Mi 30.11. 2022 15:00Uhr 30:00 min

MDR KULTUR - Die Klassikerlesung | Zum 100. Todestag von Jaroslav Hasek am 03. Januar 2023: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk (Folge 3 von 24)

Staffel 1

Von Jaroslav Hasek

Komplette Sendung

Hörbuch-Cover "Der brave Soldat Schwejk" von Jaroslav Hašek 29 min
Bildrechte: MDR/Audiobuch
MDR KULTUR - Das Radio Mi, 30.11.2022 15:00 15:30
Der Königsweg der Schwejkschen Verweigerung heißt nicht etwa Widerstand, sondern: Sabotage durch Übererfüllung. Pflichteifrig und von - scheinbar - unbedingtem Gehorsam, schafft Schwejk es immer wieder, die immanente Unmenschlichkeit der Herrschafts- und Befehlsverhältnisse seiner Zeit aufzudecken - ohne dies eigentlich zu wollen. Er enttarnt ihre Lächerlichkeit und Menschenfeindlichkeit nicht durch Kritik, sondern indem er versucht, sie mit stoischer Gelassenheit als genauso richtig, wertvoll und nützlich anzuerkennen, wie sie es von sich glauben machen wollen. Auf diesem Weg findet Schwejk neue Freunde oder bringt lächerliche Autoritäten zur Weißglut. Dabei hilft ihm auch sein unerschöpfliches Repertoire an Anekdoten.

Jaroslav Hasek, 1883 in Prag geboren, lebte zumeist als freier Schriftsteller. Es heißt, er saß jeden Tag in der Kneipe, schrieb Satiren, die er bei Zeitungen ablieferte, um das Honorar gleich wieder zu vertrinken. Sein tiefes Verständnis für Denk- und Lebensweise der kleinen Leute hatte sich Hasek wohl im Selbststudium angeeignet, in den Kneipen, während eines Aufenthaltes im Irrenhaus und auch, als er einige Zeit quasi als Landstreicher durch Europa zog. Nach einem kurzen Zwischenspiel als bolschewistischer Kommissar kehrte er 1920 nach Prag zurück. Hier erschien 1921 einer der ersten Antikriegsromane überhaupt: "Der brave Soldat Schwejk". Er war als Fortsetzungsroman gedacht, aber zu Ende schreiben konnte Hasek den "Schwejk" nicht, er starb 1923 mit nur 39 Jahren an Tuberkulose, zusätzlich geschwächt durch langjährigen Alkoholkonsum.

Wolfram Berger, geboren 1945 in Graz, absolvierte seine Ausbildung zum Schauspieler an der Grazer Hochschule für Musik und darstellende Kunst und nahm danach ein Engagement am Schauspielhaus Graz an.
Nach Stationen an Theatern in Basel, Zürich, Stuttgart und Bochum wurde er freischaffender Künstler. Neben seiner Arbeit am Theater tritt Berger wiederholt in Kino- und Fernsehproduktionen auf. Der Schauspieler ist auch ein gefragter Sprecher und hat in zahlreichen Radio-, Hörspiel- und Hörbuchproduktionen mitgewirkt. 1997 wurde Wolfram Berger mit dem Salzburger Stier, 2001 mit dem ORF-Hörspielpreis und 2008 wie auch 2010 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.
Für die Lesezeit hat Wolfram Berger für MDR Kultur bereits den Roman "Ich habe den englischen König bedient" von Bohumil Hrabal (2004) eingelesen, außerdem "Abschiedswalzer" von Milan Kundera (2006) sowie Arnold Zweigs "Der Streit um den Sergeanten Grischa" (2014).
Mitwirkende
Regie: Wolfgang Rindfleisch
Bearbeitung: Heide Böwe
Produktion: MDR 2016
Darsteller
Mitwirkende:
Wolfram Berger