Mo 06.07. 2020 22:00Uhr 90:00 min

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Aufgeschlagenes Buch Bildrechte: Colourbox
MDR KULTUR - Das Radio Mo, 06.07.2020 22:00 23:30

MDR KULTUR - Hörspiel Reise im Mondlicht

Reise im Mondlicht

Von Antal Szerb

Zum Tod des Hörspielregisseurs Norbert Schaeffer

  • Stereo
Dem Vater zum Gefallen und mit der Absicht, fortan ein bürgerliches Leben zu führen, hat Mihály endlich geheiratet. Doch bereits auf der Hochzeitsreise wird er in Italien durch die Begegnung mit einem Freund von Erinnerungen an seine rebellische Jugend überwältigt. Als er seine Frau dann an einem kleinen Bahnhof "verliert", begreift Mihály dies als ein Zeichen, und eine ganz andere Reise beginnt, eine Schattenreise zum Selbst, auf der er erkennt, dass er sich auf dem Weg zur inneren Freiheit von den Geistern seiner Jugend befreien muss.

Antal Szerb wird am 1. Mai 1901 in Budapest als Sohn eines assimilierten jüdischen Kaufmanns geboren und katholisch getauft. Nach dem Abitur 1919 besucht er zunächst Vorlesungen der klassischen, später der modernen Philologie in Graz. 1920 kehrt er nach Budapest zurück und immatrikuliert sich in den Fächern Hungarologie, Germanistik und Anglistik. Seit Mitte der zwanziger Jahre führt Antal Szerb das Leben eines Schriftstellers. Es erscheinen Rezensionen, Essays und Erzählungen in den führenden literarischen Zeitschriften des Landes. Studienreisen und Stipendien führen ihn in den Zwanzigern nach Italien, Paris und England - Eindrücke, die in seinen beiden ersten Romanen "Die Pendragon-Legende" (1934) und "Utas és holdvilág"/ "Reise im Mondlicht" (1937) ihren Niederschlag finden.

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft bleibt ihm die Universitätslaufbahn verschlossen, wenngleich er sich noch 1937 mit Hilfe einflussreicher Gönner an der Universität Szeged habilitieren kann und bis 1943 dort lehren darf. Im März 1944 wird Ungarn von deutschen Truppen besetzt, die rechtsgerichteten Hórthy-Regierung gestürzt und eine faschistische unter Führung der "Pfeilkreuzler" eingesetzt. Antal Szerb wird im Sommer 1944 zum Arbeitsdienst eingezogen und in das westungarische Lager Balf bei Ödenburg verlegt, wo er am 27. Januar 1945 ermordet wird. Er wird in einem Massengrab beerdigt.

Norbert Schaeffer, geboren am 6. März 1949 in Saarbrücken, studierte Germanistik, Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität des Saarlandes, arbeitete nach einer Ausbildung zum Rundfunkjournalisten beim Saarländischen Rundfunk von 1983 bis 2005 freiberuflicher Hörfunkregisseur und Hörspielbearbeiter. Von 2006 bis 2014 leitete er die Hörspielabteilung des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg. Für MDR KULTUR inszenierte er Hörspiele wie: "Tag der Deutschen Einheit" von Christoph Buggert (1998) und bearbeitete Stoffe wie "House of God" von Samuel Shem (2002), "Das steinerne Brautbett" von Harry Mulisch (2005) oder "Das dritte Buch über Achim" von Uwe Johnson (2009). Viele seiner Hörspielproduktionen wurden mit dem "Hörspielpreis der Kriegsblinden" geehrt, mit dem "PRIX FUTURA" oder dem "Deutschen Hörbuchpreis". Schaeffers Stil besticht mit akustischer Intensität und feinfühliger Darstellerführung. Er starb 71-jährig am 21. April 2020 in einem französischen Dorf im Norden der Bretagne im Département Finistère.
Mitwirkende
Regie: Norbert Schaeffer
Bearbeitung: Norbert Schaeffer
Produktion: SWR 2005
Darsteller
Sprecher:
Ulrich Noethen
Sebastian Rudolph
Irina Wanka
Christoph Zapatka
Esther Hausmann
Felix von Manteuffel
Hanns-Jörg Krumpholz
Jens Wawrczeck
Ben Saad
Horst Mendroch
Sascha Icks
Odine Johne
Julian Trostorf
Christian Brey
Ernst Konarek
Charles Wirths
Johanna Hanke
Toni Mazzaro
Cesare Ghilardelli