Sa 06.10. 2018 09:05Uhr 30:00 min

Vermona

Ein Klangbild aus Klingenthal

Komplette Sendung

Instrumentenbauerin bei der Montage von Elektroorgeln vom Typ Vermona Formation 3 im VEB Klingenthaler Harmonikawerke Schöneck, aufgenommen im September 1985. 28 min
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MDR KULTUR - Das Radio Sa, 06.10.2018 09:05 09:35
Von Robert Schimke

Sie hießen "Manuela" und "Sandy" oder schlicht "ET 6-2": Die elektronischen Orgeln, Keyboards und Synthesizer, die unter der Marke Vermona im VEB Klingenthaler Harmonikawerke entstanden. 1959 begann im vogtländischen Musikwinkel die Serienproduktion elektronischer Tasteninstrumente. Das erste Produkt, eine Orgel namens "Ionika", gilt heute als nostalgische Rarität aus einer Zeit, in der Musikinstrumente wie Sputniks aussahen. Bald wurden die Klangkisten mit Stromanschluss containerweise in den Ostblock geliefert. Vermona - ein Exportschlager. Der Mangel an modernen elektronischen Bauteilen führte aber bald dazu, dass Vermonas synthetische Sounds nicht annähernd so trendy klangen wie die von Korg, Roland oder Yamaha. Und selbst die Puhdys und Karat bauten ihre Klangkulissen nicht mit Elektroorgeln von Vermona, und die Elektronikmusik-Freaks der Achtziger Jahre schon gar nicht. Aber in den randständigen Habitaten der Tüftler und Experimentatoren überlebt die Marke aus Klingenthal. Denn obwohl sich die volkseigenen Harmonikawerke längst mit all ihrer Akkordarbeit verflüchtigt haben, klingt der Name Vermona nach wie vor noch immer gut genug, um die Produkte einer kleinen vogtländischen Manufaktur zu zieren. Hier werden inzwischen wieder hochwertige elektronische Instrumente gebaut, die den Weg in die Berliner Wohnzimmer-Szene fanden. Und Rolf Weichert, anno 1959 der erste Produktionsleiter bei Vermona, bekommt bis heute alte Orgeln aus ganz Europa zugeschickt. In einer kleinen Ladenwerkstatt sitzt er unter einem Hasso-Veit-Poster im Kolophoniumdampf seines Lötkolbens und repariert die Retro-Klangmaschinen einer Epoche mit Nachhall.

Regie: Tobias Barth
Produktion: MDR 2009

Sprecher:
Ilka Teichmüller
Axel Thielmann

(28 Min.)