Sa 07.11. 2020 11:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR trifft: Esther Jonas-Märtin, Rabbinerin, Leipzig

MDR KULTUR trifft - Menschen von hier

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Rabbinerin Esther Jonas-Märtin Bildrechte: Privat
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 07.11.2020 11:00 12:00
Bei MDR KULTUR haben Sie die einmalige Gelegenheit, interessante Menschen näher kennenzulernen, die sich dem kulturellen Leben in unserer Region besonders verpflichtet fühlen. Kuratoren, Musiker, Intendanten, Schriftsteller, Dirigenten, Maler und viele mehr finden hier ihren Platz und erzählen aus ihrem beruflichen Leben und ihrem privaten Alltag.

Die Leipziger Rabbinerin Esther Jonas-Märtin hat in ihrer Geburtsstadt 2018 das Beth Etz Chaim - Haus Lebensbaum gegründet. Ein Lehrhaus soll es sein, da Esther Jonas-Märtin in Deutschland Bildungslücken zum Judentum wahrnimmt. Zudem stelle Jüdisches Leben hierzulande keine Normalität dar. Spätestens mit den Toten am 09. Oktober 2019 an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, müsse allen klar sein, dass Antisemitismus letztendlich uns alle betrifft, sagt die Rabbinerin.

Sie absolvierte ein Studium der Germanistik und Religionswissenschaften an der Universität Leipzig, sowie Jüdische Studien und Neuere Geschichte an der Universität Potsdam. Esther Jonas-Märtin arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt zu "Frauen in Deutschland nach 1945 zwischen Religion und Politi"“ an den Universitäten Bonn und Bochum. 2011 nahm sie das Rabbinats-Studium am Hebrew Union College in Jerusalem auf. Ein Jahr später wechselte sie an die Zigeler School for Rabbininics Los Angeles und schloss 2017 mit dem Master of Arts in Rabbinics und der Ordination zur Rabbinerin ab.

In der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 brannten in ganz in Deutschland zahlreiche Synagogen. In Ost- und Westdeutschland geschah die Aufarbeitung des Holocausts als Zivilisationsbruch nach 1945 nur zögerlich. Nach drei Jahrzehnten wurde so in Leipzig erst begonnen den 09. November 1938 als Gedenktag in die Erinnerungskultur aufzunehmen. Am 10. November 1966 wurde am Rande des ehemaligen Synagogengrundstücks in der Gottschedstraße ein kleiner Gedenkstein eingeweiht. Dort kamen und kommen jedes Jahr Juden und Nichtjuden im Gedenken zusammen. 2001 weihte die Stadt Leipzig die Erinnerungsstätte an eben jenem Ort der Großen Synagoge ein.

Redaktion: Angelika Zapf