Di 09.11. 2021 09:00Uhr 35:00 min

MDR KULTUR - Lesezeit | Zum 200. Geburtstag von Fjodor Michailowitsch Dostojewski Verbrechen und Strafe (Folge 7 von 25)

Von Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Komplette Sendung

Fjodor Dostojewski 27 min
Bildrechte: imago/United Archives International
MDR KULTUR - Das Radio Di, 09.11.2021 09:00 09:35
Russland, 1860. Der hochbegabte jedoch völlig mittellose Student Rodion Raskolnikow lebt in ärmlichen Verhältnissen in St. Petersburg. Er ist ein Einzelgänger, vergeistigt und menschenscheu. Als er von der Verlobung seiner Schwester mit dem einflussreichen Luschin erfährt, ist er bestürzt: Die Hochzeit muss unbedingt verhindert, seine Schwester ausgelöst werden. Doch wie Raskolnikow das erreichen kann, weiß er nicht. Nach einem Besuch bei der alten Pfandleiherin Aljona Iwanowna beschließt er schließlich, sie zu erschlagen und sich mit dem erbeuteten Diebesgut aus dem Staub zu machen. Zu dem Mord an der "Laus" fühlt er sich berechtigt, da "lebensunwertes" Leben vernichtet gehöre. Raskolnikow plant das perfekte Verbrechen - wird jedoch am Ort des Geschehens von der Schwester der alten Pfandleiherin überrascht, die er daraufhin ebenfalls kaltblütig erschlägt. Als es nicht gelingt, ihn des Mordes zu überführen, scheint das Verbrechen perfekt. Doch Raskolnikow hat seine Rechnung ohne jene Regung gemacht, die den Menschen erst Mensch sein lässt - das eigene Gewissen.

Nachdem Raskolnikow aus den schlimmsten Fieberträumen und darauf folgender tiefer Bewusstlosigkeit erwacht, ist er in Obhut seiner Mutter und seiner Schwester, die St. Petersburg besuchen. Es kommt zum Zerwürfnis zwischen dem stolzen Luschin und seiner Schwester, die Verlobung wird gelöst und Raskolnikow scheint zu genesen. Doch als er abermals auf die Polizeiwache zitiert wird und auf den Untersuchungsrichter Porfiri Petrowitsch trifft, zeigt sich, dass er nicht so leicht davonkommen wird: Petrowitsch ist äußerst scharfsinnig. Er ist sicher, in Raskolnikow den Schuldigen für die ungeheuerlichen Morde in der Wohnung der alten Pfandleiherin gefunden zu haben, und setzt alles daran, ihn zu überführen. Raskolnikow gesteht unterdessen der jungen Prostituierten Sonja, zu der er sich mehr und mehr hingezogen fühlt, dass er die Morde an der alten Pfandleiherin und deren Schwester begangen hat. Nicht die Armut oder der Wunsch, seine Schwester aus einer unglücklichen Verbindung zu lösen, hätten ihn getrieben, sondern die Überzeugung, sich durch den Mord von allen gewöhnlichen Menschen abzuheben und so gottgleich zum "Übermenschen" zu werden. Doch die Schlinge um Raskolnikow zieht sich immer enger zusammen. Nachdem er die Taten eingestanden hat, irrt er tagelang durch die Stadt, zweifelt an seinem Verstand und fällt schließlich in ein tiefes Delirium. Am zehnten Tag nach den Morden gesteht er seine Verbrechen und hat selbst nur noch den Wunsch, das eigene Verbrechen zu büßen.

Fjodor Michailowitsch Dostojewski, * 11.11.1821 in Moskau, ? 9.2.1881 in St. Petersburg, war einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller; sein Werk ist gekennzeichnet durch tiefe Religiosität, Liebe für die Leidenden und Kritik an Egoismus und Rationalismus. Dostojewski schrieb neben großen Romanen auch eine Vielzahl von Erzählungen und Novellen. Zu seinen Hauptwerken zählen "Arme Leute", "Weiße Nächte", "Schuld und Sühne" (in späterer Übersetzung "Verbrechen und Strafe") "Der Idiot", "Die Dämonen" sowie "Die Brüder Karamasow".
Mitwirkende
Regie: Walter Adler
Produktion: Hörkultur Medien 2007/Der Audio Verlag 2017
Darsteller
Sprecher: Sylvester Groth