeit Jeder stirbt für sich allein (5/5)

Jeder stirbt für sich allein (5/5)

Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada

  • Stereo
Berlin, 1940. Der Werkmeister Otto Quangel und seine Frau Anna erhalten Nachricht, dass ihr Sohn im Feldzug in Frankreich gefallen ist. Der Tod ihres Sohnes macht ihnen den Führer Adolf Hitler zum persönlichen Feind. Sie entschließen sich, bewusst über die möglichen Konsequenzen, individuell Widerstand zu leisten: Sie beschreiben Postkarten mit Parolen gegen den Krieg und legen sie in den Treppenhäusern öffentlicher Gebäude ab. Viele dieser Karten gelangen in die Hände der Gestapo, Kommissar Escherich ermittelt zwei Jahre, von seinen Vorgesetzten massiv unter Druck gesetzt, ergebnislos in diesem Fall. Durch eine Unachtsamkeit werden die Eheleute Otto und Anna Quangel gefasst. Otto Quangel lernt in der Haft einen Dirigenten kennen, der mit ihm die Zelle teilt. Der bezahlt beiden nicht nur besseres Essen, sondern verdeutlicht Otto, welche Dinge er in seinem Leben versäumt hat. In der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof zeiget sich das Ehepaar standhaft, steht zum Tatvorwurf. Sie werden zum Tode verurteilt, Otto wird hingerichtet, Anna stirbt bei einem Bombentreffer während eines Luftangriffs.

Rudolf Ditzen alias Hans Fallada, geboren am 21. Juli 1893 in Greifswald als Sohn eines preußischen Landrichters, verbrachte seine von heftigen Auseinandersetzungen mit dem autoritären Vater geprägte Jugend in Berlin und Leipzig. Mit 18 Jahren kommt er nach Rudolstadt, wo er das Fürstliche Gymnasium besucht, das er 1913 ohne Abschluss verlassen muss, nachdem er und sein Freund versucht hatten, sich das Leben zu nehmen. In den folgenden Jahren arbeitet er u.a. als Wirtschaftsinspektor, Journalist und Verlagslektor. Zwischen 1917-1919 wird Fallada aufgrund seiner Alkohol- und Rauschgiftsucht mehrmals in Heilanstalten für Suchtgefährdete eingewiesen, in denen er sich vergeblichen Entziehungskuren unterzieht. 1920 Romandebüt "Der junge Goedeschal". Gefängnisstrafen wegen Betrugs- und Unterschlagungsdelikten. 1929 heiratet er Anna Issel, die als "Lämmchen" in seine Romane eingeht. 1931 erscheint "Bauern, Bonzen und Bomben" (1997 vom MDR als 15-teilige Hörspielbearbeitung produziert). Der Roman beruht auf Falladas Erfahrungen als Gerichtsreporter beim "Landvolk-Prozess" 1929.

In Neuenhagen bei Berlin im Grünen Winkel (heute Falladaring 10), wohin er mit seiner Familie 1930 gezogen ist, schreibt Fallada den Roman "Kleiner Mann, was nun?" (2005 vom MDR als Lesung mit Jutta Hoffmann produziert), dem nach Zeitungsvorabdrucken ein immenser nationaler und internationaler Bucherfolg beschieden ist. 1944 Scheidung von Anna Ditzen. Nach kurzer Episode als Bürgermeister von Feldberg in Mecklenburg arbeitet Fallada in Berlin dank der Vermittlung durch Johannes R. Becher für die "Tägliche Rundschau". Am 5. Februar 1947 stirbt er in einem Hospital in Berlin Hohenschönhausen. 1950 wird postum sein persönlichstes Buch "Der Trinker" veröffentlicht. Die ungekürzte Neuausgabe des Romans "Jeder stirbt für sich allein", die Fallada kurz vor seinem Tod in kürzester Zeit geschrieben hat, wurde postum ein Weltbestseller, der inzwischen in über 30 Sprachen übersetzt vorliegt.
Mitwirkende
Regie: Werner Grunow
Bearbeitung: Ralph Knebel
Komponist: Wolfgang Schoor
Produktion: Rundfunk der DDR 1987
Darsteller
SprecherInnen:
Gunter Schoß - Erzähler
Günter Naumann - Otto Quangel
Gudrun Ritter - Anna Quangel
Daniela Hoffmann - Trudel
Hans-Joachim Hanisch - Persicke
Lutz Riemann - Abteilungsleiter
Hans-Peter Minetti - Escherich
Werner Ehrlicher - Zott
Wolfgang Dehler - Prall
Henry Hübchen - Enno Kluge
Erik Veldre - Politleiter
Winfried Wagner - Reichardt
Peter Bause