Mi 20.01. 2021 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR - Feature Jüdisches Leben in der Thüringischen Rhön

Eine Spurensuche

Von Wolfram Nagel

Komplette Sendung

Spuren jüdischen Lebens in Gleicherwiesen in Thüringen 59 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR KULTUR - Das Radio Mi, 20.01.2021 22:00 23:00
Nirgendwo in Mitteldeutschland gab es einmal so viele jüdische Landgemeinden wie in Südthüringen. Bauerbach, Bibra, Themar, Gleicherwiesen, Römhild, Schleusingen oder Aschenhausen. Es sind nur ein paar Namen von den Orten, in denen im 19. Jahrhundert mitunter die Hälfte der Bevölkerung jüdisch war. Der Grund: die Herrscher der thüringischen Kleinstaaten hatten Juden schon seit dem 16. /17. Jahrhundert erlaubt, sich auf ihren Territorien anzusiedeln. So erteilte beispielsweise Graf Georg Ernst von Henneberg bereits 1552 einigen Juden Schutzbriefe.

Ein typisches Beispiel für den Aufstieg und Niedergang des Thüringer Landjudentums ist das Dorf Berkach bei Meiningen, direkt an der Grenze zu Bayern. Lebten dort im Jahr 1861 177 jüdische Bürger, so betrug deren Zahl um 1900 nur noch 64. Deshalb wurden Mikwe und Synagoge bereits vor 1933 verkauft. Zufällig überstanden so ein paar jüdische Sakralbauten die Nazizeit. Doch lebendige Gemeinden gibt es in Südthüringen seit 1942 nicht mehr, wie in Franken und Hessen. Geblieben sind die Friedhöfe.
Mitwirkende
Produktion: MDR 2021