Mo 28.02. 2022 22:00Uhr 90:00 min

MDR KULTUR - Hörspiel | 30 Jahre MDR Der brave Soldat Schwejk

Funkbearbeitung: Gerhard W. Menzel

Von Jaroslav Hašek

Komplette Sendung

Ein gemaltes Bild vom Soldaten Svejk auf einer Wand 72 min
Bildrechte: IMAGO / Hans Blossey
MDR KULTUR - Das Radio Mo, 28.02.2022 22:00 23:30
1883 in Prag geboren, lebte Jaroslav Hasek zumeist als freier Schriftsteller. Es heißt, er saß jeden Tag in der Kneipe, schrieb Satiren, die er bei Zeitungen ablieferte, um das Honorar gleich wieder zu vertrinken. Sein tiefes Verständnis für Denk- und Lebensweise der kleinen Leute hatte sich Hasek wohl im Selbststudium angeeignet, in den Kneipen, während eines Aufenthaltes im Irrenhaus und auch, als er einige Zeit quasi als Landstreicher durch Europa zog. Nach einem kurzen Zwischenspiel als bolschewistischer Kommissar kehrte er 1920 nach Prag zurück. Hier erschien 1921 einer der ersten Antikriegsromane überhaupt: "Der brave Soldat Schwejk". Er war als Fortsetzungsroman gedacht, aber zu Ende schreiben konnte Hasek den "Schwejk" nicht, er starb 1923 mit nur 39 Jahren an Tuberkulose, zusätzlich geschwächt durch langjährigen Alkoholkonsum.

Der Königsweg der Schwejkschen Verweigerung heißt nicht etwa Widerstand, sondern: Sabotage durch Übererfüllung. Pflichteifrig und von - scheinbar - unbedingtem Gehorsam, schafft Schwejk es immer wieder, die immanente Unmenschlichkeit der Herrschafts- und Befehlsverhältnisse seiner Zeit aufzudecken - ohne dies eigentlich zu wollen. Er enttarnt ihre Lächerlichkeit und Menschenfeindlichkeit nicht durch Kritik, sondern indem er versucht, sie mit stoischer Gelassenheit als genauso richtig, wertvoll und nützlich anzuerkennen, wie sie es von sich glauben machen wollen. Auf diesem Weg findet Schwejk neue Freunde oder bringt lächerliche Autoritäten zur Weißglut. Dabei hilft ihm auch sein unerschöpfliches Repertoire an Anekdoten.

Gerhard W. Menzel, (geboren am 18. Februar 1922 in Schkeuditz bei Leipzig; gestorben am 14. März 1980 in Leipzig) war bis 1952 Chefdramaturg der Hörspielabteilung des 1946 neu gegründeten Mitteldeutschen Rundfunks. Er schrieb für das Programm des jungen Senders über 20 Bearbeitungen weltliterarischer Stoffe. In den späteren Schaffensjahren arbeite Menzel vor allem an historisch-biografischen Romanen, u.a. über Schiller, Pieter Bruegel, Moliere und Jan Vermeer van Delft.

(72 Min.)
Mitwirkende
Regie: Carl Nagel
Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 1950
Darsteller
Karl Hellmer - Josef Schwejk
Wolf Kaiser - Oberleutnant Lukasch
Paul Joachim Schneider - Feldkurat Katz
Robert Neugebauer - Stabsarzt
Alfred Otto - Psychiater
u. v. a.