Mi 28.04. 2021 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR - Feature Volkshäuser - Früher Stolz der Arbeiterschaft, heute Immobilie?

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von Hartmut Schade

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Volkshaus, Carl-Zeiss-Platz, Jena, Thüringen, Deutschland 52 min
Bildrechte: imago images / Schöning
MDR KULTUR - Das Radio Mi, 28.04.2021 22:00 23:00
Von Hartmut Schade
(Ursendung)

Volkshäuser sollten "das schönste Haus der Stadt sein...schöner als die Kirche der Vergangenheit". Das fordert der Dessauer SPD-Vordenker Heinrich Peus im Jahre 1913. Von Anfang an sind sie mehr als schlichte Gast- oder Vereinshäuser, nämlich "eine Stätte belebender, bildender und einigender Bestrebungen, eine Stätte zur Hebung der geistigen und materiellen Lage der Arbeiter". So entstand im kaiserlichen Deutschland eine ganze Reihe von Bildungstempeln, die den Anspruch auf Teilhabe am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben der Arbeiterbewegung erhoben. Während der Weimarer Republik wurden die Volkshäuser dann zu Orten der politischen Agitation und hitziger Auseinandersetzungen. So etwa im halleschen "Volkspark", wo bei einer Wahlkundgebung am 13. März 1925 der "Kleine Trompeter" Fritz Weineck zusammen mit neun weiteren Personen von der Schutzpolizei erschossen wurde.

Nach 1933 besetzen die Nazis die Volkshäuser und machten aus ihnen Orte der politischen Gleichschaltung. Zu DDR - Zeiten übernahmen dann vielfach die volkseigenen Kombinate die Gebäude und nutzen sie als "Kulturhäuser" oder sie wurden - wie in Leipzig - zu Verwaltungsgebäuden umfunktioniert. Doch was wurde nach 1990 aus den einstigen Volkshäusern? Hatten sie - wie in Leipzig -nur noch eine Zukunft als Büro- und Mehrzweckhaus? Oder sollte wie in Jena an diesen Orten weiterhin "Kultur" stattfinden? In Halle drohte gar jahrelang der Verfall. Konnte der nun verhindert werden? MDR Kultur Autor Hartmut Schade hat in Leipzig, Halle und Jena bei engagierten Bürgern und Politikern nachgefragt.

Produktion: MDR 2021

(59 Min.)