Sa 30.07. 2022 11:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR trifft

Antje Schneider und Jenny Rasche

Film-Autorin, Dresden/ Leipzig & Sozialarbeiterin aus dem Harz in Siebenbürgen

Komplette Sendung

Die Regisseurin Antje Schneider 43 min
Bildrechte: Werkblende
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 30.07.2022 11:00 12:00
"Jenny und die Romakinder - 10 Jahre zwischen Tod und Hoffnung" heißt die MDR Fernseh-Dokumentation von Antje Schneider, die am vergangenen Donnerstag erneut ausgestrahlt wurde und als fünfteilige Serie in der ARD Mediathek zu sehen ist. Zehn Jahre begleitete Antje Schneider aus Dresden mit einem Kamerateam den ungewöhnlichen und beeindruckenden Weg von Jenny Rasche. Als 19jährige wird diese bei einer Rumänienreise mit den prekären Lebensbedingungen von Roma-Familien konfrontiert. Jenny Rasche findet mitten im Winter eine Mutter mit ihrem Baby im Straßengraben. Sie bringt beide nach Hause, in einen Slum nahe Sibiu-Hermannstadt in Siebenbürgen. Dort gibt es kein fließend Wasser, keinen Strom, die Familien leben in ärmlichen Hütten oder gar Erdlöchern. Besonders schockiert Jenny Rasche das Elend der vielen Roma-Kinder und dies mitten in Europa. Zurückgekehrt in den Harz gründet sie 2003 in Stapelburg den Kinderhilfe für Siebenbürgen e.V. und wird darin und bis heute von ihrer Schwester Susanne Blank und ihren Eltern unterstützt. 2008 zieht Jenny Rasche mit der eigenen Familie, vom Harz in die Nähe von Hermannstadt und kümmert sich fortan vor allem um Kinder und Jugendliche, organisiert Schulbesuche, gründet eine Schule, baut 3 Kinderhäuser auf. Dort leben heute an die 30 Kinder, die aufgrund von Mißhandlung, Vernachlässigung und/ oder sexueller Gewalt nicht mehr in ihrem Familien leben können. In der Familienhilfe werden ca. 300 Familien mit ca. 1000 Kindern betreut, vornehmlich aus über den Verein eingeworbenen Spenden.

"Sie erkennt gute Geschichten 7 Meilen gegen den Wind. Eine hellhörige Journalistin, die durch ihre Empathie zaubern kann", so wird Antje Schneider, Filmautorin der Film- und Fernsehproduktion Werkblende Leipzig charakterisiert, die auf Jenny Rasche aufmerksam wurde, sich ihr und ihrer Arbeit vor Ort näherte, sie unter außergewöhnlichen Umständen begleitete und dies auch weiterhin tun wird.

In Dresden wurde Antje Schneider 1965 geboren. Nach einer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester und Fachausbildung Onkologie, studierte sie von 1991 bis 1997 an der TU Dresden Erziehungswissenschaften, Studienrichtung Sozialpädagogik mit einem halbjährlichen Studien- und Praktikumsaufenthalt an der Ohio State University. 1997 bis 1998 bildete sich Antje Schneider beim Klett WBS-Dresden zur Fachredakteurin für Multimediale Anwendungen weiter und besuchte an 2009 die Masterclass an der Journalistenschule Köln. Von 1997 bis 2000 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Mikro-Soziologie der TU Dresden. Seit 1999 ist Antje Schneider freiberufliche Fernsehfilm-Autorin und Redakteurin beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk und seit 2001 zudem Dozentin für audiovisuelle Medien an der TÜV-Schule Dresden.

In Wernigerode wurde Jenny Rasche 1983 geboren, in Stapelburg wuchs sie auf. Sie lernte Landwirtin und Sozialassistentin und erwarb 2003 an den Berufsbildenden Schulen Goslar das Fachabitur im Bereich Wirtschaft. In Rumänien erwarb sie die Allgemeine Hochschulreife und studierte an der Lucian-Blaga-Universität in Hermannstadt evangelische Theologie und soziale Arbeit und erhielt 2012 den Bachelor-Abschluß. 2019 erhielt Jenny Rasche für ihr Engagement für Romakinder und Jugendliche den Lothar-Kreyssing-Friedenspreis der Stadt Magdeburg und 2021 den European-Movement-Award, Kategorie Woman in Action. Sie ist verheiratet und Mutter von acht Kindern, darunter zwei Pflegekindern.

Seit mehr als 600 Jahren leben Sinti und Roma in Europa, waren im Lauf der Geschichte mehrfach Verfolgung und Pogromen ausgesetzt, werden bis heute stigmatisiert. Während des Nationalsozialismus wurden 500.000 Menschen ermordet. Das Europäische Parlament erklärte 2015 den 2. August zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma.
Mitwirkende
Redaktion: Angelika Zapf
Moderation: Thomas Bille