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MDR KULTUR - Das Radio Di, 30.06.2020 15:00 15:30

MDR KULTUR - Die Klassikerlesung Die Revolution in Scheppenstadt (Folge 21 von 21)

Die Revolution in Scheppenstadt (Folge 21 von 21)

Von Johann Gottlieb Schummel

  • Stereo
(Übernahme)

Eine deutsche Revolution im Jahre 1793? Wo sollte die sich zugetragen haben? Nun, in Scheppenstadt, einer fiktiven deutschen Provinzstadt. Dort proben die Narren den Aufstand. Sie rufen der Freiheit und Gleichheit ein brausendes ,Vivat', bringen dann aber nichts weiter zustande als Anarchie und ,Schelmentoleranz'. An der Spitze der Bewegung steht der betuchte Gastwirt Springer, der ausruft: "Juchhey! Nun ist es Zeit das Eisen zu schmieden, weils warm ist! Ein Hundsfott, der mir nicht nachruft: ,Es lebe die Freyheit, es lebe die Gleichheit!'" So wird die erste revolutionäre Handlung des Gastwirts sein, den alten Bürgermeister Lemmchen nicht zu grüßen, was bisher in Scheppenstadt jedermann getan hätte... Johann Gottlieb Schummels "Die Revolution in Scheppenstadt" ist eine Satire auf die deutschen Bewunderer der französischen Revolution(1789-1799) und folgt damit dem Geist von Goethes "Bürgergeneral", wobei Schummels Biograph Wolfgang Menzel dem Buch unendlich viel mehr Witz bescheinigt als Goethe. In Schummels Darstellung stellt als Philisterei des Jahrhunderts bloß, dass die allerschütternden Ereignisse in Frankreich den deutschen Schlafmützen noch Gelegenheit zu gemütlichen Späßen gaben, jedoch nur so lange, bis sie der Donner der Kanonen von Jena in solche Angst versetzte, dass ihnen Hören und Sehen verging.

Johann Gottlieb Schummel wurde am 8. Mai 1748 in Seitendorf bei Hirschberg als Sohn eines Schullehrers geboren. Im Alter von etwa 11 Jahren kam er auf das Gymnasium zu Hirschberg. Schon frühzeitig musste er sich als Mitglied des Singechors, der in der Kirche und vor den Häusern seinen Dienst hatte, seinen Lebensunterhalt erwerben. So reifte in dem Fünfzehnjährigen, als sich zufällig eine Schauspielertruppe in Hirschberg aufhielt, der Entschluss jener Truppe beizutreten. Schon nach wenigen Tagen aber, als er soeben zum ersten Male in Landshut öffentlich aufgetreten war, holte ihn der erzürnte Vater zurück. Um das Jahr 1767 begann Schummel seine Studien auf der Universität Halle/ Saale. Als er seine Universitätsstudien beendet hatte, begann er 1771 als Hauslehrer bei einem Oberamtmann in Aken seine schriftstellerische Tätigkeit. Als er 1772 Lehrämter an der Klosterschule zu Unserer Lieben Frauen in Magdeburg übernahm, entfaltete er vielseitige literarische Aktivitäten. 1779 wurde Schummel als Professor der Geschichte an die Ritterakademie nach Liegnitz und 1788 als Prorektor an das Gymnasium zu St. Elisabeth in Breslau berufen, an dem er 25 Jahre lang in hohem Ansehen und mit bestem Erfolge wirkte. Er starb am 23. Dezember 1813 in Breslau. Schummels satirischer Roman "Spitzbart" (1779) wurde vom Fernsehen der DDR 1989 unter dem Titel "Schulmeister Spitzbart" von Wolfgang Hübner mit Dietrich Körner, Otto Mellies u.a. verfilmt. Schummels Werk "Die Revolution in Scheppenstadt. Eine Volksschrift." erschien 1794 in Breslau.
Mitwirkende
Regie: Horst H. Vollmer
Produktion: hr 1989
Darsteller
Sprecher: Helmut Wöstmann