Lesezeit | 22.03. – 13.04.2021 Heinrich Mann: Die Jugend und die Vollendung des Königs Henri Quatre

Vor 150 Jahren wurde der Schriftsteller Heinrich Mann geboren. Berühmt wurde er mit den Romanen "Professor Unrat" und "Der Untertan". Als sein bedeutendstes Werk gilt heute sein zweibändiger historischen Roman über König Henri Quatre. Bei MDR KULTUR senden wir eine Hörspieladaption in 15 Folgen mit Gerry Wolff als Erzähler, Peter Reusse in der Rolle des Königs und Inge Keller als Katharina de Medici.

Heinrich Mann stieß während seiner ersten Frankreichreise 1893 auf die faszinierende Lebensgeschichte Heinrichs IV. Etwa vier Jahrzehnte später begann er mit der Arbeit an seinem großangelegten historischen Roman, der zum überwiegenden Teil im französischen Exil entstand. "Die Jugend des Königs Henri Quatre" erschien 1935, der zweite Teil "Die Vollendung des Königs Henri Quatre" folgte 1938.

Das Werk ist eine Hommage an das Land, die französische Sprache und Kultur, der sich Heinrich Mann seit seiner Jugend verbunden fühlte. Und zugleich ist es eine Weiterführung seines umfangreichen politischen Engagements mit literarischen Mitteln. Die Lebensgeschichte des humanistischen, volksverbundenen Herrschers gestaltete Mann bewusst als utopischen Gegenentwurf zum Nazi-Regime. In einem Essay bemerkt er zu seinem historischen Roman:

In Frankreich hatten sie einen Fürsten, der war der Fürst der Armen und Unterdrückten, wie er der Fürst der Denkenden war. [...] Aus seinen Abenteuern, Taten, Leiden habe ich eine lange Reihe von Bildern und Szenen gemacht, bunt zu lesen und bunt anzusehen. Alle zusammen haben den Sinn, dass das Böse und Furchtbare überwunden werden kann durch Kämpfer, die das Unglück zum Denken erzog, wie auch durch Denkende, die gelernt haben zu reiten und zuzuschlagen.

Heinrich Mann über "Die Jugend des Königs Henri Quatre" Ein denkwürdiger Sommer

Die Lebensgeschichte des Königs Henri IV.

Paris während der Bartholomäusnacht 1572, zeitgenössisches Gemälde von François Dubois: Le massacre de la Saint-Barthélemy
Paris während der Bartholomäusnacht 1572, zeitgenössisches Gemälde von François Dubois Bildrechte: imago images/UIG

Henri ist noch der Prinz von Navarra, als er nach Paris kommt, wo Katharina de Medici für ihren minderjährigen Sohn Karl IX. regiert. Der Hugenotten-Prinz Henri soll mit Margot, der Schwester des katholischen Königs Karl IX. vermählt werden. Die Hochzeit, als Zeichen der Versöhnung zwischen den verfeindeten Konfessionen gedacht, wird zum Blutbad. Katharina und ihr Sohn, König Karl IX., befehlen, Henris Gefolge sowie die in Paris lebenden Hugenotten niederzumetzeln. Tausende Protestanten sterben in der Bartholomäusnacht vom 23. zum 24. August des Jahres 1572.

Der neuvermählte Henri wird gefangen genommen. Um sein Leben zu retten, konvertiert er zum katholischen Glauben. 1576 gelingt ihm die Flucht aus dem Louvre. Im Süden des Landes bekennt er sich wieder zum Protestantismus und verwaltet als Gouverneur die südwestlichen Provinzen Frankreichs. Hier versucht er erstmals, seine Überzeugungen von einer humanen Regentschaft umzusetzen. Getragen von den Wünschen und Hoffnungen des Volkes, wird er Führer der hugenottischen Partei.

König Heinrich III., in Machtkämpfe mit der Liga verstrickt, bestimmt Henri zum Thronfolger. Nach dessen Tod meldet Henri seinen Anspruch auf die Krone an, doch die katholische Liga und ihr Verbündeter Philipp von Spanien weigern sich, das Vermächtnis des ermordeten Königs zu erfüllen und den Thron an den protestantischen Ketzer auszuliefern. Vergeblich versucht Henri, Paris zu erobern und entschließt sich schließlich, aus Gründen der politischen Vernunft, erneut zum katholischen Glauben zu konvertieren. Ein gewagter Schritt, der in den Augen der Hugenotten einem Verrat gleichkommt.

1594 wird Henri in Chartres zum König von Frankreich gekrönt. Er beendet die Glaubenskriege und gewährte den Hugenotten mit dem Edikt von Nantes Religionsfreiheit. Nach Kräften versucht er, die Wirtschaft wiederzubeleben und einen starken Zentralstaat aufzubauen. Und er fasst einen großen Plan: Einen Bund europäischer Staaten will er schaffen, damit endlich Frieden herrscht.

Der Friede ist seinen Preis wert, wenn nicht wir allein ihn tragen, sondern alle christlichen Staaten überein. Ich und meine Verbündeten werden alle überzeugen, wo ihr Vorteil und ihre Sicherheit sind. Nirgends sonst, als in einem Völkerbund.

Heinrich Mann Die Vollendung des König Henri Quatre

Ein weitblickender, kluger politischer Vorsatz, der aber nicht mehr in Erfüllung gehen soll. Am 14. Mai 1610 fällt Henri IV. einem Attentat zum Opfer.

Der Schriftsteller Heinrich Mann

Heinrich Mann wurde am 27. März 1871 als erster Sohn eines Lübecker Senators, Großkaufmanns und Reeders geboren. Nach dem Abgang vom Gymnasium im Oktober 1889 begann er eine Buchhandelslehre bei "Zahn & Jaensch" in Dresden. 1890-1892 volontierte er in Berlin beim S. Fischer Verlag und studierte als Gasthörer an der Universität. Ab 1885 veröffentlichte er erste Erzählungen.

Heinrich Mann mit seiner Frau Nelly, 1940
Heinrich Mann mit seiner Frau Nelly bei der Ankunft in den USA, 1940 Bildrechte: dpa

Zu seinen erfolgreichen Büchern gehören: "Im Schlaraffenland" (1900), "Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen" (1905) sowie "Der Untertan" (1916/1918). Unter dem Titel "Der blaue Engel" kam "Professor Unrat" 1930 als Tonfilm mit Marlene Dietrich und Emil Jannings ins Kino.

1933 emigrierte der Schriftsteller nach Frankreich, später in die USA. 1935 erschien "Die Jugend des Königs Henri Quatre" und 1938 "Die Vollendung des Königs Henri Quatre". 1949 nahm Heinrich Mann die Berufung zum Präsidenten der neu gegründeten Akademie der Künste in Ost-Berlin an, starb aber am 12. März 1950 noch in Santa Monica/Kalifornien. Die Urne mit der Asche Heinrich Manns wurde 1961 auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt.

Angaben zur Sendung

MDR KULTUR Lesezeit
Zum 150. Todestag von Heinrich Mann am 27. März
Die Jugend und die Vollendung des Königs Henri Quatre
Von Heinrich Mann
Hörspiel in 15 Folgen

Sprecher:
Gerry Wolff - Erzähler
Peter Reusse - Henri
Margarete Taudt - Jeanne, seine Mutter
Inge Keller - Madame Catherine
Heidi Weigelt - Margot
Ezard Haußmann - Karl IX.
Alfred Driesener-Tressin - Coligny
Dieter Wien - Mornay
Heinz Behrens - Du Bartas
Eckhart Strehle - D'Anjou
Carl Hermann Risse - D'Alwecon
Wolfgang Greese - Montaigne
Lothar Schellhorn - d'Armagnac
u.v.m.

Bearbeitung: Alfred Schrader, Wolfgang Beck
Dramaturgie: Ludwig Achtel
Komposition: Tilo Müller-Medek
Regie: Fritz Göhler
Produktion: Rundfunk der DDR 1971

Sendung: 22.03. – 13.04.2021 | 09:05-09:35 Uhr
Wiederholung: 22.03. – 13.04.2021 | 19:05-19:35 Uhr

Alle 15 Folgen des Hörspiels stehen hier ab 22. März für 30 Tage zum Hören bereit.

Heinrich Mann: Die Jugend des Königs Henri Quatre
Bildrechte: S. Fischer Verlage

Buchtipp Heinrich Mann: Die Jugend des Königs Henri Quatre

Heinrich Mann: Die Jugend des Königs Henri Quatre

Taschenbuch: 688 Seiten
Fischer Verlag 1991
ISBN: 978-3596901517
14,99 Euro

Heinrich Mann: Die Vollendung des Königs Henri Quatre
Bildrechte: S. Fischer Verlage

Buchtipp Heinrich Mann: Die Vollendung des Königs Henri Quatre

Heinrich Mann: Die Vollendung des Königs Henri Quatre

Taschenbuch: 880 Seiten
Fischer Verlag 2010
ISBN: 978-3596901616
16,99 Euro

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