Sa 20.11. 2021 11:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR trifft

MDR KULTUR trifft - Menschen von hier

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Andreas Ohse 38 min
Bildrechte: Heike Naumann
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 20.11.2021 11:00 12:00
Andreas Ohse, Vorsitzender der Mitteldeutschen Gesellschaft für Industriekultur Sachsen-Anhalt

Stadt.Land.Wandel - Wo ist die Zukunft zuhause? Das Thema der diesjährigen ARD Themenwoche. Mitteldeutschland und seine Städte lebten lange von der Kohle, die Land und Landschaft verändert hat. Doch spätestens nach 2038 wird es keine Kohleförderung mehr geben, die Braunkohlekraftwerke gehen vom Netz, im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier. Bei der Strukturreform dieser Regionen spielt die Kultur eine wichtige Rolle: Sie soll den Wandel begleiten, dazu beitragen, dass die Regionen auch nach dem Kohleausstieg eine attraktive und lebendige Zukunft haben.

Andreas Ohse aus Teuchern ist der Vorsitzende der Mitteldeutschen Gesellschaft für Industriekultur in Sachsen-Anhalt. Der Diplom-Ingenieur für Erkundungsgeologie arbeitete zu Zeiten der DDR und bis 1993 im Braunkohlewerk "Erich Weinert" in Theißen und befaßte sich dann mit Industriekultur. Seit 200 Jahren verändert sich die Mitteldeutsche Landschaft durch die Förderung und Verarbeitung unterschiedlicher mineralischer Rohstoffe wie Erz, Salz und Kohle. Diesen Prozeß wollte und will Andreas Ohse mit seiner jahrzehntelang erworbenen Fach- und Sachkompetenz über montanhistorische und maschinentechnische Zeugnisse der Technikgeschichte und Relikte des Bergbaus mit naturwissenschaftlichen Zusammenhängen begleiten und vor allem nachwachsenden Generationen weitergeben. 2012 gründete er "Industrietours" u.a. für industriekulturelle Reisen quer durch Mitteldeutschland. Seit Juli 2021 gibt er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter sein umfassendes Wissen ins Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle ein.

In Dessau wurde Andreas Ohse 1960 geboren, dort wuchs er auf. Als er mit elf Jahren eine Zigarrenkiste mit Fossilien erhielt wollte er Geologe werden. 1976 absolvierte er zunächst eine Lehre zum Chemiefacharbeiter, bevor er 1982 bis 1985 an der TU Bergakademie in Freiberg studierte und als Diplom-Ingenieur für Erkundungsgeologie bis 1993 im Braunkohlewerk "Erich Weinert" in Theißen arbeitete. Sein Aufgabenfeld war u.a. die Gewährleistung der geotechnischen Sicherheit im Tagebau. 1993 bis 1997 fertigte Andreas Ohse eine Studie zur Realisierung von Denkmalgeschützten Objekten der Braunkohlegeschichte in Mitteldeutschland. 1997 bis 2009 war er Geschäftsführer des Mitteldeutschen Umwelt- und Technikpark Zeitz. Die Brikettfabrik "Herrmannschlacht" wurde saniert und ausgebaut. Es entstand ein Museum der braunkohleveredelnden Industrie Mitteldeutschlands. Andreas Ohse befaßte sich zudem wissenschaftlich mit der Anlegung eines Braunkohlewaldes und brachte die Wegestruktur- und Sanierung mit Beschilderung der Sehenswürdigkeiten der Montanindustrie durch das Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier auf den Weg. Nach einem Existenzgründerlehrgang baute Andreas Ohre das Unternehmen "Industrietours" auf und leitete es. 2011 bis 2015 war er mit der Ursachsenforschung zu Erdrutsch Nachterstedt befaßt und leitete das Bohrprogramm zur staatsanwaltschaftlichen Ermittlung. 2015 bis 2021 übernahm er für die GALA-MIBRAG Service GmbH Profen die Besucherbetreuung für die MIBRAG mbH Theißen für die Braunkohletagebaue Profen und Vereinigtes Schleenhain. Seit Juli 2021 arbeitet Andreas Ohse an der "Aufarbeitung der Braunkohlegeschichte und seiner bergbaulichen Sachzeugen".

Unsere Gäste fühlen sich dem kulturellen Leben in unserer Region besonders verpflichtet. Kuratoren, Musiker, Intendanten, Schriftsteller, Dirigenten, Maler und viele mehr finden hier ihren Platz und erzählen aus ihrem beruflichen Leben und ihrem privaten Alltag.