Di 25.02. 2020 22:00Uhr 60:00 min

Gespräche über die Dresdener Galerie

Von Louis Aragon und Jean Cocteau

Komplette Sendung

Louis Aragon, Jean Cocteau: Gespräche über die Dresdener Galerie 103 min
Bildrechte: Belser Verlag
MDR KULTUR - Das Radio Di, 25.02.2020 22:00 23:00
Zur Eröffnung der rekonstruierten Dresdener Galerie Alter Meister am 29. Februar

Mit einer Einführung von Hans Mayer

Am Anfang ein kaum glaubhaftes Gerücht - Die beiden französischen Schriftsteller Aragon und Cocteau, die politisch wie ästhetisch als völlig verfeindet gelten, hätten sich 1956 zu Gesprächen über verschiedenste Gemälde der Dresdner Galerie getroffen. Diese waren damals in vieler Munde, weil sie, nachdem sie die Sowjets im Mai 1945 aus dem zerstörten Dresden nach Moskau und Kiew verbracht hatten, im August 1955 der DDR-Regierung übergeben wurden. Seit der kriegsbedingten Schließung der Dresdener Galerien 1939 und der Einbunkerung des Bestands waren diese Kunstwerke von Weltgeltung nach über 15 Jahren erstmals - zunächst in Moskau, danach in Ost-Berlin und später auch wieder in Dresden - der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Welche Bedeutung diese Dresdner Sammlung hat, belegt der Umstand, dass die beiden namhaften Künstler, Aragon und Cocteau, über ihre erheblichen Differenzen hinweg in Aragons Pariser Wohnung zu mehreren Gesprächsrunden zusammen kamen und anhand von Kunstpostkarten, Diapositiven und Schwarz-Weiß-Reproduktionen ausgewählte Gemälde der Deutschen, Flämischen und niederländischen bis hin zur Italienischen, Französischen Schule mit ihren Beschreibungen und essayistischen Betrachtungen würdigten. Von Cranach, Dürer, Holbein, über van Dyck, Vermeer, Rembrandt bis zu Giorgione, Tizian, Watteau oder Monet. Beide Literaten - Aragon und Cocteau - waren große Kunstkenner und hatten Malerfreunde - Matisse der eine und Modigliani der andere. Und trotz aller gegenseitigen Aversionen hatten beide Dichter einen gemeinsamen Freund - Pablo Picasso. Er ist der heimliche Adressat ihrer Gespräche zu den Dresdner Bildern. Ohrenzeuge war Aragons Magnetophon, dessen Tonaufzeichnungen ein lebendiges Schriftprotokoll dieser Dialoge ermöglichte. Nach dem diese 1957 in Paris veröffentlicht wurden, sind sie mit einer Einführung von Hans Mayer versehen, 1981 in Stuttgart und Leipzig als Kunstbildband herausgebracht worden. Ein inzwischen in Vergessenheit geratenes Buch, in dem zwei französische Geistesgrößen jene Gemälde präsentieren, die nun mit der Wiedereröffnung der aufwändig rekonstruierten Galerie Alter Meister ab März 2020 in Dresden wieder im Original bewundert werden können.

Louis Aragon (1897-1982), französischer Dichter und Kommunist, der zusammen mit A. Breton und Ph. Soupault den Surrealismus begründete. Sein bekanntester Roman ist "Die Karwoche" (1958). Jean Cocteau (1889-1963), französischer Schriftsteller, Regisseur und Maler, einer seiner wichtigsten Filme wurde "Orphée" (1949) nach seinem gleichnamigen Drama. Hans Mayer (1907-2001), deutscher Literaturwissenschaftler und Kunstkritiker, 1948-1963 Professur an der Karl-Marx-Universität Leipzig, danach Übersiedlung nach Tübingen.

MDR 2020 / Erstsendung
Mitwirkende
Redaktion: Katrin Wenzel
Radiofassung und Regie: Matthias Thalheim