Mi 23.01. 2019 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR - Feature Er dachte, er lebe ewig - und er tut es

Der Schriftsteller und Radiomann Axel Eggebrecht im Porträt

Von Kathrin Aehnlich

Komplette Sendung

Axel Eggebrecht 59 min
Bildrechte: dpa
MDR KULTUR - Das Radio Mi, 23.01.2019 22:00 23:00
Zum 120. Geburtstag von Axel Eggebrecht am 10. Januar
(Wiederholung)

Axel Eggebrecht (1899-1991), Sohn eines Arztes, machte sein Abitur am Leipziger Thomasgymnasium, wurde zum Kriegsdienst an der Flandernfront einberufen und erlitt schwere Verwundungen. Nach Kriegsende studierte er Germanistik und Philosophie in Leipzig und Kiel, brach das Studium ab und begann in Bremen eine Buchhandelslehre. Im März 1920 schloss er sich mit einer Kieler Studentenkompanie den Putschisten Kapp und von Lüttwitz an.

Insbesondere die antisemitische Hetze der Rechtsradikalen ließ ihn eine innere Kehrtwende vollziehen. 1920 wurde er Mitglied der KPD, für die er u. a. als Filmjournalist tätig war. Im April 1923 kam er erstmals nach Moskau, lernte dort auch Bucharin und Trotzki kennen. 1925 trat er desillusioniert aus der Partei wieder aus, blieb jedoch der bürgerlich-radikalen Linken verbunden und wurde nach kurzer Tätigkeit in der Dramaturgie der Ufa Mitarbeiter der berühmten "Weltbühne" von Siegfried Jacobsohn, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky.

Sein Eintreten gegen die Nationalsozialisten brachte ihn für einige Monate ins Konzentrationslager Hainewalde. Bis 1935 hatte er Schreibverbot, danach konnte er sich als Autor von Filmdrehbüchern durchschlagen, so zum Beispiel für "Bel ami" (1939). 1945 holten ihn die Engländer zum Besatzungssender Radio Hamburg, wo er mit Peter von Zahn, Ernst Schnabel und anderen unbelasteten Intellektuellen den bald zum Mythos gewordenen Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) aufbaute.

Als Rundfunkmann der ersten Stunde und als Mitbegründer des öffentlich rechtlichen Rundfunks schlechthin geltend, verließ Axel Eggebrecht 1949 den von Intendant Grimme geleiteten Sender aus Protest gegen die zunehmende parteipolitische Einflussnahme, blieb dem Hamburger Funkhaus jedoch weiter als freier Mitarbeiter treu. Berühmt wurden seine Kommentare und Berichte zum Auschwitz-Prozess in Frankfurt/Main und die Rundfunksendungen zu Fragen der Zeit unter der Kennung "Axel Eggebrecht spricht".

Regie: Klaus Zippel
Interviewer: Stefanie Hirte
Produktion: MDR 2008

Sprecher:
Regina Lemnitz - Sprecherin
Ilka Teichmüller - Zitatorin
Axel Thielmann - Zitator
Ilja Richter - Zitator Eggebrecht

(58 Min.)