Sa 17.04. 2021 19:00Uhr 30:00 min

MDR KULTUR Diskurs: Wer darf worüber reden? Über Identitätskämpfe und "Cancel Culture"

Der Publizist Bernd Stegemann im Gespräch mit Vladimir Balzer

Komplette Sendung

Dramaturg Bernd Stegemann 26 min
Bildrechte: Bernd Stegemann
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 17.04.2021 19:00 19:30
Seit einiger Zeit verschärfen sich Debatten wegen der Frage, wer worüber reden darf. Es geht um persönliche Betroffenheit, um Erfahrung und um Zuständigkeit. Dürfen etwa Nicht-Betroffene über Rassismus diskutieren? Oder noch zugespitzter: dürfen weiße Übersetzerinnen das Gedicht einer schwarzen Lyrikerin übersetzen? Kürzlich wurde diese Frage anhand der Übersetzung eines Gedichtes der US-Autorin Amanda Gorman diskutiert. Sie hatte es bei der Amtseinführung von Joe Biden präsentiert. In einigen europäischen Ländern protestierten Aktivistinnen gegen die Entscheidung von Verlagen, den Text von nicht-schwarzen Autorinnen übersetzen zu lassen. Eines der Argumente war die fehlende Betroffenheit beim Thema Rassismus. Und auch bei vielen weiteren Beispielen lässt sich ein Streit ablesen, der mit dem Wort Identitätspolitik umschrieben werden kann: der Sprecher wird mindestens so wichtig wie das eigentliche Argument.

Der Dramaturg und Publizist Bernd Stegemann schreibt mit seinem aktuellen Buch "Die Öffentlichkeit und ihre Feinde" gegen diese Entwicklung an. Er entwirft eine Debatten-Kultur, die sich befreit von persönlicher Betroffenheit und sich dem rationalen Argument unterwirft. Wie realistisch dieser Entwurf ist, wird sich angesichts der Übermacht der sozialen Medien noch zeigen.
Mitwirkende
Eine Sendung von Vladimir Balzer
Redaktion: Katrin Wenzel