Do 24.01. 2019 09:05Uhr 30:00 min

Lesezeit Weimar 1919 - Auf dem Weg in die erste Republik (4/5)

Von Jörg Sobiella

Vor 100 Jahren: Wahlen zur Nationalversammlung und ihre Gründung in Weimar

Komplette Sendung

Jörg Sobiella: Weimar 1919. Der lange Weg zur Demokratie 30 min
Bildrechte: Mitteldeutscher Verlag
MDR KULTUR - Das Radio Do, 24.01.2019 09:05 09:35
Diesem Anfang wohnte kein Zauber inne. Die Gründung der ersten deutschen Demokratie vollzog sich nüchtern, glanzlos und schließlich für die Zeitgenossen enttäuschend. Ein verlorener Krieg, eine Revolution, die zum Bürgerkrieg entartete, ein hungerndes Volk - das war die Erbschaft der Monarchie, verbunden mit der brennenden Frage nach der Zukunft des Landes. Die Alternative lautete 1918/1919: Schaffung einer parlamentarischen Demokratie. Die Verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung, die ab dem 6. Februar 1919 in Weimar tagte, schuf dafür die Fundamente. Mit diesem Parlament wählten alle Deutschen - nun auch die Frauen - erstmals ein nach unserem heutigen Verständnis modernes Parlament, das drei große Aufgaben zu lösen hatte: den Frieden mit den Siegern schließen, eine Verfassung ausarbeiten und dem Volk "Arbeit und Brot" verschaffen. Die Demokraten von damals gaben ihr Bestes. Als die Nationalversammlung am 21. August 1919 nach Berlin zurückverlegt wurde, konnte ihr erster Präsident, der Sozialdemokrat Eduard David, voller Stolz verkünden: "Die deutsche Republik ist fortan die demokratischste Demokratie der Welt."

Die Lesezeit blickt in fünf detailreichen Nahaufnahmen auf diese Geburtsstunde der ersten deutschen Demokratie zurück. Wie kam die Demokratie nach Deutschland? Warum entschied man sich für das kleine Weimar als Tagungsort? Wie lernten die neuen Politikerinnen und Politiker - allesamt "kleine Leute" - das Handwerk des Regierens? Was gelang, was misslang ihnen bei Lösung der schier ungeheuren Probleme? War es bloß ein Zufall, dass zeitgleich das heute weltberühmte Bauhaus in Weimar gegründet wurde? Die Lesezeit basiert auf dem Buch von Jörg Sobiella, "Weimar 1919. Der lange Weg zur Demokratie", das Anfang März 2019 im Mitteldeutschen Verlag/Halle erscheint.

Jörg Sobiella, 1954 in Wernigerode im Harz geboren, studierte Journalistik, Geschichte und Literatur in Leipzig. Nach einer Tätigkeit in den Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar (der heutigen Klassikstiftung Weimar) und einigen Jahren als Texter, Dramaturg und kurzzeitiger Leiter des Kabaretts "Fettnäppchen" in Gera, arbeitet er seit 1992 als Redakteur und Reporter für MDR KULTUR in Thüringen. Jörg Sobiella lebt in Erfurt.
Mitwirkende
Regie: Matthias Thalheim
Produktion: MDR 2019