Di 13.09. 2022 15:00Uhr 30:00 min

Undatiertes Archivbild des Schriftstellers Kurt Tucholsky.
Undatiertes Archivbild des Schriftstellers Kurt Tucholsky. Bildrechte: dpa
MDR KULTUR - Das Radio Di, 13.09.2022 15:00 15:30
MDR KULTUR - Das Radio Di, 13.09.2022 15:00 15:30

MDR KULTUR - Die Klassikerlesung Schloss Gripsholm (Folge 9 von 20)

Schloss Gripsholm (Folge 9 von 20)

Von Kurt Tucholsky

  • Stereo
Das Buch beginnt mit dem Abdruck eines fiktiven Briefwechsels zwischen dem Autor und seinem Verleger, Ernst Rowohlt. Darin regt Rowohlt Tucholsky an, doch mal wieder eine leichte und heitere Liebesgeschichte zu schreiben, während jener ihm stattdessen "eine kleine Sommergeschichte" anbietet und um ein höheres Honorar feilscht.

Die sich anschließende Erzählung handelt vom Sommerurlaub des Erzählers Kurt, genannt Peter, mit seiner Freundin Lydia in Schweden. In ihrer Sommerfrische erhalten sie nacheinander Besuch von Kurts altem Kameraden und Freund Karlchen sowie von Lydias bester Freundin Billie. Die Episodenerzählung, in der auch ein - für die Spätzeit der Weimarer Republik als kühn anzusehendes - erotisches Abenteuer zu dritt eingeflochten ist, kontrastiert mit nachdenklich stimmenden Szenen.

Das Buch erschien 1931. Da hatte Kurt Tucholsky (1890-1935) Deutschland schon den Rücken gekehrt; nicht mehr lange und einer der wichtigsten politischen Autoren würde verstummen. In Schweden, wohin er umgesiedelt war, fand er die Inspiration für diese Erzählung. Ein Sommervergnügen sollte es sein: für die handelnden Personen genauso wie für die Leserschaft seines Romans. Leicht und die Zeit süss zerdehnend, durchsetzt mit Tucholskys Witz und seinem Sprachgenius, entspannt sich die Geschichte zweier Verliebter, ihrer Freunde und eines gequälten Kindes.

Der Schauspieler Günter Pfitzmann, verpasst der Geschichte genau das richtige Mass an Freischnäuzigkeit und Wehmut nach einer irgendwie vergangenen Zeit.

Kurt Tucholsky, 1890 in Berlin geboren, war einer der bedeutendsten deutschen Satiriker und Gesellschaftskritiker des vorigen Jahrhunderts. Er gewann als radikaler Pazifist und geradezu bestürzend frühzeitiger, prophetischer Warner vor dem militanten deutschen Nationalismus politische Bedeutung. Unter den Pseudonymen Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser war er fünffacher Mitarbeiter der "Weltbühne", einer Wochenschrift, die er gemeinsam mit Siegfried Jacobsohn und nach dessen Tod mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky zu einem der aggressivsten und wirksamsten publizistischen Instrumente der Weimarer Republik machte. Nach dem Absturz Deutschlands in die Barbarei nahm er sich am 21. Dezember 1935 in seiner letzten Exilstation Hindås/Schweden das Leben. Er starb im Göteborger Sahlgrenska Sjukhuset. Sein Grab liegt auf dem Friedhof Mariefred-Gripsholm.
Mitwirkende
Produktion: SRF 1976