Mo 18.05. 2020 09:00Uhr 35:00 min

Lesezeit Wie ein Theaterstück entsteht (1/4)

Von Karel Capek

Komplette Sendung

Karel Capek: Wie ein Theaterstück entsteht 31 min
Bildrechte: Volk und Welt
MDR KULTUR - Das Radio Mo, 18.05.2020 09:00 09:35
(Erstsendung)

Nur vom Theaterhandwerk und seinen Rätseln und Wundern sei hier die Rede, nicht von der dramatischen Kunst und ihren Geheimnissen, versichert Karel Capek (1890-1938) jedem, der dieses 1925 entstandene Buch liest. Wer mit der Bühne so vertraut ist, wie der große tschechische Romancier und Dramatiker, der sich schon in den frühen zwanziger Jahren am Prager Weinberge-Theater seine Sporen als Dramaturg und Regisseur verdiente, kann natürlich mit boshaft funkelndem Witz jene Welt glossieren, deren schönen Schein der Zuschauer vom Parkett aus bewundert. Genüsslich folgt er dem dornenreichen Werdegang eines Stückes, das der Autor hoffnungsvoll beim Dramaturgen abliefert: von den katastrophenreichen Lese- und sonstigen Proben über das Gerangel um die Besetzung, die Querelen zwischen Regisseur, Autor und Schauspielern, deren Launen und Lampenfieber für weitere Komplikationen sorgen, bis zum Gestrüpp der Bühnentechnik, in dem sich die Aufführung immer wieder verheddert. Geht der Vorhang schließlich mit Hilfe eines Heers von Mitarbeitern zur Premiere auf, dann ist das aus der Nähe so abstoßend schmutzige, fettige Gesicht der Mimen plötzlich strahlend schön, ist die grob bemalte Kulisse eine Zauberlandschaft, Blech zu Gold und Werg zum Barte des Propheten geworden. Das Theater ist eben eine Stätte der Wunder, meint Karel Capek seufzend, "das größte Wunder ist allerdings, daß es überhaupt funktioniert".

Karel Capek, am 9. Januar 1890 als drittes Kind eines Landarztes in Malé Svatonovice geboren, studierte nach dem Abitur an den Universitäten von Prag, Paris und Berlin Philosophie. Ein Rückenleiden bewahrt ihn im Ersten Weltkrieg vor dem Militärdienst. Zusammen mit seinem Bruder Josef arbeitet Karel als Journalist bis 1920 bei den Prager Volksblättern. Im selben Jahr lernt er seine spätere Ehefrau Olga Scheinpflugova kennen. Zu Capeks international bekannten Werken gehören die Science-Fiction-Werke: "R.U.R." (Rossumovi Universální Roboti), Drama (1920) sowie die Romane: "Krakatit" (1922), "Der Meteor (1934) und "Der Krieg mit den Molchen" (1936). Capek stirbt am 25. Dezember 1938 an einer Lungenentzündung. Sein älterer Bruder Josef, der auch "Wie ein Theaterstück entsteht" illustrierte, kam im April 1945 im KZ Bergen-Belsen ums Leben.

Ilja Richter, 1952 in Berlin geboren, wurde in jungen Jahren mit der ZDF-Musiksendung "Disco" bekannt, die er von 1971 bis 1982 moderierte. Nach 1977 begann er als Theaterschauspieler und Regisseur zu arbeiten, z.B. im Ensemble des Bremer Schauspielhauses. Darüber hinaus war er als Kolumnist für diverse Tageszeitungen und Magazine aktiv - und arbeitete als Synchronsprecher. Für MDR KULTUR stand er in Hörspielen vor dem Mikrofon - in Schillers "Kabale und Liebe" (2005), in Eberhard Petschinkas "Santo Subito" (2007), in Michael Endes "Das Traumfresserchen" (2006) oder Daniel Kehlmanns "Der Mentor" (2014). Auch in der Lesezeit war er regelmäßig zu hören - ins Karl Emil Franzos' "Verschollene Fürstenstadt Zerbst-Dessau-Wörlitz" (2013) oder Dietrich Fischer-Dieskaus "Goethe als Intendant" (MDR 2014), zuletzt in Jörg Sobiellas "Weimar 1919".

(20 Min.)
Mitwirkende
Regie: Matthias Thalheim
Produktion: MDR 2020
Darsteller
Sprecher: Ilja Richter