Fr 13.05. 2022 09:00Uhr 35:00 min

MDR KULTUR - Lesezeit Internat (Folge 5 von 9)

Von Serhij Zhadan

Komplette Sendung

Serhij Zhadan: Internat 26 min
Bildrechte: Suhrkamp
MDR KULTUR - Das Radio Fr, 13.05.2022 09:00 09:35
Pascha, ein junger Lehrer, der sein ganzes Leben in einer Bergarbeitersiedlung im Donbass verbracht hat, muss eines Tages seinen 13-jährigen Neffen aus dem Internat abholen. Er bricht auf, quer durch die Stadt; das Internat liegt an der Frontlinie und bietet keine Sicherheit mehr. Durch den Ort zu kommen, in dem das zivile Leben zusammenbricht, dauert einen ganzen Tag. Der Heimweg wird regelrecht zur Prüfung. Die beiden geraten in die unmittelbare Nähe der Kampfhandlungen. Maschinengewehre rattern, Minen explodieren, paramilitärische Trupps tauchen in den Trümmern auf. Nach der Odyssee durch die einst vertraute, jetzt zerstörte Gegend ist für Pascha nichts mehr wie zuvor.

Der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan schildert, ausgehend von den Anfängen des Krieges seit 2014 in den ostukrainischen Oblasten Donezk und Luhansk, wie sich die vertraute Umgebung in ein unheimliches Territorium verwandelt und erzählt trotz allem Leid und Elend von trotzigen Menschen, die der Angst und Zerstörung ihre Selbstbehauptung und ihr Verantwortungsgefühl entgegensetzen.

Serhij Zhadan wurde 1974 im Industriegebiet Luhansk in der Ostukraine geboren, studierte Germanistik und Ukrainistik und promovierte über den ukrainischen Futurismus. Mit nur 17 Jahren begann Zhadan, eigene Prosa- und Gedichtbände selbst zu publizieren - damals noch mithilfe einer alten Druckmaschine, die nur 100 Seiten pro Woche drucken konnte. Mittlerweile ist Zhadan einer der bekanntesten Schriftsteller seines Landes.

Die politischen Entwicklungen und Umbrüche in der Ukraine, die Folgen der Majdanproteste 2014 und der Krieg im Land spiegeln sich auch in Zhadans literarischem Kosmos wieder. Der 2010 veröffentlichte Roman "Die Erfindung des Jazz im Donbass" wurde vom BBC zum Buch des Jahrzehnts gekürt. Sein jüngster Roman "Internat" erzählt vom Krieg in der Ostukraine und wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2018 ausgezeichnet. Übersetzt wurde das Buch von Juri Durkot und Sabine Stöhr. Die Originalausgabe erschien 2017 in Kiew.

(27 Min.)
Mitwirkende
Regie: Steffen Moratz
Produktion: MDR 2022
Darsteller
Mitwirkende:
Constanze Becker
Tim Sparfeldt

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