Di 23.11. 2021 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR Werkstatt Mitteldeutschland

Wer schreibt der bleibt!? Sachsen-Anhalts unbekannte Dichter: August Heinrich Julius Lafontaine

Komplette Sendung

Grab des Schriftstellers August Heinrich Julius Lafontaine in Halle/Saale 60 min
Bildrechte: Alexander Suckel
MDR KULTUR - Das Radio Di, 23.11.2021 22:00 23:00
MDR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher und der Leiter des Literaturhauses Halle, Alexander Suckel, im Gespräch.

Eine Straße in Halle ist nach ihm benannt, sein Grab befindet sich auf dem kleinen Friedhof der Halleschen Laurentius-Gemeinde. Und doch kennt heutzutage kaum jemand den Autoren Lafontaine (1758, Braunschweig - 1831, Halle/Saale), und wenn doch, wird er nur allzu oft mit dem gleichnamigen französischen Fabeldichter verwechselt.

Lafontaine gehörte zu den fruchtbarsten und beliebtesten Autoren seiner Zeit. Sein Werk umfasst über 150 Romane und Erzählungen, teilweise unter Pseudonym verfasst, was eine vollständige Sichtung seines Ouvres schier unmöglich macht. Zu seinen Lesern zählten Napoleon, Stendhal, Madame de Staël und Königin Luise von Preußen, aber auch Herder und Wieland fühlten sich angesprochen, Goethe nicht gänzlich abgestoßen.
Lafontaines Romane, im "empfindsamen Stil" verfasst, sind zugleich bürgerliche "Familien-Gemählde". Sie wurden in 14 Sprachen übersetzt und verkauften sich so gut, dass sogar ausländische Buchhändler noch vor Erscheinen 100 Exemplare seines neuesten Buches bestellten. Sein vierbändiger Roman über "Leben und Thaten des Freiherrn Quinctius Heymeran von Flaming" von 1795-1796 (neu herausgegeben bei Zweitausendeins, 2008) zählt zu Lafontaines größten Erfolgen und zeigt den Autor auf der Höhe seiner Romankunst.

Nach 1800 begann sein Ruhm zu verblassen. Die Romantiker, vor allem nach Schlegels vernichtender Athenäum-Kritik 1798, distanzierten sich von der traditionalistischen Auffassung der Aufklärung und Empfindsamkeit. Eine erbitterte Auseinandersetzung um Kunst und Trivialität setzte in diesen Jahren ein. Auch wenn Lafontaine kaum literarischer Nachruhm beschieden war, so ist seine Bedeutung für die Entstehung publikumswirksamer Unterhaltungsliteratur heute unbestritten.
In seinem 1966 vom Hessischen Rundfunk produzierten Funkessay "August Heinrich Julius Lafontaine EINE SCHULD WIRD BEGLICHEN: Quinctius Heymeran von Flaming" versucht sich Arno Schmidt (1914-1979) an einer Art literarischer Wiedergutmachung und billigt dem Roman wie seinem Autor durchaus beachtliche Qualitäten und Originalität zu.

Wie alles, was sich Schmidt gebastelt zeugt auch dieser Versuch, sich eine eigene literarische Tradition zusammen zu zimmern, von seiner großen Originalität und seinem noch immer viel zu wenig beachteten Humor.
Eine Veranstaltung von MDR Kultur in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Halle und der Landesvertretung Sachsen-Anhalts beim Bund in Berlin.
Darsteller
Sprecher:
Martin Reik
Bettina Schneider
Julian Gutmann

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