Sa 25.09. 2021 11:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR trifft Chris Freise

Diplomforstwirt, Leiter des Forstamts Erfurt-Willrode

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MDR Kultur trifft Chris Freise Bildrechte: Thomas Kallenbach
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 25.09.2021 11:00 12:00
Dürre, Stürme, Schädlinge, der deutsche Wald steht unter gewaltigem Streß. Die Schäden im Thüringer Fort nehmen dramatische Ausmaße wie seit 1947 nicht mehr an. Die Natur kennt keine Katastrophen, sagt Diplom- fortwirt Chris Freise. Er ist seit 2007 Leiter des Forstamts Erfurt-Willrode. Die natürlichen Systeme reagieren auf alles, die Katastrophe aber entsteht durch das Auge des Menschen, führt er aus. Für Christ Freise steht u.a. die Frage, nach welchen Regeln von Natur und Staat die Forstarbeit in den kommenden Jahren stehen wird. An der Frage wie Wald organisiert wird hängen viele Arbeitsplätze. Im vergangenen Jahr lag der globale Holzmarkt nicht nur wegen der Corona-Pandemie am Boden. Schadholz konnte teilweise nicht mehr kostendeckend verkauft werden. Der Wald ist zudem Naherholungsgebiet, Lernraum, eine Art Kühlaggregat bei steigenden Tempera- turen.

Soll man den Wald im Klimawandel sich selbst mit Totholzflächen überlassen oder pflanzt man Laub- und aufwändig mediterrane Nadelhölzer an? "O Täler weit, o Höhen, O schöner, grüner Wald, Du meiner Lust und Wehen andächt'ger Aufenthalt!" heißt es bei Joseph von Eichendorff im Jahr 1810. Fern aller romantischen Betrachtungen ist die die heutige Hauptaufgabe für Chris Freise und seine Forstamtskollegen das Katastrophen- management.

In Höxter wurde Chris Freise 1970 geboren. Nach Zivildienst und journalistischen Arbeiten in Printmedien und Privatradio absolvierte er ein Volontariat bei der Westfälischen Zeitung, entschied sich dann jedoch von 1994 bis 1999 für ein Studium der Forstwirtschaft in Freiburg im Breisgau. Dieses beinhaltete auch ein Auslandspraktika in den USA bei einer Furnierholzhandelsfirma, sowie mehrere Betriebspraktika in privaten und öffentlichen Forstbetrieben in ganz Deutschland. 1999 bis 2001 übernahm Chris Freise ein Referendariat in der Landesforst- verwaltung Thüringen und machte sein Staatsexamen. 2002 bis 2005 nahm er ein Promotionsstudium an der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Universität in Freiburg im Breisgau auf. Zeitgleich war er Referent in der Thüringer Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Referent im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, sowie Büroleiter und persönlicher Referent im Thüringer Ministerium für Land- wirtschaft, Naturschutz und Umwelt.

Seit 2007 ist Chris Freise Forstamtsleiter im Thüringer Forstamt Erfurt-Willrode. 2010 nahm er einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Erfurt, Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forstwirtschaft, Studiengang Forstwirtschaft und Waldökosystemmanagement an. Im selben Jahr wurde Chris Freise in die Arbeitsgruppe „Forststruktur" beim Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz berufen. 2011 baut er die erste Wilddirektvermarktung der Thüringer Landesforstverwaltung am Standort des historischen Forsthauses Willrode auf. 2016 entwickelte und realisierte er ein Konzept für das Forst- und Jagdhistorische Museum am historischen Forsthauses Willrode. Ab 2020 leitet Chris Freise die zentrale Koordination der Klageabwehr ADG 5, Schadensersatzklage gegen den Thüringer Forst bei einem Streitwert von 40 Millionen Euro.
Mitwirkende
Redaktion: Angelika Zapf