Mi 24.02. 2021 09:00Uhr 35:00 min

MDR KULTUR - Lesezeit Der Liebhaber (Folge 6 von 8)

Von Marguerite Duras

Komplette Sendung

Tony Leung Ka Fai und Jane March in Der Liebhaber 25 min
Bildrechte: imago images/Mary Evans
MDR KULTUR - Das Radio Mi, 24.02.2021 09:00 09:35
Die Geschichte spielt in der französischen Kolonie Indochina, dem heutigen Vietnam, zu Beginn der 1930er Jahre. Duras erzählt von der Beziehung eines französischen Mädchens - das in Südostasien aufgewachsen ist - mit einem zwölf Jahre älteren Mann und spannt dabei den erzählerischen Bogen von der ersten Begegnung der beiden auf einer Mekong-Fähre bis zur Abreise der Familie nach Europa anderthalb Jahre später. Eingefügt werden Zeitsprünge in das Paris des Zweiten Weltkriegs.

Die Beziehung zu diesem reichen und von seinem Vater abhängigen Chinesen ist der Rahmen der Erzählung. Daneben spielen die Familienmitglieder und Freundinnen eine bedeutende Rolle - so die von der Tochter als wahnsinnig bezeichnete Mutter, die die Beziehung ihrer Tochter zu dem Chinesen nicht zur Kenntnis zu nehmen scheint, sowie der ältere Bruder. Dieser, zur Bosheit neigende und von der Mutter vergötterte Junge, wird als Erwachsener versagen, während der jüngere Bruder von der Mutter nicht beschützt wird und bereits in jungen Jahren stirbt.

Die Autorin nannte ihre Erzählung "das leichteste Buch, das ich jemals geschrieben habe". Es wurde auch ihr erfolgreichstes Buch und 1992 von Jean-Jacques Annaud verfilmt - wovon Duras sich allerdings entschieden distanzierte, da der Film lediglich die erotische Klammer übernahm und damit durch den Titel geweckten Erwartungen entsprach.


* Marguerite Duras
Marguerite Duras, 1914 in der ehemaligen französischen Kolonie Gia Dinh, dem heutigen Vietnam, als Marguerite Donnadieu geboren, starb am 3. März 1996 in Paris. Sie besuchte das Lycée Français in Saigon und machte 1931 Abitur. Ein Jahr später siedelte die Familie nach Paris um, wo sie an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Paris und an der École des Sciences Politiques studierte. Von 1935 bis 1941 arbeitete sie als Sekretärin im Ministère des Colonies und heiratete 1939 Robert Antelme. Beide waren ab 1940 in der Résistance aktiv. Antelme wurde später in die Konzentrationslager Buchenwald und Dachau deportiert.

1943 erschien Duras' Debütroman "Les Impudents" ("Die Schamlosen"), der jedoch kaum Beachtung fand. Mit "Un Barrage contre le Pacifique" ("Heiße Küste"), das 1950 erschien, hatte Duras größeren Erfolg. Internationale Bekanntheit erlangte sie schließlich 1959 mit dem Drehbuch zu dem Film "Hiroshima, mon amour", das zum ersten Mal die noch bis in die 1990er Jahre als Tabu behandelte Demütigung und Ächtung französischer Frauen thematisierte, denen eine "horizontale Kollaboration" vorgeworfen wurde, in erster Linie Liebesbeziehungen mit deutschen Besatzungssoldaten.

Ihre Romane waren immer wieder autobiographisch geprägt, so auch "L'amant" (1984, "Der Liebhaber"), für den sie 1984 den Prix Goncourt erhielt, oder "L'amant de la Chine du Nord" (1991, "Der Liebhaber aus Nordchina"). In beiden Werken beschrieb sie ihre turbulente Kindheit und ihre frühen Liebeserfahrungen im Indochina der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

(25 Min.)
Mitwirkende
Regie: Ralf Ebel
Produktion: RBB 2006
Darsteller
Sprecherin: Nina Hoss