Fr 17.09. 2021 18:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR Spezial

Gleich hinter Mord und Totschlag. Der § 218 kriminalisiert seit 150 Jahren Frauen und ÄrztInnen

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Teilnehmerinnen der Demonstration «Marsch für das Leben» gegen Abtreibungen vom 'Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, sexuelle Vielfalt und bunte Lebensentwürfe' bilden auf dem Pariser Platz mit Transparenten den Schriftzug '§218 legal'. 33 min
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MDR KULTUR - Das Radio Fr, 17.09.2021 18:00 19:00

Beiträge aus der Sendung

Prof. Dr. Ulrike Busch ist Professorin für Familienplanung und Mitglied beim Bundesverband „pro familia“ 8 min
Prof. Dr. Ulrike Busch ist Professorin für Familienplanung und Mitglied beim Bundesverband „pro familia“ Bildrechte: MDR/Judith Heinze

Der Kompromiss von 1995 mit Fristenlösung und Beratungspflicht unterläuft das freie Entscheidungsrecht von Frauen, sagt Ulrike Busch. Sie war die deutschlandweit erste Professorin für Familienplanung in Merseburg.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 17.09.2021 18:00Uhr 07:44 min

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Könnten Männer schwanger werden, wäre Abtreibung ein Grundrecht.
Mit diesem Slogan protestieren Frauen seit Jahrzehnten gegen die deutschen Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch.

Am Sonnabend, 18.9., geht dieser Protest in Berlin in eine weitere Runde: Das deutschlandweite Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung fordert, die Paragrafen 218, 219 und 219 a aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Da steht der Schwangerschaftsabbruch als Tötungsdelikt gleich hinter Mord, Totschlag und fahrlässiger Tötung.

Jede 4. bis 5. Frau wird statistisch gesehen, einmal in ihrem Leben ungewollt schwanger: Und es sind alljährlich in Deutschland etwa 100.000 Frauen, die ungewollt schwanger werden und mit diesem Gesetz in Konflikt kommen. Wie wenig hilfreich dabei die Pflichtberatung ist, dazu weiß die Professorin für Familienplanung Ulrike Busch; sie hat dazu an der Hochschule Merseburg geforscht und gelehrt und war lange Jahre u.a. im Bundesvorstand von Pro Familia aktiv. Und warum immer weniger Ärzte und Kliniken in und um Halle/Saale Schwangerschaftsabbrüche durchführen, dazu sprechen wir mit der Frauenärztin Dörte Meisel. Und auch darüber, was das für die betroffenen Frauen bedeutet.

Die WHO versteht einen Schwangerschaftsabbruch als Menschenrecht, als Grundrecht sexueller Selbstbestimmung, für jede Frau sicher, erreichbar und finanzierbar. Darauf berufen sich die Akteurinnen vom morgigen Aktionstag. Zu ihren Forderungen sind wir mit Johanna Warth vom Bündnis Sexuelle Selbstbestimmung im Gespräch.

* 18:10 Uhr - Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung: Wir brauchen eine ehrliche Debatte
Mit der Aktivistin Johanna Warth im Gespräch.

* 18:20 Uhr - In Halles Kliniken werden keine Abbrüche mehr durchgeführt. Ungewollt schwangere müssen nach Merseburg ausweichen
Abbruch bleibt freie Gewissensentscheidung des Arztes: Wenn in Halle und Umgebung keine Klinik mehr Abbrüche und medizinische Weiterbildung mehr anbietet. Die Gynäkologin Dörte Meisel im Gespräch.

* 18:30 Uhr - Konfliktberatung kann nicht schaden? Aber sie birgt andere Konflikte in sich
Konfliktberatung kann nicht schaden? Aber sie birgt andere Konflikte in sich. Ulrike Busch vom Bundesverband Pro Familia.

* 18.40 Uhr - Wo Kunstfreiheit endet. Lisa Maria Baiers Protest gegen Polen Abtreibungsgesetz