Di 16.02. 2021 15:00Uhr 30:00 min

Hermann von Pückler-Muskau
Hermann von Pückler-Muskau Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR KULTUR - Das Radio Di, 16.02.2021 15:00 15:30

MDR KULTUR - Die Klassikerlesung | Zum 150. Todestag von Hermann Fürst von Pückler-Muskau Briefe eines Verstorbenen (12/15)

Briefe eines Verstorbenen (12/15)

Von Hermann Fürst von Pückler-Muskau

  • Stereo
Witzig und geistvoll berichtet Fürst Hermann von Pückler-Muskau in langen Briefen von seiner Englandreise 1826 bis 1829. Die zunächst anonym herausgegebenen "Briefe eines Verstorbenen" begründen Pücklers Ruhm. Sie wurden in kurzer Zeit in Deutschland, England und Frankreich zu Bestsellern - sowohl ihrer stilistischen Qualität als auch ihrer Scharfzüngigkeit und Ironie wegen; gerade seinem eignen Stand gegenüber. Die Heirat mit der neun Jahre älteren Lucie Reichsgräfin von Pappenheim geb. v. Hardenberg-Reventlow gab Pückler nach 1817 die moralische und finanzielle Unterstützung für sein gigantisches Parkprojekt in Muskau. Als die Finanzmittel hierfür jedoch knapp werden, lässt sich Pückler auf Anraten von Fürstin Lucie scheiden und begibt sich auf eine dreijährige "Brautschau" nach England. Statt der reichen Erbin stellt sich jedoch unerwarteter Autorenruhm ein. Das Bürgertum in der Reaktionszeit vor 1848 erhielt durch die Veröffentlichung - wobei auch dies Lucies Idee war - Einblick in die abgeschirmten Milieus des Adels. Die Erstausgabe aus dem Jahre 1830, herausgegeben von Varnhagen von Ense, lobte Goethe überschwänglich als ein "für Deutschlands Literatur bedeutendes Werk".

Hermann von Pückler-Muskau war ein preußischer Standesherr, Generalleutnant, Landschaftsarchitekt, Schriftsteller und Weltreisender und seinerzeit ein bekanntes Mitglied der gehobenen Gesellschaft. Er wird als Sonntagskind am 30.10.1785 im Muskauer Schloss geboren, erhält als Knabe Privatunterricht und Erziehung durch die Herrnhuter Gemeine in Uhyst und am Pädagogium in Halle. Er beginnt ein Jurastudium in Leipzig, wechselt 1802 aber nach Dresden, um eine militärische Karriere als Leutnant zu starten und wird später Rittmeister beim Dresdner Gardekorps. 1811 nach dem Tode des Vaters erbt er die Titel Reichsgraf von Pückler, Standesherr zu Muskau, Baron von Groditz und Erbherr zu Branitz. 1814 reist er nach England. Der Besuch des Villenparks zu Stourhead in Wiltshire wird für ihn zum Schlüsselerlebnis für seine eigene Parkgestaltung. Da er sich mit der Anlage dieses Parks in Muskau finanziell übernommen hat, verkauft er 1845 die Standesherrschaft Muskau und zieht auf das Erbschloss Branitz bei Cottbus. Am 4. Februar 1871 stirbt Fürst Pückler, seine sterblichen Überreste werden nach seinem Wunsch in Säure aufgelöst und in der Branitzer Seepyramide beigesetzt.
Mitwirkende
Produktion: WDR 1987
Darsteller
Sprecher: Rudolf Jürgen Bartsch