Sa 12.03. 2022 11:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR trifft Svetlana Lavochkina

Schriftstellerin, Übersetzerin, Lehrerin, Leipzig

Komplette Sendung

Porträt der ukrainischen Schriftstellerin Svetlana Lavochkina 43 min
Bildrechte: Pavel Gitin
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 12.03.2022 11:00 12:00
Mit der dritten Absage der Leipziger Buchmesse infolge der Corona-Pandemie sind bei MDR Kultur trifft den ganzen März Buchmenschen zu Gast

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine vor rund zwei Wochen wurden tausende Menschen getötet, darunter viele Zivilisten, über 110.000 Menschen flohen allein nach Deutschland und der Krieg, der Krieg in Europa setzt sich mit unverminderter Härte fort. Die Schriftstellerin, Übersetzerin und Lehrerin Svetlana Lavochkina wurde 1973 in Zaporizzhia im Südosten der Ukraine geboren. Einen Teil ihres Lebens verbrachte sie in der Sowjetunion. Russisch ist ihre Muttersprache, Deutsch die Sprache des Alltags, Englisch die Schriftsprache und Ukrainisch der geschenkte, verschollene, wiederentdeckte Schatz, sagt Svetlana Lavochkina. Seit dem Angriff am 24. Februar auf die Ukraine sei die russische Sprache für sie nur noch zum Fluchen da. Bis heute steht Svetlana Lavochkina in Kontakt mit Familienmitgliedern, Kommilitonen und Literaturverbundenden in beiden Ländern. Sie hofft zudem, daß auch das "Weltgebrüll der Kollegen Literaten so laut wird, daß die Tyrannei verstummt". Seit ihrem 26. Lebensjahr lebt Svetlana Lavochkina mit ihrem Mann in Leipzig. Ihre zwei Söhne wurden hier geboren. Beide kamen als sogenannte Kontingentflüchtlinge nach Deutschland. Svetlana Lavochkina arbeitet als Englischlehrerin und übersetzt russische und ukrainische Lyrik ins Englische. Ihre eigenen Texte erscheinen in Zeitschriften und Anthologien in den USA und Großbritannien. 2013 wurde ihre Novelle "Dam Duchess" mit dem Pariser Literaturpreis ausgezeichnet. 2015 erschien der Debütroman "Puschkins Erben", zunächst in Englisch mit dem Titel "Zap" für Zaporoschje, der Industriestadt im Osten der Ukraine. Er erzählt von einer ukrainisch-jüdischen Familie, der eigenen Familiensaga nachempfunden. 2019 legte ihn der Verlag Voland & Quist in deutscher Sprache vor und diesem Frühjahr "Die rote Herzogin" Svetlana Lavochkina, im Originaltitel "Dam Duchess", 2018 in den USA erschienen. Beide Bücher wurden von Diana Feuerbach übersetzt. Der Roman "Die rote Herzogin" spielt erneut in Zaporoschje, diesmal allerdings Ende der 1920er Jahre und Josef Wissarionowitsch Stalin will den Dnjepr-Staudamm bauen. Svetlana Lavochkina wird am 17.03. im Leipzig beim Verlagsabend von Voland & Quist in "Horns Erben" lesen und am 19.03. in der Moritzbastei.