Fr 26.02. 2021 18:00Uhr 60:00 min

Maler Willi Sitte (GER) anlässlich seiner Ausstellung - Euros und Vision - in Erfurt
Maler Willi Sitte (GER) anlässlich seiner Ausstellung - Euros und Vision - in Erfurt Bildrechte: imago/Bild13
MDR KULTUR - Das Radio Fr, 26.02.2021 18:00 19:00
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MDR KULTUR Spezial

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Wiederentdeckung-Neubewertung? Zum 100. Geburtstag des Malers Willi Sitte

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Er war der bekannteste Staatsmaler und der mächtigste Kunstfunktionär der DDR: der am 28. Februar 1921 im tschechischen Kratzau geborene und 2013 in seiner Wahlheimat Halle verstorbene Willi Sitte. Wie kaum ein anderer Künstler hat er bereits zu DDR-Zeiten mit seiner unbedingten Staatstreue, aber auch mit seinen Bildern polarisiert.

MDR Kultur nimmt seinen 100. Geburtstag zum Anlass, um sich dem Leben und Schaffen des umstrittenen Künstlers zu nähern. Dabei stellt sich auch die aktuelle Frage, ob sein Werk neu entdeckt werden muss, weil es im vereinten Deutschland kaum präsent war und vor allem jüngere Generationen wenig über diesen einflussreichen Repräsentanten des Kunstsystems der DDR wissen.

So waren seine Bilder lange Jahre in den großen Museen kaum noch zu sehen, allenfalls in der 2003 gegründeten und 2020 geschlossenen Willi-Sitte-Galerie in Merseburg, über deren Aufstieg und Fall wir im Spezial berichten.
Ausgehend von den aktuellen Recherchen des Kunstmuseums Moritzburg, das im Herbst die große Retrospektive „Sittes Welt" präsentieren wird, soll eine sachlich-objektive Auseinandersetzung versucht werden. Sie kreist zum einen um die ästhetischen Konflikte des überzeugten Kommunisten mit den Parteifunktionären, weil er, vor allem zu Beginn seiner Karriere, auf der Eigenständigkeit seiner Kunst beharrte und sich zeitweise auch von der in der DDR verfemten, westlichen Moderne inspirieren ließ und sich dabei auch als begnadeter Zeichner und Virtuose der Perspektive einen Namen machte. Zum andern geht es um seine Rolle als allmächtiger Kulturpolitiker, der Künstlerkarrieren fördern oder verhindern konnte. Diesen Aspekt beleuchten wir mit einer Reportage über die Hallesche Künstlerfamilie Götze, die sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Sitte gemacht hat.

Außerdem stellt sich die Frage, welcher künstlerische Rang Willi Sitte gebührt, etwa auch im Vergleich zu den Malern der Alten Leipziger Schule und zur nationalen und internationalen Kunstszene. Im Lichte neuer Erkenntnisse geht es nicht zuletzt darum, ob Willi Sittes Leben und Schaffen anlässlich seines 100. Geburtstags neu bewertet werden muss, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass sein nach 1989 entstandenes Werk wenig bekannt ist und vieles davon bei der Retrospektive erstmals präsentiert wird.

Mitwirkende
Redaktion: Andreas Höll