Di 04.05. 2021 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR Werkstatt Mitteldeutschland

Immer noch Geheimsache? Sprechen über die Wismut heute

Über Uranerzbergbau, Vertuschung, Verdrängung, Aufarbeitung und die Zukunft des Wismut-Erbes

Komplette Sendung

Bad Schlema: Ein Bagger verlädt die symbolische letzte Schaufel zum Abschluss der Sanierung der Halde 65. Ein Lkw transportierte die letzten von mehr als einer Million Tonnen Erdreich von dem ehemals 40 Meter hohen Berg ab. 58 min
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MDR KULTUR - Das Radio Di, 04.05.2021 22:00 23:00
Aufzeichnung einer öffentlichen Veranstaltung der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig am 29.04.2021

Mit:
* Martina Runge, Zeitzeugin
* Astrid Kirchhof, Historikerin
* Rainer Karlsch, Historiker
* Frank Wolf, Leiter der Stabsabteilung Geschäftsführung/Öffentlichkeitsarbeit der Wismut GmbH
* Alexander Roth, MDR / Moderation

"Wismut" war der Tarnname für Uranerz-Abbau in der sowjetischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg. Streng überwacht wurde in den Regionen Sachsen und Thüringen der strategische Rohstoff Uran für das atomare Wettrüsten der UdSSR abgebaut. Mit zeitweise 130.000 Beschäftigten agierte „die Wismut" dabei wie eine Art "Staat im Staate" - und dies durchaus ambivalent. Verschiedene militärähnlich organisierte Machtapparate griffen ineinander, um die "unsichtbare" Jagd nach Uran für eine sowjetische Atombombe aller Risiken und Gefahren zum Trotz zu ermöglichen. Die Wismut setzte im Zuge dessen jedoch auch immer wieder Impulse für Neuentwicklungen verschiedenster Art. Bergleute konnten bei der Wismut sehr gut verdienen, oft jedoch nicht ahnend, welchen Gefahren sie sich dabei aussetzten. Die erheblichen Risiken wurden zumindest anfänglich oft vertuscht, wie u.a. erst kürzlich die vierte Folge der ARD-Serie Charité fiktional nachzeichnete. Uranvorkommen als Rohstoff zur atomaren Aufrüstung, dramatische Umweltschäden, Zwangsarbeit und Gesundheitsschäden bei Mitarbeitern und Bewohnern, aber auch Innovationen - all das war Geheimsache ...
Nachdem die Wismut GmbH als Folgeunternehmen sich in den vergangenen Jahren konsequent um Sanierung, Um- und Rückbau der Wismut-Hinterlassenschaften gekümmert hat, gilt es nun, die Geschichte des Uranerzbergbaus in der DDR neu in den Blick zu nehmen. Die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig hat im Projekt "Wismut-Erbe-Forschung" Vorarbeit geleistet. Im Auftrag der Freistaaten Sachsen und Thüringen und mitfinanziert durch die Wismut GmbH wurden Zeitzeugen befragt, Archive durchforstet sowie verschiedenste Quellen erschlossen, erfasst, systematisiert und in einer Forschungsumgebung zusammengeführt. Wie gehen wir zukünftig um mit dem Erbe der Wismut - wie begegnen wir den materiellen und immateriellen Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus in der DDR? Wie sprechen wir über das ambivalente und vielschichtige Erbe der Wismut? Wie schaffen wir Zugänge zu einer Vergangenheit, die Menschen und ganze Regionen nachhaltig geprägt hat, über die nun aber im wahrsten Sinne des Wortes "Gras gewachsen" ist? Diesen Fragen geht die öffentliche Veranstaltung nach.
Mitwirkende
Redaktion: Katrin Wenzel

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