Klassikerlesung | 01. – 26.02.2021 Hermann von Pückler-Muskau: "Briefe eines Verstorbenen" und andere Prosa

Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) war eine der schillerndsten Persönlichkeiten im 19. Jahrhundert: Weltreisender, Lebemann, Landschaftsarchitekt und ein viel gelesener Autor seiner Zeit. Er veröffentlichte Erzählungen, Briefe, Reiseberichte und Abhandlungen zum Gartenbau. Mit den "Briefen eines Verstorbenen" wurde er bekannt. Aus Anlass seines 150. Todestages widmen wir uns Fürst Pückler in dieser Klassikerlesung.

Hermann von Pückler-Muskau
Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hermann von Pückler-Muskau war schon zu Lebzeiten eine Legende. Der 1785 auf Schloss Muskau geborene Adlige führte ein abenteuerliches Leben. Seine Eskapaden als junger Offizier brachten ihm den Beinamen "der tolle Pückler" ein. Er reiste zu Fuß nach Rom und Paris, durchquerte den Orient und Afrika, war ein erfolgreicher Reiseautor und schuf als Gartenkünstler einzigartige Parklandschaften.

Briefe eines Verstorbenen

Nach dem Tod seines Vaters erbte Pückler die Standesherrschaft Muskau. Inspiriert durch eine Reise nach England begann er dort 1815 mit dem Anlegen eines Parks. Seine Gattin, Lucie Reichsgräfin von Hardenberg (1776-1854), teilte seine Gartenleidenschaft und unterstützte ihn finanziell. Doch Pücklers "Parkomanie", wie er sie selbst nannte, verschlang Unsummen.

ein aktuelles Foto vom Schloss (Hinterseite)
Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau mit Blick auf das Neue Schloss Bildrechte: MDR/Viola Simank

Auf Anraten der Fürstin ließ er sich 1826 formell scheiden und begab sich auf eine dreijährige "Brautschau" nach England. Die britische Presse berichtete spöttisch über den preußischen Mitgiftjäger "Prince Pickle und Mustard".

Eine reiche Erbin wurde nicht gefunden, dafür berichtete der Fürst in langen Briefen von seiner Englandreise. Die zunächst anonym herausgegebenen "Briefe eines Verstorbenen" begründeten seinen Ruhm als Schriftsteller. Sie wurden in kurzer Zeit in Deutschland, England und Frankreich zu Bestsellern. Das Bürgertum in der Reaktionszeit vor 1848 erhielt durch die Veröffentlichung Einblick in die abgeschirmten Milieus des Adels. Die Erstausgabe aus dem Jahre 1830 lobte Goethe überschwänglich als ein "für Deutschlands Literatur bedeutendes Werk".

Andeutungen über Landschaftsgärtnerei

Der finanzielle Erfolg als Reiseschriftsteller ermöglichte es Pückler, die Gestaltung des Muskauer Parks fortzusetzen. 1834 veröffentlichte er seine "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei". Das reich illustrierte Werk wurde eines der erfolgreichsten Lehrbücher zur Landschafts- und Gartenarchitektur im 19. Jahrhunderts.

Das Gemälde «Muskau, Blumengärten im Pleasureground (Ausschnitt)» aus: «Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei 1834»
Gemälde aus: "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei" Bildrechte: dpa/Fürst-Pückler-Park Bad Muskau

Pückler beschrieb darin die Planung und Anlage des Muskauer Parks sowie seine Intentionen der Landschaftsgestaltung. Er bediente sich Mitteln der Malerei und entwickelte die Idee des Parks als "begehbarer Bildergalerie". Für die Umsetzung seiner Gartenvision ließ der Fürst Sümpfe trockenlegen, Flüsse umleiten und Berge versetzen. Und doch sollte alles ganz natürlich erscheinen:

Der höchste Grad der landschaftlichen Gartenkunst ist nur da erreicht, wo sie wieder freie Natur, jedoch in ihrer edelsten Form, zu sein scheint.

Hermann von Pückler-Muskau Andeutungen über Landschaftsgärtnerei

Aus dem Briefwechsel mit Bettina von Arnim

Hermann Fürst Pückler-Muskau und Bettina von Arnim (1785-1859) lernten sich um die Jahreswende 1831/32 im Berliner Salon Rahel Varnhagens näher kennen. Bettina beendete gerade ihr Trauerjahr nach dem Tode ihres Mannes Achim von Arnim, Pückler hatte mit den Briefen seiner Englandreise einen Bestseller veröffentlicht. Beide verkehrten mit den Größen ihrer Zeit und waren Teil einer Gesellschaft, die sowohl das politische als auch das kulturelle Leben prägte. Sie waren fasziniert voneinander und begannen eine intensive Korrespondenz.

Läßt Du Dich nun herab, Bettina! Aus diesem Tintenfaß zu schreiben, so werden, gewissermaßen Dir zum Trotz, dennoch Geist und Erhabenheit aus des armen Fuhrmanns Schädel fließen. Dein treuer Vogel Strauß.

Hermann von Pückler-Muskau Brief an Bettina von Arnim, 23. Januar 1832
Bettina von Arnim, geborene Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, historischer Stich, ca. 1869
Bettina von Arnim Bildrechte: imago images/imagebroker

Häufiges Thema ihrer Briefe war Goethe, der 1832 starb. Pückler ermuntert Bettina, ihre Erinnerungen an das seit ihrer Jugend verehrte Idol zu veröffentlichen. 1835 erschien ihr berühmtes Buch "Briefwechsel mit einem Kinde", das sie Pückler widmete. Ihre Freundschaft war zu diesem Zeitpunkt bereits abgekühlt, nachdem ein unangekündigter Besuch Bettinas in Muskau zum Streit geführt hatte. Die Korrespondenz wurde, wenn auch in sachlicherem Ton, noch bis 1844 fortgesetzt.

Hermann von Pückler-Muskau

Hermann von Pückler-Muskau, am 30. Oktober 1785 auf Schloss Muskau geboren, besuchte die Internatsschule der Herrnhuter Gemeine in Uhyst und das Pädagogium in Halle. Er begann ein Jurastudium in Leipzig, wechselte 1802 aber nach Dresden, um eine militärische Karriere als Leutnant zu starten und wurde später Rittmeister beim Dresdner Gardekorps.

1811 nach dem Tod des Vaters erbte er die Titel Reichsgraf von Pückler, Standesherr zu Muskau, Baron von Groditz und Erbherr zu Branitz. 1814 reiste er nach England. Der Besuch des Villenparks zu Stourhead in Wiltshire wurde für ihn zum Schlüsselerlebnis für seine eigene Parkgestaltung.

Fürst Pückler Park bei Bad Muskau
Schloss Branitz, Alterssitz des Fürsten Pückler-Muskau Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Ab 1834 unternahm Pückler eine mehrjährige Reise mit Stationen in Griechenland, Ägypten, dem Sudan, Syrien, der Türkei und Jerusalem. Er veröffentlichte darüber zahlreiche Reiseberichte, die jedoch nicht die Popularität seiner "Briefe eines Verstorbenen" erreichten.

1845 verkaufte Pückler die Standesherrschaft Muskau, da er sich mit der Anlage des Parks finanziell übernommen hatte, und zog auf das Erbschloss Branitz bei Cottbus. Hier begann er erneut mit der Anlage eines Landschaftsgartens, der sein "Meisterstück" wurde. Am 4. Februar 1871 starb Fürst Pückler, seine sterblichen Überreste wurden in der Branitzer Seepyramide beigesetzt.

Angaben zur Sendung

MDR KULTUR-Klassikerlesung
Zum 150. Todestag von Hermann von Pückler-Muskau am 4. Februar
"Briefe eines Verstorbenen" und andere Prosa
Von Hermann Fürst von Pückler-Muskau

Folgen 1 – 15 | 01. – 19.02.2021
Briefe eines Verstorbenen (15 Folgen)
Gelesen von Rudolf Jürgen Bartsch | Produktion: WDR 1987

Folgen 16 – 17 | 22. – 23.02.2021
Andeutungen über Landschaftsgärtnerei
Gelesen von Lothar Blumhagen | Produktion: rbb 2003

Folgen 18 – 19 | 24. – 25.02.2021
Aus dem Briefwechsel Fürst Pückler-Muskau und Bettina von Arnim
Gelesen von Horst Raspe und Erika Nauen | Produktion: BR 2002

Folge 20 | 26.02.2021
Sächsische und Wiener Belustigungen
Gelesen von Peter Heusch | Produktion: HR 2009

Sendung: 01. – 26.02.2021 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

Folge 20 dieser Klassikerlesung steht hier ab dem 26.02.2021 30 Tage zum Hören bereit. Alle anderen Folgen können wir Ihnen aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht im Internet zum Hören anbieten.

Buchtipp Hermann Fürst von Pückler-Muskau: Andeutungen über Landschaftsgärtnerei

Hermann Fürst von Pückler-Muskau: Andeutungen über Landschaftsgärtnerei

Herausgegeben von Günter J. Vaupel
Taschenbuch, 372 Seiten
Insel Verlag 1988
ISBN: 978-3458327240
14,00 Euro

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