Mi 01.12. 2021 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR - Feature Jahrhundertbauwerk Trasse

Wie das Erdgas in den Westen kam

von Matthias Schmidt

Komplette Sendung

Monteure der VEB Industriemontage während der Montage der Erdgasleitung - Druschba Trasse - bei Iwano Frankowsk, 1976 58 min
Bildrechte: imago/Ulrich Hässler
MDR KULTUR - Das Radio Mi, 01.12.2021 22:00 23:00
Es war das Abenteuer ihres Lebens. In den 70er und 80er Jahren arbeiten mehr als 25.000 DDR-Bürgerinnen und Bürger in der Sowjetunion. Sie verlegen die bis dahin größte Erdgasleitung der Welt. Ihre "Trassen" überqueren die großen und mächtigen Flüsse Dnepr und Dnestr. Erstmals erleben die DDR-Arbeitskräfte in der Sowjetunion einen Hauch von Freiheit, den sie im eigenen Land nicht spüren.
Sie verdienen viel Geld, doch sie müssen ebenso viel auszuhalten, denn sie sind Gefahren ausgesetzt, Kargheit, wilder Natur und Einsamkeit. Zudem werden sie von ihrem Staat auch im Wilden Osten überwacht. Der Aufenthalt an der Trasse bleibt für sie ein prägender Bestandteil ihrer Biografie.

Doch was im Ostblock vor allem als sozialistisches Fortschrittsprojekt betrachtet wird, ist auch für den Westen ein Jahrhundertbauwerk. Seit den 60er Jahren gibt es Versuche, vom sowjetischen Rohstoff-Reichtum zu profitieren. Das daraus resultierende Erdgas-Röhren-Geschäft von 1970 ist nicht weniger als der größte West-Ost-Handelsvertrag der Nachkriegsgeschichte. Westeuropa liefert Rohre und gibt Kredite. Der Osten baut und liefert Gas. Allen Widrigkeiten des Kalten Krieges, den internationalen Spannungen und amerikanischen Embargos trotzend, werden die Pipelines fertiggestellt und sind bis heute ein fester Bestandteil der westeuropäischen Energieversorgung.

(59 Min.)
Mitwirkende
Regie: Kathrin Aehnlich
Produktion: MDR 2021