Di 26.10. 2021 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR Werkstatt Mitteldeutschland

Vom Theater ins Museum, ins Leben, und zurück. Andrea Moses inszeniert „Aida“ am Deutschen Nationaltheater in Weimar

Eine Sendung von Stefan Petraschewsky

Komplette Sendung

Szenenfoto mit Camila Ribero-Souza (Aida) aus Andrea Moses Inszenierung von Guiseppe Verdis "Aida" am Deutschen Nationaltheater in Weimar. 60 min
Bildrechte: DNT Weimar/Candy Welz
MDR KULTUR - Das Radio Di, 26.10.2021 22:00 23:00
In Gesprächen, Lesungen, Atelier-Besuchen, Diskussionsrunden und Reportagen geht es um die kulturelle Arbeit in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Aktuelle Debatten und Projekte spielen dabei ebenso eine Rolle wie Traditionen in Mitteldeutschland. Zu Wort kommen jeden Dienstag um 22:00 Uhr Künstler und Autoren sowie Wissenschaftler der verschiedensten Forschungsgebiete.

Andrea Moses ist neue Operndirektorin am DNT Weimar. Als Antrittsinszenierung wird sie „Aida" von Giuseppe Verdi auf die Bühne bringen. Ein Ohrwurm ist der Triumphmarsch, in dem Ägypter die „Schätze der Besiegten" über die Bühne tragen. Aber es geht in dieser Inszenierung nicht nur um Raubkunst auf der Bühne. „Aida" selbst sei eine Art Raubkunst, denn sie raube den Ägyptern die Darstellung ihrer selbst. Verdi erfinde den Ägyptern ihr Altes Ägypten neu und behaupte eine Identität und Kultur aus europäischer, kolonialer Perspektive.

Für Andrea Moses ist diese koloniale Geste der zentrale Punkt. Sie holt die Opernhandlung ins Heute, lässt sie im neueröffneten Humboldt-Forum spielen, wo auch heute noch die „Schätze der Besiegten" zur Schau gestellt werden. Dieses Museum sei die Referenzgröße, wenn sie über „Aida" nachdenke; auch, „weil das Museum in einer Art Schizophrenie mit dem christlichen Kreuz auf der Kuppel den Vorgang der Kolonialisierung nach vorne verlängert bis in die Zukunft unserer Kindeskinder hinein."

Diese Sendung will im Gespräch mit Andrea Moses und ihrem Team einen Einblick in die Probenarbeit, und im Gespräch mit dem Historiker Götz Aly und Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen (SES) innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Einblicke in zeitgemäße ethnologische Museumsarbeit geben.