Mo 25.01. 2021 19:00Uhr 35:00 min

Imre Kertész, 2003
Imre Kertész, 2003 Bildrechte: dpa
MDR KULTUR - Das Radio Mo, 25.01.2021 19:00 19:35

MDR KULTUR - Lesezeit Detektivgeschichte (4/6)

Detektivgeschichte (4/6)

Von Imre Kertész

  • Stereo
Nach dem Sturz einer obskuren lateinamerikanischen Diktatur werden die Schergen vor Gericht gestellt. Einer von ihnen, Antonio Martens, legt sich selbst Rechenschaft ab und vertraut das Manuskript seinem Pflichtverteidiger an: Es geht um die Akte Salinas, um den tragischen Fall eines Vaters und eines Sohnes, die vom Apparat zermalmt wurden. Die Erzählung entstand 1976 innerhalb von zwei Wochen, da der Autor das sozialistische Plansoll erfüllen musste, damit eine andere - zu kurz geratene - Geschichte publiziert werden konnte. Was Kertész dann schrieb, ist keine klassische Detektivgeschichte, vielmehr eine Parabel auf einen Diktaturstaat, angesiedelt in einem imaginären lateinamerikanischen Land. "Imre Kertész erzählt atemberaubend von einem Alptraum." (Der Spiegel)

Imre Kertész, geboren 1929 in Budapest, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Sein autobiografischer "Roman eines Schicksallosen", den er Anfang der 1970er Jahre abgeschlossen hatte, wurde zunächst von den Verlagen abgelehnt und nach seiner Veröffentlichung 1975 noch jahrelang ignoriert. Erst nachdem sich die politische Situation in Ungarn geändert hatte, brachte die Neuausgabe dem Autor die lange versagte Anerkennung und schließlich sogar den Nobelpreis für Literatur 2002. Kertész starb 2016 in Budapest.
Mitwirkende
Regie: Ralf Ebel
Produktion: RBB 2005
Darsteller
Sprecher: Ulrich Noethen