Klassikerlesung | 01.07. - 16.07.2021 Edgar Wallace: "Der Gedankenleser" und andere Kriminalerzählungen

Der Brite Edgar Wallace gehört zu den erfolgreichsten Autoren des Krimi-Genres. In Deutschland wurde er durch die zahlreichen Verfilmungen seiner Romane in den 60er-Jahren mit Schauspielern wie Gert Fröbe, Klaus Kinski und Joachim Fuchsberger bekannt. Spannend-humorvolle Unterhaltung verspricht diese Klassikerlesung mit sechs Kriminalgeschichten von Edgar Wallace. Es lesen Paul Hoffmann, Heinz Schimmelpfenig, Helmut Zierl und andere.

Der britische Schriftsteller Richard Horatio Edgar Wallace, 1875-1932
Der "King of Thrillers" Edgar Wallace (1875-1932) Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Edgar Wallace (1875-1932) schrieb Krimis im Akkord. Für eine Erzählung brauchte er manchmal nur wenige Tage. Insgesamt 173 Romane, 17 Theaterstücke und unzählige Kurzgeschichten verfasste er in den 28 Jahren seiner Autorentätigkeit. Dem Werbeslogan seines Verlags "Es ist unmöglich, nicht von Edgar Wallace gefesselt zu sein" würden zahlreiche Krimifans auch heute zustimmen.

JOACHIM FUCHSBERGER (Dick Alford) und KLAUS KINSKI (Thomas)
Joachim Fuchsberger (Dick Alford) und Klaus Kinski (Thomas Fortuna) in "Der Schwarze Abt" (1963) Bildrechte: IMAGO / United Archives

Der Brite zählt zu den weltweit meistverfilmten Schriftstellern. Seit den 1920er-Jahren wurden viele seiner Romane in den USA und in Großbritannien für die Leinwand adaptiert. Nach dem Überraschunsgerfolg von "Der Frosch mit der Maske" (1959) entstanden in Deutschland in den 60er- und 70er-Jahren insgesamt 38 Edgar-Wallace-Filme – mit Schauspielern wie Hans-Joachim Fuchsberger und Heinz Drache als Ermittler und Klaus Kinski oder Christopher Lee als Schurken. Der Satz "Hallo, hier spricht Edgar Wallace!" im Vorspann der Krimireihe ist legendär.

Edgar Wallace in der Klassikerlesung

Die Erzählungen dieser Klassikerlesung reichen vom klassischen "Who-done-it" über Krimikömödien bis zur Liebesgeschichte. Skrupellose Verbrecher, hübsche Diebinnnen und raffinierte Betrüger treffen auf gewiefte, wortkarge Ermittler. In Der Club der Vier soll Detektiv Robert Brewer reiche Kunden einer Versicherungsgesellschaft vor Diebstählen und Betrugsdelikten bewahren. In Monaco heftete er sich an die Fersen des berüchtigten Verbrechers Reddy Smith.

In Die Gedankenleser nimmt es der Londoner Chefinspektor Rater mit einem cleveren amerikanischen Gangster auf. Len Witlon behauptet zwar, keine Polizei der Welt könne "einen wirklich intelligenten Verbrecher mit Erfolg bekämpfen", doch Rater ist zuversichtlich.

In der Kriminalgeschichte Im Banne des Sirius wird Chefinspektor Rater von seiner ehemalige Sekretärin Miss Linstead um Hilfe gebeten. Betty fürchtet sich vor der Reaktion ihres Onkels Julian, wenn dieser erfährt, dass sie gegen seinen Wunsch heimlich geheiratet hat. Rater glaubt zunächst nicht, dass von Julian Linstead eine Gefahr ausgeht, doch dann wird Betty entführt.

Eine Mischung aus Liebesgeschichte und Krimi ist Der Herr im dunkelblauen Anzug. Den titelgebenden Herrn trifft die junge Lucia Bradfield zufällig im Hydepark. Und hat nach dieser Begegnung kein Interesse mehr an den betrügerischen Plänen ihres Onkels, einem Falschspieler. Kann sie diesem Sumpf entkommen?

Die Doppelgängerin handelt von Mr. Lester Cheyne, einem erfolgreichen Anwalt, der eines Abends auf dem Heimweg im Schneetreiben mit einer jungen Frau im braunen Mantel zusammenstößt und sie spontan zu sich nach Hause zum Abendessen einlädt. Es scheint ein merkwürdiger Zufall zu sein, dass sie Lady Alice Farray, der Beklagten in einem seiner Fälle, verblüffend ähnlich sieht.

Edgar Wallace - Kultautor und Lebemann

Richard Horatio Edgar Wallace wurde am 1. April 1875 in Greenwich bei London als nichtehelicher Sohn eines Schauspielerpaares geboren und von einem Londoner Fischhändler adoptiert. Als 18-Jähriger ging er zur Armee und begann seine schriftstellerische Tätigkeit während seiner Dienstzeit in Südafrika. 1899 kaufte er sich aus dem Armeedienst frei und arbeitetet als Kriegsberichterstatter. Zurück in London setzte er seine Karriere als Journalist fort.

1905 erschien im Eigenverlag sein erster Kriminalroman "Die vier Gerechten", der ein großer Erfolg wurde, aber beinahe zu seinem finanziellen Ruin geführt hätte. Wallace hatte ein Preisgeld von 500 Pfund für das Lösen des Falls ausgesetzt, was ziemlich vielen Lesern gelang. Das Eingreifen des Verlegers der Daily Mail verhinderte seine Pleite. Weil Wallace dem Blatt auf Grund von Fehlern in seinen Artikel einige Verleumdungsklagen einbrachte, wurde er 1907 entlassen.

Ohne Aussicht auf Anstellung versuchte Wallace seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu verdienen. Sein 1911 erschienener Afrika-Roman "Sanders of the River" brachte schließlich den ersehnten Erfolg. Es folgten eine Serie von Afrika-Romanen, sowie weitere Kriminalgeschichten.

EDGAR WALLACE - DAS GASTHAUS AN DER THEMSE / BRD 1962 / Alfred Vohrer In London treibt ein mysteriöser Diamantenräuber, genannt der Hai sein Unwesen. Eine viel versprechende Spur führt Inspektor Wade vom Scotland Yard direkt in die dunkle Hafenspelunke Mekka , einem Eldorado für Schmuggler.
Szene aus "Das Gasthaus an der Themse" (1962) mit Joachim Fuchsbeger, Elisabeth Flickenschildt, Eddi Arent u.a. Bildrechte: imago images / United Archives

Ab 1921 erschienen Wallace' Bücher im Verlag Hodder and Stoughton, der ihn als "King of Thrillers" vermarktete. Der Bestseller-Autor produzierte Krimis am laufenden Band, auch um seinen ausschweifenden Lebenswandel zu finanzieren. Sein Markenzeichen war ein auffälliger gelber Rolls Royce, er besaß einen eigenen Rennstall und gab Unsummen beim Glückspiel aus.

1932 wurde Wallace von den RKO Studios in Hollywood als Drehbuchautor engagiert und siedelte in die Vereinigten Staaten über. Dort starb er am 10. Februar 1932 während der Arbeit am Drehbuch zum Filmklassiker "King Kong und die weiße Frau" an den Folgen einer Lungenentzündung. Sein Leichnam wurde nach London überführt und in Little Marlowe in der Nähe seines Heimatortes Bourne End begesetzt.

Angaben zur Sendung

MDR KULTUR Klassikerlesung
Edgar Wallace: "Der Gedankenleser" und andere Kriminalerzählungen

01.07. - 02.07.2021
Der Club der Vier
Es liest: Günther Dockerill | NDR 1982 

05.07. - 06.07.2021
Der Gedankenleser
Es liest: Paul Hoffmann | SDR 1960

07.07. - 08.07.2021
Im Banne des Sirius
Es liest: Heinz Schimmelpfenig | SDR 1960

09.07. - 12.07.2021
Der Herr im dunkelblauen Anzug
Es liest: Helge Heynold | HR 2009

13.07. - 14.07.2021
Der falsche Rettungsring
Es liest: Helmut Zierl | HR 2008

15.07. - 16.07.2021
Die Doppelgängerin
Es liest: Peter Heusch | HR 2004

Sendung: 01.07. - 16.07.2021 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

Die Lesung "Der Herr im dunkelblauen Anzug" steht hier nach der Ausstrahlung 30 Tage zum Hören bereit. Alle anderen Lesungen können wir aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht im Internet zum Hören anbieten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Klassikerlesung | 17. Mai 2021 | 15:10 Uhr

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