Di 13.10. 2020 15:00Uhr 30:00 min

Richard Wagner, Archivfoto von 1877.
Richard Wagner, Archivfoto von 1877. Bildrechte: dpa
MDR KULTUR - Das Radio Di, 13.10.2020 15:00 15:30

MDR KULTUR - Die Klassikerlesung Briefe Richard Wagners (Folge 9 von 22)

Briefe Richard Wagners (Folge 9 von 22)

Von Richard Wagner

Zum 100. Geburtstag von Gert Westphal am 5. Oktober

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Richard Wagners Briefe - über 5.000 sind erhalten, weit mehr hat er geschrieben - sie bilden ohne Zweifel eine der außerordentlichsten Korrespondenzen der Kulturgeschichte. Gleich erstaunlich an Umfang, an Reichweite und Gehalt. Was sich hier auf etwa 20.000 Druckseiten ausbreitet, ist zunächst einmal das Ergebnis eines schier unerschöpflichen Mitteilungsbedürfnisses. Dann aber auch ein einzigartiges Zeugnis künstlerischer Willenskraft, psychologischen Scharfsinns und intellektueller Energie schließlich ein Lebens- und Zeitdokument imponierender Geschlossenheit und Vielfalt. Wagners Korrespondenz ist schon rein physisch eine erstaunliche Leistung und dem Gehalt nach ein schöpferisches Lebenswerk für sich. Von dieser Fülle kann diese Auswahl von ca. 80 Briefen nur eine Andeutung geben: Briefe unter anderem an Robert Schumann, Franz Liszt, Giacomo Meyerbeer, Friedrich Nietzsche, Hans von Bülow, Mathilde Wesendonck, Peter Cornelius, König Ludwig II. sowie an die erste Ehefrau Minna Wagner und die zweite - Cosima Wagner.

Gert Westphal wurde am 5. Oktober 1920 in Dresden als Sohn eines Fabrikanten geboren und wuchs hier in der Villa Blasewitzer Straße 1 auf. Sein nach dem Blasewitzer Realgymnasium 1939 begonnenes Schauspielstudium am Dresdner Konservatorium beendete der Kriegsdienst bereits ein Jahr später. Nach dem Krieg kam Gert Westphal nach Bremen. Er spielte an den Kammerspielen und begann ab 1946 eine Karriere am neu gegründeten Sender Radio Bremen: zunächst als Hörspiel-Sprecher, ab 1948 als Oberspielleiter und Chef der Hörspielabteilung. 1953 wechselte Gert Westphal zum Südwestfunk in Baden-Baden, wo er bis 1959 die Hörspielabteilung leitete und zeitweilig auch Chefregisseur der Fernsehspielabteilung war. Zahlreichen Autoren hat er den Weg zum Rundfunk geebnet und viele bedeutende Schauspieler-Kollegen für das Medium gewonnen. Zum Theater kehrte Westphal 1959 zurück als Ensemble-Mitglied des Züricher Schauspielhauses, dem er bis 1980 angehörte. Seitdem war er freiberuflich tätig - als Schauspieler, Regisseur und vor allem als Rezitator. Seine Vorlesekunst auf der Bühne und im Studio brachte ihm Huldigungen ein wie: "König der Vorleser", "Caruso der Vorleser", "Fischer-Dieskau des Wortes" oder "des Dichters oberster Mund" (Katia Mann). Gert Westphal hat ein einzigartiges Vorlese-Repertoire hinterlassen. Seine Lieblingsautoren waren Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane und Thomas Mann. Marcel Reich-Ranicki bezeichnete ihn als wahrscheinlich besten Rezitator in deutscher Sprache. Gert Westphal starb am 10. November 2002. Sein Grab in Kilchberg bei Zürich befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Familiengrab Thomas Manns.
Mitwirkende
Regie: Hanjo Kesting
Produktion: NDR 1983
Darsteller
Sprecher: Gert Westphal