Sa 17.07. 2021 11:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR trifft Renate Böttcher

Architektin, Lyonel Feininger-Forscherin, Weimar

Komplette Sendung

Renate Boettcher 42 min
Renate Boettcher Bildrechte: Privat
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 17.07.2021 11:00 12:00
Bei MDR KULTUR trifft haben Sie die Gelegenheit, interessante Menschen näher kennenzulernen, die sich dem kulturellen Leben in unserer Region besonders verpflichtet fühlen. Menschen aus Kunst, Kultur, Politik, Wissenschaft und Zeitgeschehen finden hier ihren Platz und erzählen aus ihrem beruflichen Leben und privaten Alltag.

Der 150. Geburtstag des Malers und Grafikers Lyonel Feininger wird am 17.07. an zahlreichen mit ihm verbunden Orten gefeiert, so auch in Gelmeroda. Die Weimarer Architektin Renate Böttcher war über Wochen in die Vorbereitung involviert. Mit ihren Studien zum Werk des Bauhaus-Meisters Lyonel Feininger in Weimar und Weimar Land nahm sie bereits zu Zeiten der DDR Kontakt zu internationalen Museen, Verlagen und der Familie auf. Sie konzipierte ständige Ausstellungen in der Kirche von Gelmeroda und hielt Vorträge zu seinem Werk. 1990 reiste Renate Böttcher zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach Cambridge/ USA, um zur Arbeit am Nachlass von Lyonel Feininger im Busch-Reisinger Museum zu forschen. In Eigeninitiative entwickelte sie von 1997 bis 1999 eine Konzeption für eine Feininger-Ausstellung zum Kulturstadtjahr in Weimar oder Apolda, bot und bietet bis heute Vorträge und Führungen zum Thema „Feininger im Weimarer Land“ an. 2005 und 2006 warb Renate Böttcher für das Doppeljubiläum Lyonel Feininger, begründete eine Initiativgruppe, stellte Kontakte zu Stadt, Landesregierung, Botschaft, Generalkonsulat, Museen, Kunstwissenschaftlern, Schulen, Künstlern, Touristikern, Hotels, der Mal- und Zeichenschule, Ortsteilbürgermeistern, der Bauhaus-Universität, Pfarrämtern, Grafikern her und erstellte ein Jahresprogramm.

Lyonel Feininger wurde am 17. Juli 1871 in New York geboren. Mit 16 Jahren kam er das erste Mal nach Deutschland und besuchte fortan die Kunstgewerbeschule Hamburg. 1892 nahm er Studium an der Pariser Académie Colarossi auf und ließ sich 1893 in Berlin als freier Illustrator und Karikaturist nieder. Ab 1909 gehörte er zur Berliner Secession. 1912 lernte er die Künstlergruppe Brücke kennen und fertigte die ersten architektonischen Kompositionen. 1919 wurde er von Walter Gropius als Leiter der grafischen Werkstatt an Staatliche Bauhaus in Weimar berufen und war bis 1932 der erste Bauhaus-Meister. 1929 bis 1931 fertigte er auf Einladung der Stadt Halle elf expressionistische Ansichten der Stadt. 1932, nach dem Sieg der NSDAP bei den Kommunalwahlen in Dessau, verließ Lyonel Feininger das Bauhaus, ging mit seiner Familie nach Berlin und verließen schließlich 1937 Deutschland. Lyonel Feininger lebte und arbeitete fortan als freier Maler in New York. Während des Nationalsozialismus galten seine Werke als „Entartete Kunst“.

In Naumburg wurde Renate Böttcher 1950 geboren. In Bad Kösen verbrachte sie Kindheit und Jugend. Nach dem Abitur mit Facharbeiterbrief als Schuhstepperin studierte sie von 1969 bis 1973 Architektur an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar. Anschließend und bis 1977 war Renate Böttcher wissenschaftliche Assistentin für Baugeschichte am Lehrstuhl für Theorie und Geschichte der Architektur und engagierte sich in der Denkmalpflege. Von 1979 bis 1991 war sie im Büro des Bezirksarchitekten Erfurt im Bereich Städtebau tätig. Systematisch erfaßte Renate Böttcher in dieser Zeit Dorfkirchen im Weimarer Land und legte ein Fotoarchiv an. 1993 bis 2001 arbeitete sie im Architekturbüro Böttcher.

Renate Böttcher ist in vielen Kulturbereichen aktiv. So begab sie sich in den Jahren von 1995 bis 2002 deutschlandweit auf Sponsorensuche für Gedenktafeln für namhafte Persönlichkeiten Weimars. Dafür wurde sie mit dem höchsten Lions-Orden für außergewöhnliches persönliches Engagement „Melvin Jones Fellow“ ausgezeichnet. 2001 bis 2002 versuchte sie die Fusion der Theater von Weimar und Erfurt zu verhindern, gründete eine Initiativgruppe und suchte Unterstützung bis hin zum Salzburger Festspiel-Intendanten. 2002 übernahm sie eine ehrenamtliche Tätigkeit im DMT für die Aktion „Stuhlpaten“. 2002 bis 2005 war Renate Böttcher Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit für den Förderverein Buchenwald.
Mitwirkende
Moderation: Ellen Schweda
Redaktion: Angelika Zapf