Mo 16.12. 2019 15:10Uhr 20:00 min

Charles Dickens: Ein Weihnachtslied in Prosa
Charles Dickens: Ein Weihnachtslied in Prosa Bildrechte: Der Audio Verlag
MDR KULTUR - Das Radio Mo, 16.12.2019 15:10 15:30

MDR KULTUR - Die Klassikerlesung Ein Weihnachtslied in Prosa (11/17)

Ein Weihnachtslied in Prosa (11/17)

Eine weihnachtliche Geistergeschichte

Von Charles Dickens

  • Stereo

"Christmal Carol. In Prose" (Weihnachtslied in Prosa) handelt von den nächtlichen Schreckensvisionen des geizigen Ebenezer Scrooge, der durch Habgier und Selbstsucht sein Leben versäumt und sogar an den Festtagen keine warme menschliche Regung zeigt.

Als Scrooge in der Nacht vor Weihnachten der Geist seines längst verstorbenen Geschäftspartners und einzigen Freundes Jacob Marley erscheint, kann er nicht glauben, was er sieht: Marley zieht schwere Ketten hinter sich her - behangen mit Geldkassetten, Portemonnaies und allerhand anderen Gegenständen aus dem Geschäftsleben. Der Geist warnt seinen alten Freund: Auch Scrooge werde nach seinem Tod solche Ketten tragen, Ketten, die er sich durch sein herzloses Handeln jeden Tag aufs Neue schmiede. Bevor Marley ihn verlässt, kündigt er noch drei weitere Geister an. Und wirklich: In der folgenden Nacht wird Ebernezer Scrooge kein Auge zumachen.

*Charles John Huffam Dickens wurde am 7. Februar 1812 in Landport bei Portsmouth, als zweites von acht Kindern eines Marinezahlmeisters geboren. Als Charles zehn Jahre alt war, zog die Familie in einen Londoner Vorort, zwei Jahre später erlebte der Junge, dass sein Vater wegen der unbeglichenen Summe von 40 Pfund ins Schuldgefängnis eingeliefert wurde. Charles musste - von der Familie getrennt - durch Arbeit in einer Schuhwichsfabrik selbst für seinen Unterhalt sorgen. Erst nach entbehrungsreichen Monaten, im Juni 1824, konnte er wieder eine Schule besuchen. Mit 15 Jahren begann er seinen beruflichen Lebensweg als Kanzleigehilfe; ein Jahr später, er hatte sich inzwischen Kurzschrift beigebracht, wurde er Anwaltsstenograph.

Es folgten ab 1828 sechs Jahre als Zeitungs- und Parlamentsreporter in London. Einen schriftstellerischen Durchbruch erreichte Charles Dickens 1836-37 mit seinen "Pickwick Papers"; in den folgenden Romanen wie "Oliver Twist" (1838), "Nicholas Nickleby" (1839) oder "David Copperfield" (1849/50) schuf er Figuren der Weltliteratur. Als er seine Erzählung "Das Weihnachtslied" schrieb, war er ein erfolgreicher Autor von 31 Jahren und hatte doch ganz nah die Erinnerung an seine Kindertage vor Augen, in denen er nächtelang allein die leeren Straßen der labyrinthischen Millionenstadt durchwanderte. Charles Dickens hatte zusammen mit seiner Frau Catherine Hogart zehn Kinder, er unternahm zwei große Amerika-Reisen und lebte zeitweise mit seiner Familie in Genua und in Lausanne. 1846 wurde Dickens Herausgeber der "Daily News", zog sich aus dem Zeitungsgeschäft jedoch bald zurück, versuchte sich später auch als Schauspieler auf der Bühne. Im Mai 1858 trennte er sich von seiner Frau. Er starb am 9. Juni 1870 in Gad's Hill/Rochester an einem Schlaganfall im Alter von 58 Jahren. Sein Grab befindet sich in der Westminster Abbey in London.

*Stefan Wigger, am 26. März 1932 in Leipzig geboren, Schauspielschule in Hannover. Nach Anfängen in Lüneburg, Kiel, Baden-Baden war er bis 1978 am Schillertheater in Berlin engagiert. Er arbeitete mit Regisseuren wie Boleslaw Barlog, Fritz Kortner, Hans Lietzau, George Tabori. Von der Rolle des Wladimir in "Warten auf Godot" (Regie: Samuel Becket) über den Philipp in Schillers "Carlos" bis zu Salieri in Shaffers "Amadeus" spielte er bedeutende Rollen aus der Theaterliteratur - darunter u.a. die Ein-Personen-Stücke "Der Kontrabaß" von Patrick Süßkind und "Unser Dorf soll schöner werden" von Klaus Chatten. Außerdem war Stefan Wigger in vielen Fernsehrollen unter der Regie von Axel Corti, Franz Peter Wirth, Karl Fruchtmann u.a. zu sehen und hat sich ein großes Repertoire an Lesungen von Texten verschiedenster Autoren erarbeitet (u.a. mit dem Jazzmusiker "Baby" Sommer). MDR KULTUR produzierte mit Stefan Wigger 1998 eine Lesung von Karl Mays "Winnetou", Band 1. Stefan Wigger starb am 13. Februar 2013 in München.
Mitwirkende
Regie: Günter Siebert
Produktion: Radio Bremen 1978
Darsteller
Sprecher: Stefan Wigger