Di 07.04. 2020 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR - Werkstatt: : "Der Holocaust von Gardelegen"

Eines der schwersten Kriegsverbrechen in den letzten Kriegstagen 1945

Dokumentation von Simone Trieder

Komplette Sendung

Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe bei Gardelegen 61 min
Bildrechte: MDR/André Plaul
MDR KULTUR - Das Radio Di, 07.04.2020 22:00 23:00
In der Nacht vom 13. auf den 14. April 1945 wurden in der Isenschnibber Scheune bei Gardelegen 1016 KZ-Häftlinge im Zuge der Todesmärsche aus den Konzentrationslagern ermordet. Nur einen Tag später erreichten Truppen der US-Armee die Stadt in der Altmark und entdeckt die Spuren des Massakers. Die Amerikaner sorgten damals dafür, dass die Weltöffentlichkeit von diesem Verbrechen erfuhr – unter anderem mit Fotografien im Live Magazin vom 7. Mai 1945. Die Bildunterschrift dazu lautete "The Holocaust of Gardelege". Es war nicht das erste Mal, dass dieser Begriff verwendet wurde. Damals allerdings, 1945, bezog er sich noch auf Verbrechen, die mit Feuer verbunden sind. Die Verwendung des Begriffs "Holocaust" für den systematischen Völkermord an den Juden Europas setzte erst später ein.

Seit 2015 gehört die Isenschnibber Feldscheune zur Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. 75 Jahre nach dem Kriegsverbrechen wird dieser Ort nun durch ein neugebautes Dokumentationszentrum erweitert. Dort sind unter anderem neben Film- und Fotoaufnahmen der Amerikaner auch Erinnerungsberichte von Überlebenden zugänglich. Aber es gibt keine direkten Quellen, die etwas von den Tätern preisgeben. Um aber nachfolgenden Generationen von dem zu erzählen, was damals passiert ist, gehen die Ausstellungsmacher keinen ganz gewöhnlichen Weg. Der Gedenkstättenleiter der Isenschnibber Feldscheune, Andreas Froese, sagt dazu: "Die Grafic Novel soll nicht alle Fragen beantworten. Sie soll auch Fragen offen ansprechen. Und die Besucherinnen und Besucher dazu bewegen, selbst Fragen zu stellen: Wie wir mit den Ereignissen von 1945 umgehen und welche Bedeutung diese Vergangenheit für uns heute hat."