Fr 14.09. 2018 09:05Uhr 30:00 min

Cover: Theodor Fontane: Der Stechlin
Cover: Theodor Fontane: Der Stechlin Bildrechte: Aufbau Verlag
MDR KULTUR - Das Radio Fr, 14.09.2018 09:05 09:35

Lesezeit Der Stechlin (Folge 5 von 20)

Der Stechlin (Folge 5 von 20)

Von Theodor Fontane

Zum 120. Todestag Theodor Fontanes am 20. September

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Zu den wenigen Wünschen, die der verwitwete 66-jährige Junker Dubslav von Stechlin, Major außer Dienst, noch mit sich trägt, gehört die Vorstellung, seinen einzigen Sohn Woldemar mit einer passenden Frau verehelicht zu sehen. Eine der beiden in Berlin lebenden Töchter des ehemaligen Gesandten Graf von Barby, einem ebenfalls verwitweten alten Freund Dubslavs, kämen hierfür durchaus in Betracht. Während die ältere, bereits geschiedene, agile schillernde Melusine sich für Woldemor zu interessieren beginnt und gleichsam seinen Vater zu entzücken versteht, entscheidet sich der junge Gardeoffizier schließlich für ihre Schwester, die stille herbere Armgard von Barby. Als für eine fällige Nachwahl zum Reichstag für die Konservativen im Wahlkreis Rheinsberg-Wutz ein Kandidat gesucht wird, willigt Dubslav - von seinen Standesgenossen hierzu gedrängt - schließlich ein. Aber die Wahl endet mit dem Sieg des Kandidaten der Sozaldemokraten. Dubslav ist insgeheim erleichtert, verloren zu haben, und kehrt nach Stechlin an jenen See zurück, von dem es heißt, er reagiere auf Vulkanausbrüche oder Erdbeben von Island bis Java mit dem Aufsteigen eines Wasserstrahles. Fontane selbst beschrieb die Handlung seines am Ende seiner Lebens 1898 erschienenen Romans lakonisch: "Zum Schluß stirbt ein Alter und zwei Junge heiraten sich; - das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht." Für Thomas Mann war das Buch ein Meisterwerk symphonischer Dimension »Hohe, heiter und wehe, das Menschliche auf eine nie vernommene Art umspielende Lebensmusik. «

Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren und erlernte den Apothekerberuf. Anfänglich arbeitete er auch in Leipzig und Dresden, 1841 ab 1. April in der Leipziger Apotheke "Zum weißen Hirsch" in der Hainstrasse und ab Juli 1943 in der Salomonis-Apotheke in Dresden. 1849 gab er den Apothekerberuf auf, um sich als Journalist und freier Schriftsteller zu etablieren. Obgleich sein Werk und Wirken zumeist auf die Mark Brandenburg bezogen wird, führen einige seiner Romane und Erzählungen auch in den Harz - wie zum Beispiel "Cecile" oder "Ellernklipp" - und nach Tangermünde ("Grete Minde"). Neben der Tätigkeit als Kriegsberichterstatter, Reiseschriftsteller und Theaterkritiker schuf er seine berühmt gewordenen Romane und Erzählungen sowie die beiden Erinnerungsbücher "Meine Kinderjahre" und "Von Zwanzig bis Dreißig". Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.

Otto Mellies wurde 1931 in Stolp in Pommern geboren. Ein Großteil seiner Familie kommt kurz vor Kriegsende um. Er ist als 14-Jähriger gemeinsam mit seinem Bruder Eberhard, der später ebenfalls als Schauspieler arbeiten wird, auf sich allein gestellt. Mit 16 Jahren bewirbt er sich 1947 am Schweriner Theater. 1956 holt ihn der Intendant Wolfgang Langhoff ans Deutsche Theater in Berlin. Hier wird Otto Mellies zum Charakterdarsteller. Aus mehr als einem halben Jahrhundert eindrucksvoller Bühnenpräsenz ragt die Darstellung des Nathan hervor, den Friedo Solter 1987 inszeniert und der mehr als 325 Mal gespielt wurde. Seit Mitte der 50er Jahre steht Mellies auch vor der Kamera. In der Literaturverfilmung "Kabale und Liebe" (1959) von Martin Hellberg gibt er den jungen Ferdinand. Mit dem Fünfteiler "Dr. Schlüter" (1965) von Achim Hübner wird Otto Mellies über die Grenzen des Landes bekannt. Ab den 70er Jahren ist er vielfach in den Reihen "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort" zu sehen. Neben seiner umfangreichen Theaterarbeit synchronisiert Otto Mellies (u.a. Jean Marais, Paul Newman und Sean Connery) und arbeitet fürs Hörspiel. Bis heute ist Otto Mellies mit Leseabenden zu erleben. Für Kino agierte er u.a. in Andreas Dresens Film "Halt auf freier Strecke", für den er 2012 den Deutschen Filmpreis als Bester Nebendarsteller erhielt.

(Übernahme)
Produktion: Patmos-Audio 2006

Sprecher: Otto Mellies