Sa 11.12. 2021 09:00Uhr 35:00 min

MDR KULTUR - Feature Die Tränen der Kinder - Wochenkrippen in der DDR

Von Katja Aischmann

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MDR KULTUR - Das Radio Sa, 11.12.2021 09:00 09:35
Die DDR Mitte der 50er Jahre. Es gilt die 6-Tage-Woche. Die junge Republik braucht Arbeitskräfte. Auch Frauen sollen beim Aufbau des sozialistischen Staates helfen.

Doch wohin mit den vielen Säuglingen und Kleinkindern, wenn die Mütter bereits sechs Wochen nach der Geburt wieder zur Arbeit gehen müssen? Die rettende Idee scheint einfach und effizient zugleich: Die Wochenkrippe wird aus der Taufe gehoben. Jeder kann jetzt sein Kind am Montag früh in einer solchen Einrichtung abgeben und am Samstag wieder mitnehmen. Damit gehen nicht nur Väter normal zur Arbeit, auch Mütter können durch die staatliche Kinderbetreuung voll am Erwerbsleben teilnehmen, das Studium beenden und Karrierechancen ergreifen. Eine sehr sozialistische und auch sehr emanzipierte Idee.

Mindestens einhunderttausend Kinder waren zwischen 1950 und dem Ende der DDR in den Wochenkrippen untergebracht. Und nicht nur in der DDR, auch in anderen sozialistischen Staaten wie in der Tschechoslowakei glaubte man an die kollektive Dauerbetreuung der Kleinsten. Doch schon früh ließen erste Forschungen Zweifel aufkommen. Von Hospitalismuserscheinungen und Entwicklungsstörungen alarmiert, brach man in anderen sozialistischen Staaten das Betreuungsmodell wieder ab. In der DDR dagegen wurde es bis in die achtziger Jahre hinein immer weiter perfektioniert.

Viele der ehemaligen Wochenkinder beklagen heute schwere seelische Schäden, die in der frühen Phase ihrer Kindheit begründet liegen. Betroffene nehmen uns mit in die Vergangenheit, berichten von Spätfolgen und ihren Ängsten, die sie bis heute in sich tragen. Auch Mütter und Krippenerzieherinnen schildern ihre Sicht auf die heute umstrittenen Einrichtungen, an denen die DDR bis zum Ende festhielt.

Mitwirkende
Produktion: MDR 2021